Der kleine Fürst Jubiläumsbox 6 – Adelsroman. Viola Maybach

Der kleine Fürst Jubiläumsbox 6 – Adelsroman - Viola Maybach


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sich um das gesamte geschäftliche Umfeld aber nicht gern kümmern. Das könnte ich machen, ich habe ja Erfahrungen auf diesem Gebiet. Um solche Dinge geht es. Er ist ja viel älter als ich, deshalb hat er mir eine Menge Erfahrung voraus, das finde ich angenehm. Außerdem ist er ein ruhiger und sympathischer Mann, es macht Spaß, mit ihm Ideen zu entwickeln und darüber zu diskutieren. Alles, was er sagt, hat Hand und Fuß.«

      »Sei vorsichtig«, warnte Rosalie.

      »Wieso vorsichtig?«, fragte Armin verwundert.

      »Wegen der Kinder. Der älteste Sohn erbt das Gut eines Tages – was sagt der denn, wenn sein Vater jetzt plötzlich Pläne mit einem fremden jungen Mann macht und nicht mit seinem Erben?«

      »Der älteste Sohn ist Archäologe«, erklärte Armin ruhig. »Der übernimmt das Gut nicht.«

      »Dann eben der Zweitälteste«, sagte Rosalie ungeduldig.

      »Auch nicht, der hat andere Pläne. Er träumt vom großen Geld, und das ist mit dem Gut sicher nicht zu machen.«

      »Herrje!«, rief Rosalie. »Ich sage doch nur, du sollst vorsichtig sein, denn irgendjemand wird das Gut eines Tages erben – und das wirst in keinem Falle du sein.«

      »Das weiß ich doch, aber diese Erbgeschichte betrifft unsere Pläne überhaupt nicht.«

      »Jetzt vielleicht noch nicht, aber falls eure Geschäfte erfolgreich sind…«

      Armin ließ seine Schwester nicht ausreden. »Ich verspreche dir, vorsichtig zu sein, Rosalie, aber Ludwig und seine Frau sind gerade mal Anfang Fünfzig. Er denkt noch längst nicht ans Aufhören.«

      »Andere in dem Alter aber schon«, bemerkte Rosalie. Als sie sein Gesicht sah, umarmte sie ihn. »Schon gut«, sagte sie versöhnlich. »Ich höre ja schon auf mit meinen Einwänden. Auf alle Fälle wünsche ich euch beiden viel Erfolg mit euren Geschäften.«

      Armin nickte. »Den wünsche ich uns auch«, meinte er nachdenklich. »Und ich bin ziemlich gespannt auf Ludwigs Familie, das muss ich schon sagen.«

      »Schade, dass ich dich nicht begleiten kann«, seufzte Rosalie. »Da hätte ich zu gerne Mäuschen gespielt.«

      »Du warst schon als kleines Mädchen neugierig«, lächelte Armin. »Sag mal, hattest du mich nicht zum Essen eingeladen?« Er schnupperte. »Da kommt ja überhaupt noch kein Duft aus der Küche.«

      »Weil wir ausgehen«, erklärte Rosalie. »Komm, das Lokal ist gleich hier um die Ecke – es hat neu eröffnet, du wirst begeistert sein.«

      In den nächsten beiden Stunden stellte sich heraus, dass sie zumindest mit dieser Vorhersage hundertprozentig Recht gehabt hatte.

      *

      Es war wieder Ruhe auf Gut Isebing eingekehrt. Charlottas Geschwister waren nach dem Wochenende abgereist, was sie einerseits angenehm fand, denn sie hatte beim Arbeiten gern ihre Ruhe – andererseits bedauerte sie es, denn der Trubel, den die anderen jedes Mal mitbrachten, gefiel ihr auch.

      Beim Abendessen räusperte sich Ludwig und sagte nach einem kurzen Blick zu seiner Frau hinüber: »Armin von Thaden ist ein sehr netter junger Mann, Charly.«

      »Sonst würdest du ja wohl kaum über Geschäfte mit ihm nachdenken«, bemerkte Charlotta.

      »Sehr richtig. Wir, deine Mutter und ich, finden aber außerdem, dass du in der Zeit, wo er hier ist, auch einmal deine weibliche Seite herausstreichen könntest.«

      Ganz langsam ließ Charlotta die Gabel, die sie eben zum Mund hatte führen wollen, wieder sinken. Misstrauisch und ungläubig sah sie ihren Vater an. »Was soll das denn jetzt heißen? Wollt ihr mich verkuppeln oder was?«

      »Natürlich nicht!«, beteuerte ihr Vater. »Wir wissen ja, dass das von vornherein aussichtslos ist, aber…«

      »Hoffentlich wisst ihr das!« Charlotta kniff beide Augen zusammen. »Aber dann kann es euch doch völlig gleichgültig sein, wie ich herumlaufe, wenn er kommt. Er interessiert mich nicht, ich interessiere ihn nicht – damit ist der Fall erledigt. Er will mit dir Geschäfte machen, Papa. Soll er. Aber mich haltet da bitte heraus, ich will damit nichts zu tun haben. Am liebsten wäre es mir, ich müsste den Mann überhaupt nicht sehen. Du weißt, ich habe nicht gern mit fremden Leuten zu tun.«

      Das stimmte allerdings, und in der Regel führte es dazu, dass Charlotta sich, wenn sie sich unsicher fühlte, noch ruppiger aufführte als ohnehin schon.

      Marianne schaltete sich ein. »Du bist zwanzig Jahre alt, Charly«, sagte sie sanft. »Und du läufst herum wie ein Stallknecht…«

      »Ja, und?«, fragte Charlotta aufgebracht. »Was stört euch daran?«

      Sie hatten es falsch angefangen: Charlotta war in dieser Stimmung keinem Argument mehr zugänglich, das wussten sie aus Erfahrung. Dennoch versuchte Marianne es noch einmal, zu ihrer jüngsten Tochter durchzudringen. »Du bist eine hübsche junge Frau, es wäre schön, wenn wir das ab und zu auch einmal zu sehen bekämen«, sagte sie ruhig. »Und wir würden uns freuen, wenn auch unsere Gäste es sähen. Die Vorstellung, dass Armin von Thaden, den dein Vater sehr schätzt und von dem ich daher annehme, dass er ein sympathischer Mann ist, dich für ungepflegt und hässlich hält, gefällt mir nicht.«

      Charlotta starrte erst ihre Mutter an, dann ihren Vater. Diesen fragte sie mit anklagender Stimme: »Was soll das, Papa? Ich dachte, ihr wolltet mich nicht verkuppeln!«

      »Das wollen wir ja auch nicht«, erklärte Ludwig. »Wie kommst du nur darauf? Deine Mutter hat dich lediglich gebeten…«

      Er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden, denn Charlotta war aufgesprungen. Mit zornrotem Gesicht rief sie: »Mir ist es egal, was dieser Typ von mir denkt, dass ihr es nur wisst! Und wenn ihr euch meinetwegen schämt, dann kann ich während seiner Anwesenheit die Mahlzeiten ja auf meinem Zimmer einnehmen.«

      »Hör auf!«, sagte Ludwig in ungewöhnlich scharfem Ton. »Du benimmst dich wie eine unreife Göre, Charly.«

      Aber diese Worte entfachten Charlottas Zorn erst recht. »Ich wehre mich nur dagegen, dass ihr versucht, mir einen Mann schmackhaft zu machen, den ich noch nie gesehen habe. Ich will keinen Mann, das habe ich euch oft genug gesagt!« Mit diesen Worten stapfte sie aus dem Esszimmer und knallte gleich mehrere Türen mit solchem Schwung hinter sich zu, dass es im ganzen Haus zu hören war.

      »Sie hat wieder einmal alles falsch verstanden«, murmelte Ludwig resigniert. »Was sollen wir nur mit ihr anfangen, Nana? Sie kann doch nicht immer so weitermachen!«

      »Ich hoffe, das wird sie auch nicht«, seufzte seine Frau. »Aber Herrn von Thaden müssen wir vermutlich vorwarnen, sonst bekommt er einen Schrecken, wenn er das erste Mal auf sie trifft. Wahrscheinlich stampft sie ihn in Grund und Boden.«

      Ludwig schüttelte den Kopf. »Wir sagen nichts«, bestimmte er. »Sollen sie sehen, wie sie miteinander zurechtkommen. Wahrscheinlich werden sie sich kaum begegnen, du kennst doch Charly, sie geht ihm mit Sicherheit aus dem Weg. Und bei den Mahlzeiten sind wir ja auch noch da, um das Schlimmste zu verhindern.«

      »Ich hatte es mir so nett vorgestellt, den jungen Mann endlich kennenzulernen«, sagte Marianne unglücklich. »Aber nun ist mir die Vorfreude verdorben. Ich werde die ganze Zeit Angst haben, dass Charly aus der Rolle fällt.«

      »Das soll sie nicht wagen!« Ludwig machte ein grimmiges Gesicht, aber gleich darauf lachte er schon wieder. »Ach was, wir sollten uns nicht verrückt machen lassen, Nana! Ich jedenfalls freue mich auf Armins Besuch. Er sprudelt geradezu über vor Ideen, du wirst ihn bestimmt auch mögen. Wir werden uns einfach eine schöne Zeit mit ihm machen.«

      Sie nickte, ganz überzeugt wirkte sie freilich nicht – schließlich kannte sie ihre Jüngste!

      *

      Sara von Isebing hatte an diesem Montag einen fantastischen Start in die Woche: Sie verkaufte einer Kundin gleich zwei teure Kleider, einen Hosenanzug und dazu noch ein paar Schuhe. Besser konnte es eigentlich gar nicht laufen. Ihre Chefin lobte sie, und Sara war stolz auf sich.


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