Leana. Conny Lüscher

Leana - Conny Lüscher


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      Conny Lüscher

      LEANA

      Fantasy-Roman

      Theodor Boder Verlag

      Impressum

      eBook, Mai 2019

      Copyright © 2013 by Theodor Boder Verlag,

      CH-4322 Mumpf

      Alle Rechte vorbehalten

      Umschlaggestaltung: Sarah Schemske, buecherschmiede.net

      Verwendete Font: REX (Rex Bold, Rex Light), © Svet Simov (frei für kommerzielle Verwendung) Quelle: https://www.fontfabric.com/fonts/rex/

      Lektorat: Lectorare.de

      ISBN 978-3-905802-48-1

      www.boderverlag.ch

      Über die Autorin

      Conny Lüscher lebt in Baden (Schweiz). Nach ein paar Jahren Berufstätigkeit im kaufmännischen Bereich machte sie sich als Malerin selbstständig und präsentierte erfolgreich an verschiedenen Ausstellungen ihre Bilder.

      Als freischaffende Autorin publiziert sie seit einigen Jahren Comicserien. Neben diesen humorvollen Themen gibt es eine andere Seite.

      Ihre Passion: spannende Bücher zu schreiben; mitreißende Geschichten, die den Leser bis zur letzten Seite fesseln.

      Widmung

      Für

      Ruedi und Petra

      Abend

      Der Tod kam in Gestalt des Linienbusses Nummer 8 auf sie zugerast. Leana stand im strömenden Regen am Bordstein und wartete ungeduldig darauf, dass die Ampel die Straße freigab. Ihre kinnlangen, rotblonden Locken klebten in Strähnen an ihrem Kopf und das Regenwasser lief ihr in die Augen.

      Sie dachte seufzend an ihren kleinen Schirm, den sie in der Tierarztpraxis vergessen hatte. Leana hörte den Bus kommen. Der Motor dröhnte in einer ungewöhnlich hohen Tourenzahl und sie wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie hob den Kopf und blinzelte angestrengt durch den Regenschleier. Der Bus raste mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf den Gehsteig und hatte nur ein Ziel: sie.

      Leana wollte zur Seite springen, aber was sie durch die Frontscheibe sah, lähmte sie völlig.

      Der Bus war überfüllt wie immer um diese Zeit, dicht gedrängt standen die Leute Schulter an Schulter. Alle Blicke waren auf sie gerichtet, starr und teilnahmslos, wie in Trance. Der Chauffeur saß auf seinem erhöhten Sitz und hatte die Hände im Schoß verschränkt. Er lächelte sie mit leeren Augen an. Es war, als wären alle diese Menschen festgefroren in einer Szene, deren Unwirklichkeit nur noch von der jungen Frau übertroffen wurde, die seitlich neben dem Fahrer stand. Mit beiden Händen hielt sie das Lenkrad umklammert und lachte!

      Die Stoßstange erfasste Leana. Ein greller Blitz schoss durch ihren Körper und das Letzte, was sie sah, waren diese eisblauen Augen in dem schönen, lachenden Gesicht.

      Dämmerung

      Alexander saß auf einem Felsvorsprung, von dem er das ganze Tal überblicken konnte. Die Nacht brach herein. Nicht dass es eine große Rolle spielte. In diesem Land machte Tag oder Nacht keinen großen Unterschied. Es war immer grau. An guten Tagen hing eine kleine, gelbbraune Sonne am verwaschenen Himmel, und nachts versuchten sich ein paar winzige Sterne durch das trübe Schwarz bemerkbar zu machen. Nun verschwammen die Konturen der Bäume unter ihm und verwandelten das Bild in einen dunklen See. Alexander kramte in seinem alten Rucksack und suchte nach seinem Abendessen. Er grinste zufrieden, als er die Dose mit den Würstchen fand.

      „Hallo Freunde“, sagte er und hielt die Dose gegen das restliche verbliebene Licht. „Essen ist SEIN“ stand darauf. Darüber klebte das Bild eines dankbar und glücklich lächelnden Jungen.

      Alexander war auch glücklich. Und vor allem dankbar, dass der Besitzer des Ladens, aus dem er die Würstchendose gestohlen hatte, danebenschoss, als Alexander aus dem Geschäft floh. Er öffnete die Dose mit dem rostigen Büchsenöffner seines Vaters und schnüffelte misstrauisch am Inhalt.

      „Ihr scheint in Ordnung zu sein“, stellte er fest und fischte sich eines der Würstchen heraus.

      Es sah graubraun aus und wie erwartet schmeckte es eigentlich nach gar nichts. Alexander war deswegen nicht überrascht und aß eines nach dem anderen. Schön langsam, damit sein seit Tagen leerer Magen sich in Ruhe mit etwas so Ungewohntem wie Nahrung beschäftigen konnte. Dann lehnte er sich zufrieden zurück. Es war nun endgültig dunkel geworden, außer ein paar schemenhaften Umrissen gab es nichts mehr zu sehen. Er schloss die Augen und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Wie immer dachte er an seinen Vater, diesen unbeugsamen Mann, der vor vier Jahren, kurz nach Alexanders vierzehntem Geburtstag, umgebracht wurde.

      Karl Hanson lebte, nachdem ihn seine Frau verlassen hatte, zurückgezogen mit seinem kleinen Sohn am Rande der Stadt. Dort betrieb er eine kleine Werkstatt, er reparierte Autos und Motorräder und verhielt sich ruhig und möglichst unauffällig. Er hoffte, dass er so Alexander und sich selbst vor „dem grauen Pack“, wie er sie nannte, beschützen konnte. Sie hatten schon seine Frau geholt. Nun ja, eigentlich war sie selbst gegangen. Mit leeren Augen hatte sie ihn angestarrt und vorwurfsvoll mit dem Finger auf ihn gezeigt.

      „Du glaubst nicht!“, hatte sie geschrien. „Du reißt uns alle ins Verderben!“

      „Nein ich glaube NICHT!“, hatte er zurückgebrüllt. „Ich glaube nicht, dass wir diese gefährlichen Psychopathen in unser Leben lassen sollten!“

      Er war verzweifelt. Dieses Land war schon immer vom Orden beherrscht worden, aber bis jetzt hatten sie ihr Leben einigermaßen unbehelligt führen können. Nach Alexanders Geburt war es jedoch losgegangen.

      Ständig riefen sie an oder standen vor der Tür. Sie bedrängten Luisa, sich und ihr Baby taufen zu lassen und das graue Band zu tragen.

      Er konnte nicht dauernd auf seine Familie aufpassen und so schafften sie es, in sein Leben einzudringen. Während er arbeitete, fanden sie Einlass in sein Haus und in den Geist seiner Frau. Liebevoll umgarnten sie Luisa und pflanzten das giftige Gewächs der Angst in ihr Herz. So wie sie es bei fast allen Bewohnern dieses verwüsteten Landes gemacht hatten. Als er eines Abends müde nach Hause kam, fand er Luisa auf dem Sofa sitzend, den kleinen Alexander im Arm haltend und das graue Band um ihren Hals geschlungen. Er erstarrte.

      „Luisa, was hast du getan.“ Die Worte kratzten in seiner Kehle.

      Sie blickte ihn herausfordernd an, doch in ihren Augen sah er einen Moment lang Unsicherheit und Zweifel aufblitzen. Es war nur ein kurzer Augenblick, dann stand sie auf und sagte:

      „Es ist zu unserem Besten. Wir müssen sein, deswegen müsst ihr mir folgen. Wenn ihr das Band empfangt, wird alles gut und wir sind in Sicherheit. Glaub mir, ich weiß es. Seit ich es trage, habe ich keine Angst mehr!“

      Karl betrachtete seine Frau, die mit verzücktem Gesicht an die Wohnzimmerdecke starrte und er wusste, er hatte sie verloren. Er nahm ihr das Baby vorsichtig aus den Armen. Sie schien es gar nicht zu bemerken, geistesabwesend strich sie ihm über die Wange. Verwundert blickte sie auf ihre Finger, die nass waren von Karls Tränen.

      „Warum weinst du denn? Komm mit mir zum Vater, er wird dich trösten, er wird dir und Alexander das Band geben und wir werden für immer glücklich sein!“ Ihre Stimme war emotionslos.

      „Geh“, sagte er und presste das Kind noch fester an sich. „Geh und komm nie wieder!“

      Sie schrie und beschimpfte ihn, aber sie ging widerstandslos zur Tür. Als sie verschwunden war, ließ er sich auf das Sofa fallen und weinte so lange, bis seine Tränen ein Protestgebrüll seines Sohnes auslösten.

      Mithilfe einer mürrischen, alten Nachbarin, viel Chaos und Improvisation schaffte er es in den folgenden Jahren zu arbeiten und gleichzeitig seinen Sohn großzuziehen.

      Er wunderte sich,


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