Codename Brooklyn.. Peter Pirker
deutschen Kriegsgefangenen Kontakt gehabt und Befragungen durchgeführt. Seit seiner Ankunft in Süditalien ging er auch hier in Kriegsgefangenenlager, in denen britische und amerikanische Offiziere systematisch Erhebungen unter Gefangenen durchführten, um Informationen über ihre Truppenteile, die rückwärtigen Stellungen, die Moral der Truppen und Ähnliches zu erlangen. Das gehörte hier nicht zu Loewensteins Aufgaben, aber durch eine weitreichende Vollmacht, ausgestellt von General Dwight D. Eisenhower, dem Kommandanten der alliierten Streitkräfte in Europa, hatte er Zutritt zu den Lagern und konnte sich dort bewegen, Eindrücke der Gefangenen gewinnen und mit einzelnen sprechen.
Er suchte nach geeigneten Wehrmachtssoldaten, die seine Agenten als Ortskundige begleiten würden. Zunächst wandte er sich an die Lagerleiter und die Verhöroffiziere. Sie erstellten Listen der Gefangenen, geordnet nach drei Kategorien: erstens Soldaten, die aktiv übergelaufen, also desertiert waren; zweitens Gefangene, die sich außerdem in Vernehmungen bereiterklärt hatten, für die Alliierten tätig zu werden; und drittens der Rest. Interessant für Loewenstein war die zweite Kategorie. An einem Tag im Dezember ging er im britischen Kriegsgefangenenlager 209 in Afragola die Liste mit dem Verhörspezialisten Lieutenant Taubman durch. Taubman wies seinen amerikanischen Kollegen auf drei Österreicher hin: Leutnant Franz Weber, den Obergefreiten Emmerich Kohl und den Gefreiten Helmut Hagendorfer.163 Kohl und Hagendorfer stammten aus der Steiermark, und Loewenstein kritzelte neben ihre Namen »Bruck–Hochschwab«, ein mögliches Einsatzgebiet an der Südbahnstrecke. Über Weber erfuhr Loewenstein, dass es sich bei ihm um einen Katholiken handelte, der aus Oberperfuss bei Innsbruck stammte. Weber war bereit, den Alliierten zu helfen.164 Loewenstein notierte neben seinen Namen »Innsbruck«. Seine Herkunft war ideal für das Auskundschaften der Brennerstrecke. Genau das war jetzt möglich, wusste Loewenstein: »Wir befanden uns in einer Art Tunnel. Wir tappten im Dunkeln, weil wir niemanden in Innsbruck hatten. Wir wussten, der Brenner war ganz in der Nähe, das war der Grund, warum wir uns für Innsbruck interessierten.«
Die Brennerlinie ins Visier zu nehmen war für Ulmer und Loewenstein eine Chance, die Nützlichkeit ihrer Abteilung innerhalb der Organisation unter Beweis zu stellen – ein Thema, das in den Kriegsinstitutionen ständig präsent war. Über die hohe Priorität des Ziels hatte sie William J. Salant informiert, einer der Ökonomen, die im OSS-Zweig Research & Analysis für die Zieldefinitionen der Bomberstaffeln zuständig waren.165 Das Problem bestand darin, dass die Strecke zwar häufig, aber ineffektiv bombardiert wurde – der deutsche Nachschub nach Italien funktionierte nach wie vor ausgezeichnet. Dyno Loewenstein ersuchte Lieutenant Taubman, mit Franz Weber sprechen zu dürfen.166
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