Sein Geliebter Wildfang. Amanda Mariel

Sein Geliebter Wildfang - Amanda Mariel


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wir Euch zum Tee einladen.«

      »Das würde mich sehr freuen«, erwiderte Constantine.

      Julia stieß sie sanft mit dem Ellbogen an. »Und mich würde es sehr freuen, zu erfahren, weshalb wir erst vor Kurzem Eure Bekanntschaft gemacht haben. Natürlich sind wir Euch während der letzten Saison begegnet, aber wo wart Ihr davor?«

      Celia neigte ihr Gesicht in Richtung der Sonne und blinzelte. »Den Gerüchten zufolge seid Ihr vierundzwanzig. Hattet Ihr Euer Debüt so spät?«

      »Etwas in der Art.« Constantine seufzte. »Ehrlich gesagt, wollte ich gar keines.«

      Celia drehte sich überrascht zu Constantine um. »Wieso denn nicht?«, fragte sie in ungläubigem Tonfall. Sie befanden sich jetzt auf dem Weg zurück zu dem monumental anmutenden Landhaus.

      Constantine ließ ihren Blick über die gepflegte Anlage schweifen, auf der hier und da Blumenbeete angelegt waren oder sich ehrwürdige Bäume erhoben. »Ich bin in London fehl am Platze«, erklärte sie. »Mein Vater ist mit mir nach Carlisle gezogen, als ich ein siebenjähriges Mädchen war. Ich habe mein ganzes Leben auf dem Land verbracht, ohne meinen Unterricht abgeschlossen zu haben und ohne eine richtige Gouvernante.«

      Sie schloss einen Moment lang die Augen und fühlte sich von der frischen Frühlingsluft getröstet. »Als mein Vater entschied, dass es höchste Zeit für mich sei, in die Gesellschaft eingeführt zu werden, hat er meine Tante gebeten, mich unter ihre Fittiche zu nehmen.« Sie warf Julia von der Seite her einen Blick zu. »So kommt es, dass ich jetzt hier bin.«

      »Und was ist mit Eurer Mutter?«, erkundigte sich Julia.

      Constantine würgte an dem Klumpen, der ihr in der Kehle saß. Sie hoffte, dass das Interesse der Duchess aufrichtig war. Dann fühlte sie sich schrecklich, weil ihr dieser Gedanke überhaupt gekommen war. Die Duchess wirkte auf Constantine nicht gehässig. Sie war ungerecht, weil sie es in Erwägung gezogen hatte.

      Sie hob das Kinn und lächelte leicht. Diese Frauen waren ihre Freundinnen, ihnen konnte sie sich anvertrauen. »Meine Mutter ist an einem Fieber gestorben. Vater war außer sich… in mancher Hinsicht ist er das noch immer. Seine Trauer ist so tief, dass er sich auf das Land zurückgezogen hat, und mich nahm er mit sich.«

      »Wie schrecklich.« Celia runzelte mitleidig die Stirn.

      »Ich hoffe, Ihr vergebt mir meine neugierigen Fragen. Ich weiß, dass es als äußerst unvornehm gilt, aber ich fühlte mich zu Euch hingezogen und weiß jetzt, wieso.« Julia schenkte ihr ein warmes Lächeln, das ihre Augen aufleuchten ließ. »Wir werden die besten Freundinnen sein. Ihr werdet sehen.«

      Celia nickte in Richtung des Hauses. »Dort ist Mutter«, sagte sie. »Lasst uns Euch ihr vorstellen.« Mit diesen Worten hakte sie sich bei Constantine unter.

      Ein Lächeln stahl sich auf Constantines Lippen, als sie bemerkte, dass Lord Gulliver an der Seite der älteren Frau stand. Oh Gott, ihre Wangen wurden ganz heiß.

      Celia zog Constantine mit sich, bis sie vor der eleganten Dame standen. Sie war fortgeschrittenen Alters, aber eine Schönheit mir saphirblauen Augen und blondem Haar, das von silbrigen Strähnen durchzogen war. Celia hatte augenscheinlich das Aussehen ihrer Mutter geerbt und konnte sich darüber glücklich schätzen.

      Celia trat vor. »Mutter, darf ich Euch mit Lady Constantine Hartley bekannt machen?«

      Die ältere Dame lächelte. »Bitte tu das.«

      Celia drehte sich zu Constantine um. »Lady Constantine, es ist mir eine Freude, Euch mit meiner Mutter, der Witwe des Dukes of Selkirk, bekannt zu machen.«

      »Constantine versank in einem tiefen Knicks. »Euer Gnaden, es ist mir eine Ehre.«

      Die verwitwete Duchess ergriff Constantines Hand und drängte sie dazu, sich zu ihrer vollen Größe aufzurichten. »Jede Freundin meiner Tochter ist auch mir eine Freundin.« Sie wandte sich an Lord Gulliver. »Seid Ihr miteinander bekannt?«

      Seine Augen schienen zu glühen, als er Constantines Blick erwiderte und sich verneigte. »Allerdings.« Seine Lippen verzogen sich zu einem kecken Grinsen. »Gestattet mir zu bemerken, dass Ihr so reizend ausseht wie immer, Lady Constantine.«

      Wärme breitete sich in ihrem ganzen Körper aus. Sie versuchte, den Blick abzuwenden und stellte fest, dass sie es nicht konnte.

      Sehr zu ihrer Erleichterung wandte er seine Aufmerksamkeit jetzt ihren Begleiterinnen zu. »Ihr alle seid atemberaubend in Eurem Liebreiz.«

      »Ihr seid ein schamloser Charmeur«, schalt die Witwe. »Nun fort mit Euch.« Sie versetzte ihm einen scherzhaften Klaps mit ihrem Fächer, der aus Seide und Elfenbein gearbeitet war.

      Lord Gulliver gluckste. »Also gut.« Seine Augen hielten Constantines Blick fest. »Aber ich freue mich bereits darauf, von Eurer Schönheit bestrahlt zu werden, wenn wir einander das nächste Mal begegnen.«

      Mit einem Zwinkern wandte er sich ab und spazierte davon. Ein wenig atemlos sah sie ihm nach. Dann schloss sie die Augen und versuchte, die Hitze in ihren Wangen zum Abklingen zu bringen.

      Die Witwe des Dukes schüttelte den Kopf, als sei sie verärgert, obwohl sie wie ein Schulmädchen grinste. »Nehmt Euch nur vor ihm in Acht, Lady Constantine«, warnte sie, »Er ist kein Heiratsmaterial.«

      »Obwohl er hinsichtlich des Selbstbewusstseins eines Mädchens wahre Wunder vollbringt.« Celia strahlte ihre Mutter an.

      »Und er ist ein Gentleman«, fügte Julia hinzu.

      Die Witwe wandte sich nach seiner kleiner werdenden Gestalt um. »Das ist alles ganz richtig, aber er ist doch kein Mann, der sein Herz verschenkt. Jedes Mädchen, das ein Auge auf ihn wirft, wird schmerzlich enttäuscht werden.«

      »Das mag schon sein«, sagte Julia und schwieg nachdenklich, während sie ihm nachsah. »Obwohl man auch sagen könnte, dass diejenige, die ihn zum Traualtar führt, sich ausgesprochen glücklich schätzen darf.« Kleine Fältchen bildeten sich um ihre Augen, als sie grinste. »Man sagt ja, dass Halunken die besten Ehemänner abgeben.«

      »Nun aber genug.« Die Witwe schwang ihren Fächer. »Ihr werdet Celia noch auf dumme Gedanken bringen.«

      Die Warnungen sollten Constantine eigentlich zu denken geben. Schon die Vorstellung von einem Mann wie Lord Gulliver hätte sie abschrecken sollen. Und doch konnte nichts, was die Damen gesagt hatten, ihn aus ihren Gedanken vertreiben. Im Grunde hatte das Gesagte sie sogar beruhigt.

      Sie musste sich keine Sorgen über Lord Gullivers Absichten machen. Er war kein Heiratskandidat – und sie war es auch nicht.

      Zumindest nicht, sofern es die Lords von London betraf.

      Und all das… Es bedeutete, dass sie die Gesellschaft Lord Gullivers genießen konnte, ohne sich zu sorgen. Und genau das hatte sie vor.

      KAPITEL 4

      Seth konnte den Blick nicht von Lady Constantine abwenden. Er versuchte, auf das zu achten, was Julia und ihr Mann, Charles Kendle, der Duke of Selkirk, sagten, aber er brachte es einfach nicht fertig.

      Lady Constantine war viel zu fesselnd in ihrem Kleid aus blauem Taft und den Perlen. Ihr Haar war im Nacken zu einem komplizierten Knoten geschlungen, aus dem sich goldene Locken gelöst hatten und ihr auf den Rücken fielen. Es juckte ihn in den Fingern, sie zu berühren, als er sie in ihrer Schönheit bewunderte.

      Sie wandte den Kopf und über die Länge des Saals hinweg kreuzten sich ihre Blicke. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Die Frau war hinreißend. Eine Mischung aus Wildheit und Unschuld, die in einem faszinierenden Wesen miteinander verschmolzen waren.

      »Hört Ihr überhaupt zu, Gulliver?«

      Wie aus weiter Ferne kam Seth zu Bewusstsein, dass Charles mit ihm sprach, aber er konnte den Blick noch immer nicht von Lady Constantine abwenden. Anstatt weiter gegen das drängende Verlangen in seinem Innern anzukämpfen, winkte er seinen Freunden entschuldigend zu und ging auf Lady Constantine zu.

      Zu ihrer Rechten und Linken befanden sich Lady Chadwick und Lady Celia. Die drei unterhielten sich und nahmen hin und wieder einen Schluck von ihrer Limonade.

      Als


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