Strohblondchen. Charles Keller
solch großen Eindruck auf ihn machte und gleichfalls Anregung war, ihre Abenteuer wieder und wieder, so detailgetreu wie möglich, am beziehungsweise auf dem Weidenbach nachzustellen. Allerdings – ein Floß dieser Größe müsse man am heimischen Gewässer wohl eher als Brücke bezeichnen.
„Zeit! Sofort abgeben!“, platzte Brecht derart lautstark in Wolfs Tagtraum, dass es gewisslich noch in St. Louis zu hören war.
„Ritter! Einsammeln! Auf, auf! Zack, zack!“
Der Befehligte schlenderte jedoch eher gemach von Bank zu Bank. Denn dort, wo er sich vor Minutenfrist noch aufgehalten hatte, gingen die Uhren bekanntermaßen um einiges langsamer.
„Mal sehn – für den Fall, dass ich in den Ferien Lust haben sollte, korrigiere ich die Arbeiten. Vielleicht schmeiß ich sie auch weg – wenn ihr Glück habt!“
Des Paukers breites Grinsen verdeutlichte allen, dass auch er sich wahnsinnig darauf freute, der Penne sechs Wochen lang fernbleiben zu dürfen.
Wolf legte die eingesammelten Werke neben die Zeugnisse.
„Die kannst du gleich austeilen, wenn du schon stehst!“, lautete sein neuer Befehl.
Dabei trommelte Brecht mit den Fingerspitzen auf die gleichermaßen geliebten wie gehassten Hefte, deren fast ausnahmslos bereits bekannter Inhalt von so außerordentlicher Wichtigkeit für jeden Einzelnen war.
Der derart schamlos überbeanspruchte Schüler schnappte sie sich und marschierte abermals los, während der über die Maßen verschmitzt dreinschauende Lehrer in seine Tasche fasste und drei in Geschenkpapier verpackte Bücher zum Vorschein brachte – die Preise für die Besten!
Wolf blieb absolut unbeeindruckt von der Tatsache, dass keines für ihn bestimmt war. Ebenso wenig würde er diesmal, im Gegensatz zum letzten Jahr, eine Belobigung erhalten. Wie hatte er sich damals noch, gemeinsam mit Eva, über eine solche gefreut – und einhellig hatten sie beschlossen, im nächsten Jahr einen Preis anzupeilen.
Doch nun lag lediglich ein Buch auf ihrem Tisch, als er wieder dort ankam – und die Preisgekrönte vermochte ihm nicht in die Augen zu sehen, wie er ihr gratulierte und das Zeugnis in die feuchte Hand drückte.
„Mädchen, jetzt freu dich halt ein bisschen – ich bleib ja nicht sitzen!“, ermunterte er seine gescheite Nebensitzerin und versah sie obendrein noch mit einem leichten Klaps auf die Schulter.
Es lag eben in Wolfs Wesen, sich auch mit anderen freuen zu können – zumal er ja wenige Zehntel nur schlechter geworden war. Und schon lächelte sie wieder. Einen zweiten Anlauf, was ein Treffen während der Ferien anging, traute sie sich allerdings nicht zu machen, sondern setzte sich, nachdem sowieso jegliche Ordnung in der Klasse abhanden gekommen war, zu ihren beiden Freundinnen.
Von draußen hörte man das Gegröle derer, die von ihren Lehrern überhaupt nicht mehr zu halten waren. Brecht hatte seit einigen Minuten keinen Laut mehr von sich gegeben. Doch jetzt stand er auf.
„Alles klar! Keiner sitzen geblieben! Dann sehen wir uns allesamt am Montag in sechs Wochen wieder! Ich wünsche euch schöne Ferien – und schaut auch mal in ein Buch! Auf Wiedersehen!“
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