Wolken, Wind und Islandpferde. Inger Frimansson
hatte. Dann musste Mama aufstehen und in die Küche gehen und ihm etwas aus dem Tiefkühlfach holen.
Zu Heli und Putte war er immer freundlich, trotzdem mochte ihn Heli nicht. Sie fand, dass er sich bei ihnen einzuschmeicheln versuchte. Als ob er es wegen Mama machte. Sie hatte das Gefühl, als ob Ralf solche Wesen wie Kinder sonst gar nicht bemerken würde.
Heute brachte er eine Tüte Bonbons mit, die er auf Helis Bett warf. In der Beziehung war er in Ordnung.
„Hab gehört, dir geht’s nicht gut“, sagte er. „Bitte schön! Teil sie mit deinem Bruder.“
„Aber erst nach dem Essen“, sagte Mama gespielt streng. Sie nahm die Schürze ab und umarmte ihn. Ihre Arme reichten kaum um seinen dicken Bauch.
Heli dachte immer häufiger an ihren Vater. Mark hieß er, Mark Hämäläinen.
Sie fragte sich, ob er in Finnland eine neue Familie hatte. Dort lebte er jetzt. Vielleicht hatten sie und Putte eine Menge finnischer Halbgeschwister.
Sie hatten nicht viel Kontakt zu ihm. Er schickte eine Glückwunschkarte, wenn sie Geburtstag hatten. Auf Helis Karte waren immer Katzenkinder in einem Korb mit Blumen, auf Puttes Autos. Und zu jedem Weihnachtsfest kam eine vorgedruckte Weihnachtskarte, auf der er nur das Wort Papa ergänzt hatte. Mit seiner spitzen, schmalen Schrift.
Oft fuhr Heli durch den Kopf: Ich möchte wissen, was er gerade in diesem Augenblick macht.
Was konnte er tun? Sie konnte sich kaum etwas anderes vorstellen, als dass er in einer leeren, ungemütlichen Wohnung saß. Sie sah nie Kinder bei ihm und auch keine neue Frau. Nur ihn. Er saß dort in einem Korbstuhl und spielte auf seiner Querflöte, spielte, bis die Nachbarn gegen die Wände hämmerten.
Dass er früher tatsächlich Flöte gespielt hatte, wusste sie. Er war gut gewesen, hatte in einem Orchester gespielt. Heli war nicht sicher, ob es Querflöte gewesen war. Aber die sah sie jedenfalls vor sich.
Sie wusste so wenig von ihm. Mama wollte nie von ihm reden. „Er ist ein abgeschlossenes Kapitel in meinem Leben“, pflegte sie zu sagen, und dann kriegte sie so einen strengen Zug um den Mund.
Irgendetwas war passiert, als Heli noch ein Baby war, etwas, das Mama sehr verletzt hatte. Papa hatte ausziehen müssen, und viele Jahre waren Mama und Heli allein gewesen.
Dann schienen sie sich aus irgendeinem Grund wieder näher gekommen zu sein. Vielleicht hatten sie beschlossen zusammenzuziehen. Dann war Putte geboren worden, Putte und Heli hatten denselben Vater.
Heli grübelte oft darüber nach, was Papa dazu getrieben hatte, ein und dieselbe Dummheit zwei Mal zu machen, sodass er wieder ausziehen musste.
Einmal, vor langer Zeit, hatte sie gefragt. Mama hatte an der Spüle gestanden und Kartoffeln geschält. Sie hatte das Kartoffelschälmesser von sich geworfen, sodass es unter die Küchenbank gefallen war.
„Er war nicht fürs Familienleben geeignet“, hatte sie gesagt. „Er hatte zu viele andere Interessen.“
„Hatte“. Als ob es ihren Vater nicht mehr gäbe.
Und es gab ihn ja auch gewissermaßen nicht mehr.
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