Von A bis Z. Ägidius Zsifkovics
sich nicht gesetzlich regeln. Wer in Not ist und wer mich braucht, wird mir zum Nächsten. Die erste Frage ist daher nicht: Was verlangt das Gesetz von mir? Was darf ich und was darf ich nicht?, sondern: Was ist hier und jetzt notwendig und notwendend?
So verstehe ich das Christsein und die gelingende Evolution des Menschen: Ich muss die Welt nicht durch die Brille vieler Vorschriften und Verbote betrachten, sondern ich darf in jedem Augenblick fragen: Was entspricht jetzt, in diesem konkreten Augenblick, dem Gebot der Liebe? Wie kann ich jetzt dazu beitragen, dass Leben sich entfaltet, Menschen Hilfe erfahren und befreit aufatmen können? Und so stelle ich mir auch eine Kirche vor, die an Jesus Maß nimmt: Sie presst das dynamische und sich ständig verändernde Leben nicht in ewig gültige Normen, sondern traut mir zu, mich in den verschiedenen Herausforderungen meines Lebens für das zu entscheiden, was im Sinn Jesu das jeweils Gute und Richtige ist. Nicht starre Gesetze, sondern situationsgerechte Entscheidungen helfen der Kirche, den Geist der Freiheit zu wahren und mutigen und vorausdenkenden Christen in ihr einen Platz zu geben.
Der dritte Leitsatz: Nicht fromme Sprüche, sondern menschliche Gesten!
Jesus nimmt in seiner Erzählung das Wort „Gott“ nicht ein einziges Mal in den Mund. Jesus erzählt eine Alltagsgeschichte, in die sich seine Zuhörer gut hineindenken können. Und doch ist die Nähe Gottes überall zu spüren: in der Art, wie Jesus dem Gesetzeslehrer eine neue Perspektive eröffnet; im Mitleid des Samariters; in seiner konkreten Hilfe für den Überfallenen. Jesus will den Gesetzeslehrer zur Tat bewegen, indem er ihn auffordert: „Dann geh und handle genauso!“ Nicht durch fromme Worte, sondern durch menschliche Gesten also wird Gott hörbar, erlebbar und spürbar.
So verstehe ich das Christsein und die gelingende Evolution des Menschen: Ich muss nicht viel von Gott reden. So wie ich lebe, wie ich zuhöre, wie ich auf andere zugehe, kann Gott zum Vorschein kommen. „Rede von Gott nur, wenn du gefragt wirst! Aber lebe so, dass man dich fragt!“, lautet die Devise. Und so stelle ich mir auch eine Kirche vor, die an Jesus Maß nimmt: Sie redet nicht vollmundig und wissend von Gott, sondern fördert in ihren Gemeinden und Gemeinschaften eine offene, gastfreundliche Atmosphäre, in der man die Menschenfreundlichkeit Gottes ahnen und erfahren kann. Wenn uns jemand auffordert: „Zeig uns deinen Gott!“, dann müssten wir antworten: „Sieh unseren Gottesdienst und unser Leben, wie wir uns um unsere Mitmenschen mühen, wie wir mit Konflikten umgehen, mit eigener und fremder Schuld, wie wir Frieden zu stiften versuchen und uns versöhnen – dann weißt du, wer unser Gott ist!“ Nicht fromme Sprüche also, sondern menschliche Gesten helfen mir, etwas von der Liebe Gottes zu spüren und weiterzugeben.
Die Erzählung vom barmherzigen Samariter ist nicht nur eine schöne Geschichte aus dem Mund Jesu, sondern sie ist ein Programm: für unser eigenes Christsein, für das Leben unserer Kirche, für die Entwicklung der ganzen Menschheit. Dieses Programm der Liebe wird darüber entscheiden, ob wir Heutigen – die wir selbst das lang gesuchte „missing link“ zwischen unseren stammhirngetriebenen menschenähnlichen Vorfahren und dem heute erst in Grundzügen entwickelten friedliebenden und triebbefreiten Menschen der Zukunft sind! – es schaffen werden, den Brückenschlag der Evolution fortzuführen.
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