Krimis & Erotische Erzählungen. Walter Serner

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hat.«

      »Also doch Gibsi. Er liebt sie?«

      »Metaphysisch.« Meg rollte sich schnurrend auf die Chaiselongue.

      »Diese achtäugige Kartoffel?«

      Mitten in das Gelächter der beiden polterte Lapu. An der Hand schleifte er Gibsi nach, die sich zischend wand und, ohne daß er es gewahrte, in Zwischenräumen seinen Rock bespie.

      Beim Anblick Gibsis, die sofort um Hilfe piepste, schnellte sich Meg auf Lapus Handgelenk, erhielt gleichzeitig dessen Kopf vor den Bauch gestoßen, drückte ihn jedoch sofort mit der freien Hand hinunter, bis er ihn zwischen die Beine stecken konnte, und befreite nun Gibsis Hand durch eine kleine Drehung, die aber gleichwohl Lapu schrill aufkreischen ließ.

      Gibsi hüpfte augenblicks unter Benützung eines Stuhles auf eine Kommode und schrie: »Meg, er ist vollständig übergeschnappt; dieser Esel!«

      Meg beförderte mit ein paar schnellen Griffen Lapu rücklings auf die Chaiselongue, von der dieser jedoch, einmal im Schwung, auf den Boden gegen die Mauer kollerte.

      Sofort schob Meg die Chaiselonque quer vor die Ecke und stülpte einen Tisch, den er an den Beinen festhielt, darauf, so daß Lapu, eingeklemmt ächzte.

      »Gibsi, steig auf den Schrank!« kommandierte Meg.

      »C’est ça.« Gibsi gehorchte entzückt.

      Lapu begann speichelspritzend zu schimpfen, um sich zu schlagen und sich völlig närrisch zu gebärden.

      »Pacci, reich mir die Kommode!« brüllte Meg, genießerisch die Zähne fletschend.

      Pacci tat es begeistert keuchend. Er hielt den Tisch, während Meg die Kommode daranschob.

      Nachdem Meg die Haltbarkeit seiner Barrikade geprüft hatte, setzte er sich, nahm eine neue Zigarette und pfiff die Carmagnole.

      Pacci und Gibsi lachten unbändig.

      Meg mußte länger als eine Viertelstunde pfeifen, bis Lapu endlich die Luft ausging und Gibsi, mit ihrer Lage längst nicht mehr zufrieden, zu schweigen beliebte.

      Nach einigen Sekunden absoluter Stille fragte Meg höflich: »Nun, Lapu, was gibt es denn eigentlich?«

      Lapu knurrte.

      »Bitte nicht so laut.«

      Gibsi schrie auf.

      »Sie Monsieur da hinten!« quietschte Lapu mit dem Rest seiner Lungenkraft Pacci zu. »Er mich hat vernichtet bei meine Familie, er mich hat verkuppelt mit diese Räuberin von Gibsi, er mir hat gegeben miserable Räter und dann er hat mich beschimpft und heruntergetan und ausgehöhnt und bestehlen lassen von diese Räubertype-là Gibsi … J’en ai assez, assez … Und jetzt unten im Café sie hat gesagt, ich habe kein Talent zum Hochstapelei. Und Meg hat gesagt, daß ich es dazu habe, das Talent. Er mich hat vernichtet, und Gibsi mich hat bestohlen, betrogen, o …«

      »Menteur! Cochon! C’est rigolo! Ce cochon-là!« schmetterte Gibsi von ihrem Schrank zutal.

      Meg ließ einen ergötzten Blick zu Gibsi emporgelangen, die sich unter ihm durchaus nicht beruhigte. Dann sagte er langsam: »Die Cooks sind nun zwar gestiegen, dennoch aber bin ich der Meinung, daß man, wenn man schon eine Schottin liebt, die nicht so ohne weiteres abgefaßt werden kann, so weise sein wollte, die Transzendenz nicht ins Geschäfts leben einzuführen, während doch immerhin der wahre Segen der großen Unternehmungen nur auf dem Pflaster der Leisetreter so gedeihen kann, wie bessere Ausländer dies in Anbetracht ihrer mangelhaften Kehlkopfenergie erklärlicher Weise sich wünschen mögen. Hochstapelei ist schließlich keine vierprozentige Staatsobligation und eine Dame, die nicht betrügt, zweifellos so unbenützbar wie ein Schuh, der überhaupt nicht dem gehört, den er drückt. Wie gesagt, man achte sehr genau auf die Ekliptik der eigenen Schwingungszentren, bevor man sich aufs Ungewisse hin in Bewegungen einläßt, deren Mahlzeiten eines Tages unerschwinglich sein können, wenn man nicht … Ich hoffe, man versteht mich.«

      Lapu, der eigenartig still geworden war, nickte matt mit dem Kopf und fragte schüchtern: »Monsieur Meg, ich habe also wirklich kein Talent …?«

      »Sie können den Anforderungen der modernen Schwierigkeiten nur entsprechen, wenn Sie sich dazu entschließen, sich endlich schwieriger aufzufassen.«

      »Meg,« rief Gibsi wehmütig, »das dauert wieder ein paar Stunden. Laß mich doch herunter.«

      Meg rührte sich nicht, während er sagte: »Es ist nicht leicht, Geschwindigkeiten ein gutes Gewissen zu besorgen. Besonders aber, wenn man es nicht für ein Requisit hält, mit dem man vorwärts kommt.«

      Pacci, der immer größere Mühe hatte, den aufmerksamen Beobachter darzustellen, hob, vielleicht um sich Bewegung zu machen, einen Zeigefinger.

      Diesen ergriff Meg, indem er blitzschnell aufsprang, und visperte: »Kommen Sie, wir trinken unten einen Apéro.«

      »Aber die beiden …«

      Meg wandte sich um: »Meine Herrschaften, ich bitte Sie, zu warten, bis Herr Pacci und ich jenes Gespräch vorgenommen haben, welches ich mit Ihnen beiden bereits mehrmals vergeblich versuchte. Wir werden dann die Arbeit erledigen. Au revoir.«

      Hinter ihnen erscholl ein fürchterliches Duett.

      »Gut.« Meg strich vergnügt seinen Schnurrbart.

      »Sie hatten Ihren grand trouble, hein?«

      »Voilà, c’est le troublisme!«

      »Aber Ihr Vorteil?«

      »Anfänger! Ich werde Lapu nach einem langen Sermon fest ins Auge blicken und, nach der jetzt stattgefundenen immensen Schwächung, mit größter Leichtigkeit einblasen, daß er talentierter ist als ein simpler Hochstapler, – daß er Troublist ist.«

      Pacci gluckste. »Und Gibsi?«

       »Vollkommen gleichgültig. Man nimmt sie ins Bett und alles ist in strahlendster – Unordnung.«

      Der Lebenskünstler

       Inhaltsverzeichnis

      Schülle war verzweifelt. Er war überaus in seine neueste Freundin Sima verliebt, diese jedoch verhielt sich durchaus verständnislos gegenüber seinen großzügigen Plänen, ohne deren Durchführung die für jedes andauernde Lieben erforderliche pekuniäre Basis nicht herzustellen war.

      Was tun? Schülle war, wie gesagt, verzweifelt.

      »Ein fescher Kerl, dieser Dr. Kandismayer, nicht?« versuchte Schülle während eines intensiven One-steps auf der Kullmannschen Diele äußerst vorsichtig zum x-ten Mal.

      »Der? Phhh!« machte Sima gänzlich nebensächlich, wobei sie eines ihrer holden Knie Schülle zu bemerken gab. »Oder bist du vielleicht eifersüchtig? Aber, aber …«

      Schülle, seinen linken Daumen in Simas rechtem Fäustchen, die restlichen Finger zart über dieses glückliche Arrangement gebettet, stöhnte ein wenig. ›Ist sie so naiv oder derart raffiniert?‹ überlegte er trübselig. Dann gab er sich todesmutig dem Step hin.

      »Also Schüllchen, du tanzst …« Und Sima gab ihm Weiteres zu bemerken und frottierte mit ihrem linken Unterarm seinen geliebten Nacken.

      Schülles Verzweiflung wuchs. Es fiel ihm ein, daß er nur noch zehn Mark besaß und nicht die geringste Aussicht …

      Während Sima ein wenig später in den Armen des Librettisten Steiner, ehem. Markör, einem Fox-Trot sich ergab, folgte der unbeschäftigte Schülle aufmerksam den Bewegungen des Dr. Kandismayer, der unentwegt seine einigermaßen geröteten Augen auf Sima gerichtet hielt und sich unablässig bemühte, die ihren auf sich zu ziehen, sei es durch wie zufällige Geräusche mit einem Tellerchen, sei es durch geradezu gewalttätiges Hin-und Herwerfen seiner Gliedmaßen, vermutlich um seine leidenschaftliche Erregung deutlich zu dokumentieren.

      Und


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