Mutter, Muse und Frau Bauhaus. Ursula Muscheler
der Front, und so teilte er seine schrecklichen Erlebnisse, seine schwermütigen Gedanken und seine Angst vor der Zukunft, ohne, wie es scheint, an die Briefzensur zu denken, vor allem der Mutter mit. »Ich möchte rasen, in Ketten geschlagen durch diesen wahnsinnigen, allen Lebenssinn tötenden Krieg … Der Krieg wird uns noch alle zu Grunde richten. Die Dauer zerstört die Nerven sensibler Menschen. Die Stimmung der Front gegen die Regierung wird Gott sei dank gefährlich, so werden vielleicht diese elenden Noten-Schreiber doch noch vor unser aller Ende bankrott machen.«30
Im Oktober 1916 brachte Alma eine Tochter zur Welt, die auf den Namen ihrer Großmutter Manon getauft und Mutzi genannt wurde. Glücklich und ausgeglichen berichtete Alma der Schwiegermutter von der Taufe und den schönen, mit Mann und Kindern gemeinsam verbrachten Weihnachtstagen. Sie schien bereit, mit den Kindern nach Baden-Baden zu ziehen, um die Entfernung von der Front zu verkürzen, vielleicht sogar in das ungeliebte Berlin. Den Heimaturlaub im März 1917 genoss Gropius dann aber doch in Wien, entzückt von Frau und Tochter. Manon Gropius zog – die zunehmende Lebensmittelknappheit zwang die Familien zusammenzurücken – zu Tochter und Schwiegersohn, dem Landrat Max Burchard, nach Alfeld.
Die Tage in Wien waren für Gropius nur eine kurze Ruhepause; er musste bald zurück an die Front. In einem Brief an Karl Ernst Osthaus, der gerade als einfacher Landsturmmann diente und dessen scharf antisemitische Einstellung er wohl kannte, machte er seinem Herzen Luft und – ob aus Anbiederung oder aus Überzeugung bleibt unklar – die Juden für alles verantwortlich: »Ich denke viel über den Sinn des Ganzen nach und komme nun manchmal in Zweifel und Gewissensnot; denn geschieht das alles wirklich nur, damit die Juden sich zu Hause mehr und mehr mästen und diese alles Leben und vermehrtes Gut aus dem großen Jammer erretten? Der Kapitalismus ist so grotesk geworden …, dass er doch schließlich wohl an sich selbst zu Grunde gehen muss?! Wir alle sind schuld, dass es so gekommen ist, wir haben die Juden unbehindert groß werden lassen.«31
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