Die Bibel in zwei Stunden. Ulrich Wendel

Die Bibel in zwei Stunden - Ulrich Wendel


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ging zu seinem Vater und sagte: »Mein Vater!«

      »Ja«, antwortete dieser. »Wer bist du, mein Sohn?«

      19Jakob antwortete: »Ich bin Esau – dein ältester Sohn. Ich habe getan, was du mir aufgetragen hast. Setz dich auf und iss von meinem Braten, damit du mir deinen Segen geben kannst.«

      20Isaak fragte: »Wie konntest du das Tier so schnell finden, mein Sohn?«

      »Der HERR, dein Gott, schickte es mir über den Weg«, antwortete Jakob.

      21Da sagte Isaak zu Jakob: »Komm näher. Ich will dich betasten, mein Sohn, um festzustellen, ob du Esau bist oder nicht.« 22Jakob trat zu seinem Vater und Isaak betastete ihn. »Die Stimme klingt wie Jakobs Stimme, aber die Hände sind die von Esau«, sagte er. 23Er erkannte Jakob nicht, weil Jakobs Hände sich genauso behaart anfühlten wie Esaus Hände. Und so segnete Isaak Jakob. 24Bist du wirklich mein Sohn Esau?«, fragte er noch einmal.

      »Ja, ich bin Esau«, log Jakob.

      25»Gib mir jetzt von dem Wild zu essen, mein Sohn«, sagte Isaak. »Dann werde ich dich segnen.« Jakob reichte es ihm und Isaak aß. Er trank auch den Wein, den Jakob ihm einschenkte. 26Dann sagte Isaak: »Komm her und küss mich, mein Sohn.«

      27Jakob trat zu seinem Vater und küsste ihn. Als Isaak den Geruch seiner Kleider roch, segnete er seinen Sohn. Er sagte:

      »Der Geruch meines Sohnes ist wie der gute Geruch eines Feldes, das der HERR gesegnet hat.

      28Gott gebe dir Regen im Überfluss. Er mache dein Land fruchtbar und gebe dir Korn und Most die Fülle.

      29Völker sollen dir dienen und Nationen sollen dich verehren. Du sollst über deine Brüder herrschen. Deiner Mutter Söhne sollen sich respektvoll vor dir verneigen. Wer dich verflucht, soll verflucht sein. Wer dich aber segnet, der soll gesegnet sein.«

Daraufhin flieht Jakob vor seinem Bruder, denn Esau ist sehr wütend über den Betrug. Bei seinem Onkel Laban angekommen, wird Jakob wiederum von diesem betrogen und heiratet schließlich dessen Töchter Rahel und Lea. Die beiden Schwestern geraten in einen Wettstreit um die Liebe des Mannes. Insgesamt bekommt Jakob zwölf Söhne – später erwachsen daraus die zwölf Stämme Israels. Die Geschichte mit seinem Bruder ist noch nicht abgeschlossen, die Versöhnung steht noch aus.

      Jakob ringt mit Gott

      1. Mose

      32 23-24In der Nacht stand Jakob auf. Er nahm seine beiden Frauen, die beiden Sklavinnen und seine elf Söhne mit sich und überquerte den Jabbokfluss an einer Furt. Auch seinen gesamten Besitz brachte er über den Jabbok. 25Dann blieb er allein zurück. Da kam ein Mann und kämpfte mit ihm bis zum Morgengrauen. 26Als der Mann merkte, dass er Jakob nicht besiegen konnte, gab er ihm einen Schlag auf sein Hüftgelenk, sodass es ausrenkte. 27Dann sagte er: »Lass mich los, denn der Morgen dämmert schon.«

      Doch Jakob erwiderte: »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich gesegnet hast!«

      28»Wie heißt du?«, fragte der Mann. Er antwortete: »Jakob.«

      29»Du sollst nicht länger Jakob heißen «, sagte der Mann. »Von jetzt an heißt du Israel. Denn du hast sowohl mit Gott als auch mit Menschen gekämpft und gesiegt.«

      30»Nenn mir deinen Namen!«, forderte Jakob ihn auf.

      »Warum erkundigst du dich nach meinem Namen?«, fragte der Mann. Dann segnete er Jakob.

      31Jakob nannte die Stätte Pnuël – ›Angesicht Gottes‹ –, denn er sagte: »Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und trotzdem bin ich noch am Leben!« 32Die Sonne ging gerade auf, als er Pnuël verließ. Wegen seiner Hüfte hinkte er.

Ein neuer Name, ein außergewöhnlicher Sieg, die Versöhnung mit Gott und danach auch mit seinem Bruder! Die Geschichte des Volkes Israel geht nun weiter mit Jakobs Söhnen.

      Josefs Träume

      1. Mose

      37 1Jakob ließ sich im Land Kanaan, in dem schon sein Vater gelebt hatte, nieder. 2Dies ist die Geschichte von Jakob und seiner Familie.

      Josef war 17 Jahre alt. Er hütete häufig gemeinsam mit seinen Halbbrüdern, den Söhnen von Bilha und Silpa, die väterlichen Schaf- und Ziegenherden. Doch Josef hinterbrachte es seinem Vater, wenn sie etwas Schlechtes taten. 3Jakob liebte Josef mehr als seine anderen Söhne, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb ließ er Josef eines Tages ein prächtiges Gewand machen. 4Seine Brüder hassten Josef, weil sie merkten, dass ihr Vater ihn lieber hatte als sie, und redeten kein freundliches Wort mehr mit ihm.

      5Eines Nachts hatte Josef einen Traum, den er seinen Brüdern erzählte. Da hassten sie ihn noch mehr. 6»Hört, was ich geträumt habe«, begann er. 7»Wir waren draußen auf dem Feld und banden das Getreide in Garben zusammen. Meine Garbe stellte sich auf und blieb stehen. Eure Garben scharten sich um sie und verneigten sich vor ihr!«

      8»Du willst also König werden und über uns herrschen?!«, verhöhnten ihn seine Brüder. Und sie hassten ihn noch mehr wegen seines Traumes und dem, was er gesagt hatte.

Die Eifersucht der Brüder gipfelt darin, dass sie Josef als Sklaven nach Ägypten verkaufen. Dort steigt Josef schließlich zum Stellvertreter des Pharao auf. In dieser Position tritt er eines Tages wieder seinen Brüdern gegenüber. Zuvor war im Land Kanaan eine Hungersnot ausgebrochen.

      Josefs Brüder reisen nach Ägypten

      1. Mose

      42 1Als Jakob hörte, dass es in Ägypten Getreide gab, sagte er zu seinen Söhnen: »Warum steht ihr hier untätig herum und schaut euch an? 2Ich habe gehört, dass es in Ägypten Getreide gibt. Reist dorthin und kauft etwas für uns, bevor wir alle verhungern.« 3So machten sich zehn von Josefs Brüdern auf den Weg nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. 4Benjamin, dem jüngeren Bruder Josefs, erlaubte Jakob jedoch nicht mitzugehen. Denn er hatte Angst, ihm könnte etwas zustoßen. 5Jakobs Söhne kamen zusammen mit vielen anderen nach Ägypten, um Getreide zu kaufen, denn die Hungersnot hatte auch Kanaan erreicht.

      6Josef herrschte über ganz Ägypten und jeder, der Getreide kaufen wollte, musste zu ihm gehen. So kamen auch seine Brüder zu ihm. Sie verneigten sich tief vor ihm. 7Josef erkannte sie sofort, ließ sich aber nichts anmerken. »Woher kommt ihr?«, fragte er ungnädig.

      »Aus dem Land Kanaan«, antworteten sie. »Wir sind gekommen, um Getreide zu kaufen.«

      8Seine Brüder erkannten ihn nicht, aber Josef erkannte sie. 9Er erinnerte sich an die Träume, die er vor vielen Jahren gehabt hatte. […]

      25Josef befahl seinen Leuten, die Säcke der Männer mit Getreide zu füllen und ihnen Reiseverpflegung mitzugeben. Heimlich gab er ihnen die Anweisung, jedem das bezahlte Geld ganz oben in den Sack zu legen. 26Josefs Brüder luden die Säcke auf ihre Esel und machten sich auf den Heimweg.

      27Am Abend wollten sie in einer Herberge übernachten. Als einer von ihnen seinen Sack öffnete, um seinen Esel zu füttern, fand er sein Geld darin. 28»Seht nur!«, rief er. »Mein Geld liegt hier in meinem Sack!« Sie erschraken und sagten zueinander: »Was hat Gott uns angetan?« 29So kamen sie zu ihrem Vater Jakob nach Kanaan und erzählten ihm, was sie erlebt hatten.

      30»Der


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