Auf der Reise zu Dir selbst. André M. Richter

Auf der Reise zu Dir selbst - André M. Richter


Скачать книгу
für sich seine eigene Lösung finden. Ein allgemeingültiges Rezept gibt es nicht!

      Es ist nie zu spät, um sein Leben zu ändern. Jeder Tag ist der richtige Tag für einen Neuanfang. Dieses Buch soll kein Aufruf zum Konsumverzicht sein. Es soll vielmehr zum Nachdenken anregen – darüber, was für jeden von uns wirklich wichtig im Leben ist!

       Fazit:

      • Was wir später bereuen, sind die Dinge, die wir nicht getan haben!

      • Glücksgefühle sind unabhängig von finanziellem Reichtum!

      • Der richtige Zeitpunkt für einen Neuanfang ist JETZT!

      • Weniger ist mehr!

       Wie alles begann

      Es ist kein gewöhnlicher Morgen. Sandra wacht auf und versucht, sich zu orientieren. Sie hat unendlich tief geschlafen. Draußen ist es bereits taghell. Plötzlich zuckt sie zusammen. Sie muss den Wecker überhört haben! Wie spät ist es? Wird sie noch pünktlich zur Arbeit kommen?

      Verwirrt schaut sie sich um. Alles kommt ihr fremd vor. Allmählich merkt sie, dass sie nicht zuhause ist. Langsam erinnert sie sich wieder. Sie hat Urlaub, ist spontan in den Süden geflogen und hat alles hinter sich gelassen.

      Was ist in den letzten Tagen geschehen?

      Sandra arbeitet in einer Werbeagentur in Frankfurt, wohnt in einem modernen Appartement in einem Nobel viertel und ist seit drei Jahren mit Sven zusammen. Vor einem halben Jahr kamen sie auf die Idee, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Insgeheim wünscht Sandra sich Kinder, aber Sven ist seine Karriere wichtiger.

      Vor einer Woche hat er ihr eines Abends bei einem Essen in ihrem Lieblingslokal gesagt, dass er die Beziehung beendet, da er kurzfristig im Ausland arbeiten wird.

      Für Sandra bricht eine Welt zusammen. Zu keiner Zeit hat Sven zuvor erwähnt, dass er sich verändern möchte. Seine Gefühlskälte macht sie fassungslos und wütend zugleich. Plötzlich erscheint ihr alles Bisherige sinnlos. Sie hat mehrere Jahre mit einem Menschen verbracht den sie offensichtlich nicht kannte, und fühlt sich, als wäre sie beim „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ abgeschossen worden. Sie weiß nicht, wie sie reagieren soll, und steht unter Schock. Sven soll auf keinen Fall bemerken, wie sehr er sie damit getroffen hat. Wortlos knallt sie ihm seinen Ring auf den Tisch, schüttet ihm den Inhalt ihres Weinglases ins Gesicht, steht aufund geht.

      Zuhause angekommen versucht Sandra, ihre Gedanken zu ordnen. Sie bittet ihre beste Freundin, ihre privaten Dinge bei Sven abzuholen, trinkt noch ein Glas Wein, versucht sich mit Musik abzulenken, und geht bald zu Bett. Sie will ihn nie wiedersehen.

      Am nächsten Morgen ist sie wie gerädert. Ais sie sich im Spiegel betrachtet, erschrickt sie. Sie hat tiefe Augenringe und wirkt wie versteinert.

      Auf der Arbeit kann sie sich nicht konzentrieren. Das Projekt, an dem sie arbeitet, befindet sich gerade in der Endphase und erfordert nur noch einen Abschlussbericht. Eigentlich soll sie sofort mit einem neuen Projekt beginnen, aber sie hat keinerlei Kraft und Energie mehr. Also teilt sie ihrem Chef mit, dass sie dringend eine Pause braucht und kurzfristig ihren Resturlaub nehmen möchte.

      Es ist Mittwoch. Sandra hat noch den Bericht zu schreiben und kann danach drei Wochen Urlaub nehmen. Sie arbeitet den Rest der Woche sehr konzentriert und ist froh, durch die Arbeit abgelenkt zu sein. Sven hat inzwischen mehrmals versucht, sie zu erreichen, aber sie hat seine Nachrichten ignoriert. Am Freitag fährt sie nach der Arbeit zum Flughafen und bucht spontan einen dreiwöchigen Luxusurlaub auf Fuerteventura. Sandra will nur noch weg und ist froh, kurzfristig etwas Passendes gefunden zu haben.

      Der Flug startet bereits am nächsten Morgen. Zurück in ihrem Appartement informiert sie kurz ihre Freundin, packt für den Urlaub, geht zu Bett und fährt früh morgens mit dem Taxi zum Flughafen. Ais ihre Maschine startet, schaut sie nachdenklich auf die immer kleiner werdende Stadt. Je winziger die Häuser werden, umso unwirklicher erscheint ihr jetzt das Leben, das sie dort bisher geführt hat. Sandra schließt die Augen und versucht zu schlafen.

      Am Ziel angekommen mietet sie ein Cabrio und fährt in ihr Luxushotel. Aber diesmal ist alles anders als bisher. Sie ist nicht in der Lage, Freude zu empfinden. Alles um sie herum wirkt gekünstelt, irreal und steril. Es ist Luxus, aber kein echtes Leben. Es fehlt etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann. Genau beschreiben kann sie es nicht.

      Inzwischen ist es Mittag geworden. Sie ist völlig übermüdet und geht auf ihr Zimmer, um sich ein paar Stunden auszuruhen. Abends geht sie kurz etwas essen, hat aber kein Interesse an den üblichen oberflächlichen Gesprächen an der Bar und zieht sich zurück auf ihr Zimmer. Auf dem Bettrand sitzend betrachtet sie sich im Spiegel, schenkt sich ein Glas Prosecco ein, prostet sich selbst zu, fällt in ihr Bett und schläft sofort ein.

      Sandra ist also im Urlaub. Um Abstand zu gewinnen, einen klaren Kopf zu bekommen und um zu überlegen, wie ihr Leben weitergehen kann. Was passieren muss, damit es wieder funktioniert. Vielleicht wäre eine kalte Dusche ja ein guter Start …

      Als sie aus der Dusche kommt, ist ihre größte Müdigkeit verflogen. Sandra geht frühstücken, setzt sich danach in ihr Cabrio und fährt ziellos die Küstenstraße entlang. An einem kleinen Ort angekommen entscheidet sie sich, direkt ans Meer zu fahren. Der Ort wirkt um diese Zeit wie ausgestorben. An einer winzigen Taverne hält sie an. Dort sitzt nur ein einziger Gast.

      Sandra bestellt sich einen Kaffee und betrachtet den Mann unauffällig. Mitte 50, sonnengebräunt, mittellanges graues Haar, angenehme Ausstrahlung, gelassen und voller Lebensfreude. Vor ihm stehen ein Kaffee und ein Wasser, er liest in einem dünnen Buch, lächelt und spricht ein paar Worte mit der Bedienung, die ihn zu kennen scheint. Seine Stimme ist vertrauenerweckend.

      Als er wieder allein ist, beginnt er auf einem Blatt zu zeichnen. Schließlich fragt Sandra ihn, ob Zeichnen sein Hobby ist.

      „Nein“, antwortet er nur und schaut sie an.

      „Und warum machen Sie das dann?“, fragt Sandra.

      „Weil ich mir vorgenommen habe, jeden Tag etwas Neues auszuprobieren oder etwas völlig Verrücktes zu machen.“

      Sie schaut ihn fragend an. „Wissen Sie, ich war lange im Management tätig und beruflich viel unterwegs, bis ich schließlich schwer erkrankt bin. Nachdem ich mich wieder erholt hatte, war meine Frau nicht mehr da und unsere Tochter führte bereits ihr eigenes Leben. Irgendwie machte meine Arbeit keinen Sinn mehr für mich. Ich war nicht mehr überzeugt von meiner Arbeit und hatte den Spaß daran schon lange verloren.

      Da meine Ex-Frau vermögend ist, haben wir uns im Guten getrennt. Ich habe mich in der Firma auszahlen lassen, habe alles verkauft und bin auf Reisen gegangen. Irgendwann bin ich hier gelandet und geblieben. Ich lebe in einer kleinen Finca nahe am Meer, fahre einen Jeep und habe Surfen gelernt. Kein Porsche mehr, kein Golfen und keine Rolex! Ich will das alles nicht mehr!

      Ich bin hier mit meinem einfachen Leben glücklicher als jemals zuvor! Meine Prioritäten haben sich völlig verändert. Ich beschäftige mich mit anderen Lebensphilosophien und übe Hobbys aus, von denen ich früher allenfalls geträumt habe. Kein Planen und keine Projekte mehr - ich lebe jetzt und denke allenfalls an morgen. Jeden einzelnen Tag genieße ich in vollen Zügen. Ich brauche relativ wenig Geld, bin finanziell frei und kann tun und lassen, was immer ich will. Niemand kann mich mehr unter Druck setzen. Die Menschen, mit denen ich hier befreundet bin, mögen mich als Mensch und wissen nichts von meinem früheren Leben. Was kann es Schöneres geben?“

      „Was Sie sagen, klingt gut und weckt Sehnsüchte bei mir!“, sagt Sandra nachdenklich. „Aber um das umzusetzen braucht man viel Mut und Zeit!“

      „Wieso? Es braucht nur einen Auslöser und echte Entschlossenheit! Nachdem ich innerlich dazu bereit war, hat es nur drei Monate gedauert, bis ich Deutschland den Rücken gekehrt habe. Ich habe diesen Schritt niemals bereut und bin inzwischen schon ein paar Jahre hier. Übrigens, mein Name ist Maik“, stellt er sich vor.

      „Ich bin Sandra. Fehlt Dir denn


Скачать книгу