Der gruppendynamische Prozeß. Kurt Theodor Oehler

Der gruppendynamische Prozeß - Kurt Theodor Oehler


Скачать книгу

       2.5Relativität ethischer Werte

       2.6Die Entmachtung des Lehrers (2. Teil: Die Lösung des Konflikts)

       III.Teil:AUFBAU UND VERÄNDERUNG DER PSYCHODYNAMIK (der sog. "Gruppendynamik im Kopf")

       3.1Aufbau der "psychischen Strukturen" in der Kindheit

       Erleben eines existentiellen Lebensraums

       Erlebnis der Akzeptanz der einmaligen und unverwechselbaren Individualität

       Erfahrung des Respekts vor der Eigengesetzlichkeit des Wachstumsvorgangs

       Aushalten von Risiko und Schmerz

       Hautkontakt und Körperwahrnehmung als Motor des Entwicklungsprozesses

       Erlaubnis zur guten Symbiose

       Ausdruck des Trotzes und Aufbau der Ich-Grenze

       Entfaltung der Persönlichkeit

       Integration in die Familiengruppe

       Auseinandersetzung mit der Geschlechterrolle

       Bildung und Ausbildung

       Offenheit für intuitive Wahrnehmung und weltanschauliche Orientierung

       Ablösung von den Eltern und Trennungsarbeit

       3.2Beispiele von "Ich-Strukturen"

       3.3Versuch einer bildhaften Darstellung der Genese schwerer Ich-Krankheiten

       3.4Korrektur psychischer Strukturen

       SCHLUSSWORT

       LITERATUR

       EINLEITUNG

      Alle Menschen leben in Gruppen, sei es im Freundeskreis, in der Familie, unter Bekannten, mit Kindern, im Urlaub und bei der Arbeit. Die Berufstätigen arbeiten in Teams, die Lehrer unterrichten in Klassen, und die Politiker politisieren in Parteien. Das gilt für Menschen in Ost und West, für Schwarze in Afrika, Rote in Amerika oder weiße, gelbe und dunkle Menschen in der Welt. Überall gelten die gleichen gruppendynamischen Regeln, daß Menschen untereinander Gruppen bilden, miteinander in Beziehung treten, leben und gemeinsam eine Arbeit verrichten. Zwar ist die Kenntnis über Gruppendynamik weit verbreitet, die Theorie entwickelt, und trotzdem wissen die Beteiligten, die von Montag bis Sonntag, von morgens bis abends in Gruppen leben und arbeiten, von vielem viel und von Gruppendynamik wenig.

      Ist es nicht sonderbar, daß deren Wissen gerade da aufhört, wo sie am stärksten betroffen sind, und ist es nicht fahrlässig, Familien zu gründen, Kinder zu zeugen, Schüler zu unterrichten, Betriebe zu leiten und Politik zu machen, ohne zu wissen, wie sich die Menschen in Gruppen verhalten, ohne gründliche Kenntnis der naturgegebenen gruppendynamischen Gesetzmäßigkeiten?

      Mit diesem Buch möchte ich zum Nachdenken anregen. Es soll einen Diskussionsbeitrag leisten und handelt von der Gruppendynamik bzw. deren Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen in großen und kleinen Gruppen. Ich beschreibe sowohl die Dynamik der Gruppen als auch deren Spuren in den Köpfen der Menschen. Kurzum Phänomene, die erfahrbar und benennbar sind, die aus der Erfahrung gesichert sind, für die aber noch kaum naturwissenschaftlich exakte Erfassungsmethoden zur Verfügung stehen (LANGTHALER 1995).

      Das Buch richtet sich in erster Linie an Menschen, die sich für die Gruppendynamik allgemein, für gruppendynamische Vorgänge in der Schule, in den Betrieben und in der Politik speziell und für deren Hineinwirken in die menschliche Psyche im besonderen interessieren. Es wendet sich an Lehrer, Psychologen, Betriebsberater, Psychotherapeuten, Ärzte, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erwachsenenbildner usw. oder allgemein an Personen, die sich mit deren Gesetzmäßigkeiten in einem vertieften Zusammenhang auseinandersetzen wollen. In dieser Hinsicht besteht meine Absicht auch darin, kritische Fragen zu stellen, unorthodoxe Antworten zu geben, die Pädagogik aus einer neuen Perspektive zu beleuchten und dem Denken in gruppendynamischen Kategorien einen Weg zu ebnen. Ich verfolgte die konzeptionelle Idee, das Thema "Gruppendynamik", ausgehend von einer breiten Erfahrungsbasis, im Verlauf des Textes mehr und mehr theoretisch zu vertiefen.

       I. TEIL

       SOZIALE INSTITUTIONEN SIND GRUPPENDYNAMISCHE EREIGNISFELDER

      Das erste Beispiel, das in das "Gruppendynamische Denken" einführen soll, stammt aus dem Bereich "Schule", weil diese im Brennpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Wirkfaktoren steht und weil sie selber ein komplexes gruppendynamisches Feld darstellt. Die Schulklasse ist eine Gruppe, die in besonderer Weise nach gruppendynamischen Regeln funktioniert.

      Während meiner Tätigkeit am Lehrstuhl für "Pädagogik und pädagogische Soziologie" der Technischen Universität München erzählte mir ein Kollege und Freund, der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit am Lehrstuhl an einer ländlichen Berufsaufbauschule (BAS) das Fach Englisch unterrichtete, von den Schwierigkeiten mit seiner Klasse. Hier sein Bericht:

       1.1Die Entmachtung des Lehrers

      (1. Teil: Die Entwicklung des Konflikts)

      "Trotz vieler Schwierigkeiten verlief der Unterricht in der BAS zunächst reibungslos. Auch das persönliche Verhältnis zu den Schülern, die bereits im Erwachsenenalter waren, war gut. Wir unternahmen neben dem regulären Unterricht gemeinsame Ausflüge in die nähere Umgebung, und ich gab an Wochenenden den 'Problemschülern' bei mir zu Hause kostenlos Nachhilfeunterricht.

      Die ersten Unstimmigkeiten kamen nach einem halben Jahr auf. Sie entstanden durch sogenannte Kurzarbeiten, die ich in regelmäßigen Abständen in der Klasse schreiben ließ. Diese Prüfungsform - ein Ersatz für große Schulaufgaben - war vorher mit der Klasse vereinbart worden. Es war zunächst nicht die ganze Klasse, die gegen diese naturgemäß lästigen Kurzarbeiten protestierte. Es ergab sich zunächst nur eine kurze Auseinandersetzung mit dem Schüler Hans Scharfe, dem Klassensprecher der BAS A.

      Bevor ich nun diese Auseinandersetzung näher schildere, möchte ich über Hans Scharfe einige Informationen geben. Der Schüler,


Скачать книгу