Erste am Seil. Caroline Fink
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Dorothy Pilley klettert nicht nur selbstbewusst, sie tritt auch so auf.
(aus: Bill Birkett/Bill Peascod: Women Climbing. 200 Years of Achievement. A & C Black, London 1989)
Nach dem Grépon bestieg sie unter anderem 1932 das Matterhorn, wiederum als erste Frauenseilschaft mit Alice. Im selben Jahr heiratete sie Robert Underhill, der für die folgenden neunzehn Jahre ihr ausschließlicher Seilpartner wurde: «Manless climbing is fun for a while, but this other arrangement is better!» Micheline, Nea und Alice setzten ihre Besteigungen als «cordée féminine» fort. 1933 überschritten sie die Meije, wofür Alice und Nea zuerst ihre Männer um Erlaubnis fragen mussten. 1936 wurden alle vier in den exklusiven GHM aufgenommen.
Der größte Paukenschlag in Sachen Frauenbergsteigen blieb jedoch die erste Überschreitung des Grépon, die 1929 Miriam und Alice gelungen war. Der französische Alpinist Etienne Bruhl kommentierte sie mit gehässigen Worten: «Der Grépon als Klettertour existiert nicht mehr. Nachdem er von zwei Frauen allein begangen wurde, wird sich kein Mann mehr, der diese Bezeichnung verdient, an ihn heranwagen. Das ist schade, denn es war eine sehr schöne Route.» Auch aus anderen Richtungen blies den Frauen Gegenwind ins Gesicht. So wurde ihnen vorgeworfen, über ihren sportlichen Ehrgeiz die hehren Motive des Bergsteigens zu vergessen. Der Schweizer Alpinist und Schriftsteller Hans Morgenthaler beschwerte sich zu Beginn der Zwanzigerjahre über mangelnde Ehrfurcht: «Überlaufen waren jetzt die Berge von Leuten, die von der alten Heiligkeit nichts wussten, schwatzende Gesellschaften verschwitzter, zum Radiokonzert schmatzender Weibsbilder machten sich jetzt in den vergrösserten Klubhütten breit, wo früher ernste Männer im Widerschein der Abendsonne nach harter Tour, Gebete im Herzen, andächtig ihr Pfeifchen rauchten.» Und selbst vor Kritik aus den eigenen Reihen waren autonome Bergsteigerinnen nicht sicher. Als sich die junge Eileen Montague Jackson im August 1925 in Zermatt aufhielt, um das Matterhorn zu besteigen, erlebte sie mit, wie das halbe Dorf zusammenkam, um der in einer Lawine ums Leben gekommenen Eleonore Noll-Hasenclever die letzte Ehre zu erweisen. Sie fand den Tod der «deutschen Dame» zwar sehr traurig, «aber vielleicht wäre es nicht passiert, wenn sie einen Führer gehabt hätten, der ihnen die Querung nicht erlaubt hätte; sie sind mit den Touristen immer so ausnehmend vorsichtig in diesen Dingen».
Drei glückliche Frauen: Micheline und Nea Morin mit Alice Damesme (von links) nach der Überschreitung der Meije. Alice und Miriam O’Brien (unten) erschütterten 1929 mit ihrer Besteigung des Grépon die bergsteigende Männerwelt.
(aus: Bill Birkett/Bill Peascod: Women Climbing. 200 Years of Achievement. A & C Black, London 1989)
(aus: Miriam Underhill: Give Me the Hills. Methuan, London 1956)
Mit Führer oder führerlos, diese Diskussion nahm ein gutes Vierteljahrhundert später eine andere Wendung, als 1958 mit der Britin Gwen Moffat (geb. 1924) die erste Bergführerin ihr Patent erhielt – offensichtlich waren Frauen tatsächlich dazu fähig, ihresgleichen und sogar Männer zu führen. Nochmals zehn Jahre später gründete Felicitas von Reznicek (1903–1997) auf dem Gipfel des Titlis mit dem Rendezvous Hautes Montagnes (RHM) eine internationale Vereinigung von Bergsteigerinnen. Über politische und ideologische Grenzen hinweg kommen seither jedes Jahr Teilnehmerinnen aus ganz Europa zusammen, um gemeinsam zu klettern – ein Impuls für den Frauenalpinismus, der bis heute lebendig ist. kst
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