10 Urlaubskrimis Juli 2020 - Thriller Hochspannung. Alfred Bekker

10 Urlaubskrimis Juli 2020 - Thriller Hochspannung - Alfred Bekker


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einem goldenen Kruzifix herum, das ihm an einem Kettchen um den Hals hing. Das glänzende Edelmetall bildete einen starken Kontrast zu der stark gebräunten Haut.

      In der Einfahrt von Haus Nummer 132 stand ein gelber Lamborghini.

      Der Wagen von Sonny D’Andrea!, wusste der Grauhaarige und musste grinsen. Auch wenn dieser D’Andrea wahrscheinlich Millionen auf der hohen Kante hatte – sein Geschmack in Sachen Autos war immer noch der eines neureichen Emporkömmlings, der allen zeigen wollte, wie dick seine Brieftasche war.

      Jedenfalls weiß ich jetzt, dass du zu Hause bist!, dachte der Grauhaarige.

      Er stellte den Motor ab und stieg aus.

      Der helle Blouson beulte sich unter der linken Schulter etwas aus.

      Der Grauhaarige ging geradewegs zur Haustür und klingelte.

      Eine junge Frau öffnete ihm: Maximal dreißig Jahre alt, schlank, zierlich und mit langem, dunkelblondem Haar. Sie trug ein eng anliegendes blaues Kleid und war höchstens halb so alt wie der Besitzer des Hauses.

      „Ich nehme an, Sie kommen vom Maklerbüro Rutherford & Partners, wir hatten vorhin telefoniert.“

      „Ich möchte mit Mister D’Andrea sprechen.“

      Sie runzelte die Stirn. „Der ist nicht zu Hause. Tut mir leid. Sie sind nicht Mister Rutherford?“

      „Wollen Sie das Haus verkaufen? Ist doch ganz nett hier?“

      Die junge Frau versuchte, die Tür wieder zu schließen, aber der Grauhaarige war schneller. Sein Fuß war dazwischen. Blitzschnell trat er vor, griff nach ihrem Hals und schleuderte sie gegen die Wand. Auf ihren hohen Schuhen verlor sie den Halt.

      Der Grauhaarige kickte mit dem Absatz die Haustür ins Schloss.

      Die junge Frau war kurz benommen. Als der Grauhaarige erkannte, dass sie schreien wollte, versetzte er ihr einen gezielten Schlag, der sie bewusstlos zusammensinken ließ. Sie rutschte an der Wand herab und blieb regungslos legen.

      D’Andrea, du Ratte!, ging es dem Grauhaarigen durch den Kopf. Da komme ich wohl noch gerade rechtzeitig, bevor du dich auf Nimmerwiedersehen davonmachen willst!

      Er nahm die Sonnenbrille ab und steckte sie in die Seitentasche seines Blousons. Dann holte er eine Automatik mit Schalldämpfer hervor. Er nahm sich nun systematisch Zimmer für Zimmer vor. Auf ungefähr hundert Quadratmeter schätzte der Grauhaarige die Wohnküche des Bungalows. Von Sonny D’Andrea gab es nirgends eine Spur. Schlafzimmer und Bad sahen aus, als hätte hier nie jemand gewohnt.

      Er muss die Lunte gerochen haben!, dachte der Grauhaarige. Einem Mann wie D’Andrea machte man eben nichts vor.

      Der Grauhaarige durchsuchte noch Keller und Dachboden. Das Haus enthielt – so gut wie keinerlei persönliche Habe mehr. Das Telefon war abgemeldet.

      Schließlich kehrte der Grauhaarige in den Flur zurück. Er fasste die am Boden liegende Frau unter den Achseln und schleifte sie ins Bad. Dort hob er sie in die Wanne und ließ kaltes Wasser laufen.

      Die junge Frau schreckte mit einem Schrei hoch. Ihre Augen waren angstvoll geweitet. Blut lief aus einer Platzwunde an der Schläfe.

      Der Grauhaarige stellte das Wasser ab.

      „Wir müssen uns unterhalten“, sagte er. „Es liegt ganz bei dir, wie schmerzhaft das wird!“

      4

      Ich bog von der Franklin Avenue in Brooklyn in die Union Street ein.

      „Hier muss es gleich sein!“, meinte mein Kollege Milo Tucker. „Fahr langsamer. Zurück können wir nicht!“

      Die Union Street war eine Einbahnstraße und gewisse Regeln dürfen auch G-men nur im Notfall brechen.

      Allerdings nicht, wenn sie kein Aufsehen erregen wollen – und das war im Augenblick der Fall.

      Der Anruf eines gewissen Sonny D’Andrea hatte unser Field Office in der Federal Plaza erreicht. D’Andrea glaubte, dass ein Killer hinter ihm her sei und hatte sich in einem billigen Hotel verkrochen. Dort saß er jetzt und wartete darauf, dass wir ihm halfen.

      Der City Police traute D’Andrea nicht. Er war der Überzeugung, dass sie von seinen Mafia-Feinden durchsetzt wäre.

      Einzig und allein das FBI besaß bei ihm genug Vertrauen, um sich in dieser Situation mit der Bitte um Hilfe an es zu wenden.

      Das entbehrte nicht einer gewissen Ironie, denn vor wenigen Jahren hatte er unser Field Office als seinen schlimmsten Gegner betrachtet. Sonny D’Andrea war der Überzeugung der Justiz nach Teil des Damiani-Syndikats gewesen. Allerdings hatte er gewusst, wann es genug war und rechtzeitig aufgehört. Es war nie möglich gewesen, D’Andrea vor Gericht etwas anzuhaben und inzwischen hatte er seine Millionen irgendwo auf der hohen Kante sicher angelegt und sich zur Ruhe gesetzt.

      Aber unsere Aufgabe ist es, das Verbrechen zu bekämpfen – und dabei spielt es auch keine Rolle, ob das Opfer möglicherweise selbst einmal auf Seiten der Gangster gestanden hatte. Wir waren verpflichtet, das Leben eines Mannes wie Sonny D’Andrea genauso zu schützen wie das jedes anderen Bürgers.

      Ich bremste den Sportwagen etwas ab und bog nach links auf einen Parkplatz, der die lange Reihe von ehemaligen Lagerhäusern unterbrach. Wir hatten Glück und fanden einen freien Parkplatz.

      Da Hotel Lazarr lag auf der linken Hand. Es handelte sich um ein fünfstöckiges Brownstone-Gebäude, das ursprünglich wohl als Unterkunft für Hafenarbeiter gedient hatte. Inzwischen war es zu einem Hotel heruntergekommen, dessen Zimmer auf Wunsch auch stundenweise vermietet wurden.

      Wir passierten den Eingang und betraten das Foyer.

      Der Portier schreckte hoch. Ich hielt ihm die ID-Card entgegen.

      „Jesse Trevellian, FBI.“

      „Wir sind sauber!“, zeterte der Portier. „Und wenn sich hier möglicherweise Frauen für Geld anbieten, hat unser Hotel nichts damit zu tun!“

      Der Mann sprach mit einem starken osteuropäischen Akzent.

      „Wir sind nicht von der Vice-Abteilung“, sagte Milo. „Sie können ganz beruhigt sein.“

      „Und einen Durchsuchungsbeschluss brauchen wir nicht. Einer Ihrer Gäste hat uns nämlich eingeladen.“

      „Ach, ja?“

      Wir fragten nach der Zimmernummer, die Sonny D’Andrea uns angegeben hatte. Der Portier beschrieb uns den Weg. „Die Treppe hoch, dann links den Gang runter ganz am Ende.“

      „Danke.“

      „Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie Mister Smith ankündige?“

      Ich schüttelte den Kopf. „Ganz und gar nicht.“


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