Karo König. Arno Alexander

Karo König - Arno Alexander


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von uns halfen Sie mit einem guten Rat, einigen durch die Tat, und einen unterstützten Sie sogar einmal mit einer beträchtlichen Summe Geldes, um ihn aus arger Verlegenheit zu retten. Es ist nur recht und billig, daß wir Ihnen nun, da Sie in der Klemme stecken, ebenfalls helfen; und weil ich mich am besten dazu eigne, stelle ich mich Ihnen hiermit zur Verfügung!“

      „Warum sollten wohl gerade Sie sich am besten dazu eignen?“

      O’Kelly zog die Augenbrauen hoch.

      „Weil ich Kriminalbeamter bin.“

      „Nun und?“ Aus der Stimme Larsens klang es wie leiser Spott.

      „Nun und? Es handelt sich hier bei Ihnen nämlich um einen Kriminalfall!“

      „Wo — — Woher wissen Sie denn das?“

      „Ich weiß einiges,“ sagte O’Kelly unbestimmt. „Aber auch ohne mein zufälliges Wissen hätte ich hier auf einen Kriminalfall geschlossen. So, wie Sie vorhin, erschrickt man nur bei dreierlei Arten von Nachrichten. Vermögensverlust kann es nicht sein, da die Bank, die Ihnen dies anzeigen könnte, stets Briefumschläge mit Firmenbezeichnung benutzt, was hier nicht zutrifft. Die Todesanzeige eines nahen Verwandten kann es ebenfalls nicht sein und zwar aus dem sehr einfachen Grunde, weil alle Ihnen irgend nahestehenden Personen im Eßzimmer sehr lebendig anwesend waren. Bleibt also nur noch die dritte Möglichkeit …“

      „Und die wäre?“

      „Erpressungs- oder Drohbriefe! Einen solchen Brief haben Sie eben empfangen. Da dies in mein Fach einschlägt, bitte ich, mir den Brief zu zeigen. Daß Sie zu mir Vertrauen haben können, wissen Sie, und ich verpflichte mich auch, keine Antwort auf Fragen zu verlangen, die Sie aus irgendwelchen Gründen nicht beantworten möchten.“

      „So? Dazu verpflichten Sie sich?“ Larsen war nachdenklich geworden. Nach einer Weile fuhr er sinnend fort: „Daß Sie den Inhalt des Briefes ziemlich richtig erraten haben, gebe ich zu. Sie wollen mir also helfen, einer mir drohenden Gefahr zu begegnen, ohne die näheren Umstände zu kennen? Versprechen Sie da nicht ein bißchen zu viel?“

      O’Kelly zuckte die Achseln.

      „Ich kann Ihnen natürlich nur versprechen, mein möglichstes zu tun, um die drohende Gefahr abzuwenden. Ob Ihnen damit gedient sein wird, hängt von den näheren Umständen ab, die ich ja leider nicht kenne. Schaden aber kann Ihnen die Unterstützung eines Kriminalbeamten jedenfalls nicht!“

      „Gut!“ sagte Larsen plötzlich entschlossen. „Versuchen Sie es! Ich habe allerdings sehr wenig Hoffnung.“ Mit diesen Worten zog er aus seiner Rocktasche den bewußten Brief hervor und reichte ihn dem Inspektor. O’Kelly öffnete vorsichtig den Umschlag. Das erste, was er sah, war eine französische Spielkarte — der Karo König. Nun war der Zusammenhang dieses Briefes mit der von O’Kelly selbst empfangenen Warnung endgültig erwiesen. Die Züge des Kriminalbeamten waren gespannt, als er jetzt den ebenfalls auf einer Schreibmaschine getippten Brief auseinanderfaltete. Halblaut las er vor:

      „Übermorgen, punkt 10 Uhr abends, werden Sie auf der Jannowitzbrücke sein und mir dort ein Paket, enthaltend RM. 600 000.— in Hundertmarkscheinen, übergeben. Die Scheine dürfen keine fortlaufenden Nummern tragen, und die Kriminalpolizei darf nicht verständigt werden. Die Folgen eines Ungehorsams sind Ihnen bekannt.“

      O’Kelly pfiff leise durch die Zähne.

      „Allerhand!“ knurrte er. „Ich habe in meiner Praxis schon manchen Erpressungsbrief in den Händen gehabt, ein solches Maß von Dreistigkeit und Unverfrorenheit ist mir aber doch noch nicht vorgekommen.“

      Larsen schwieg.

      „Zunächst einmal eine Frage!“ fuhr der Kriminalbeamte fort. „Wer ist der Karo König, und womit droht er Ihnen im Falle eines Ungehorsams?“

      „Wer der Karo König ist, kann ich Ihnen nicht sagen …“

      „Können nicht, oder wollen nicht?“ warf O’Kelly rasch dazwischen.

      Der Schriftsteller seufzte.

      „Das läßt sich schwer auseinanderhalten … in diesem Falle. Eines dürfte so richtig sein, wie das andere.“

      „Gut. Und wie steht es mit dem zweiten Teil meiner Frage?“

      „Da kann ich Ihnen eine befriedigende Auskunft geben!“ Larsen lächelte ironisch und ein wenig bitter. „Im Falle eines Ungehorsams droht mir nicht mehr und nicht weniger als der Tod!“

      O’Kelly nickte.

      „Ich dachte es mir. Nun aber zur Hauptfrage: halten Sie den Fall für ernst? Mit anderen Worten — wollen Sie zahlen?“

      Abwartend betrachtete er Larsen. Dieser sah mit trüben Augen zu ihm auf.

      „Ich will zahlen,“ sagte er in gemachter Ruhe. Dann aber warf er den Kopf zurück und sagte so eindringlich, daß O’Kelly erschrak: „Ich … ich kann aber nicht!“

      „Sie können nicht?“ Der Kriminalbeamte schien betroffen.

      Larsen schüttelte melancholisch den Kopf.

      „Sie verkennen meine Vermögenslage. Ach, nicht Sie allein … Jedermann hält mich für reich. Warum? Weil ich vor aller Augen etwa RM. 75 000.— jährlich ausgebe. Da muß doch Kapital vorhanden sein — denken die Leute. Es würde über den Horizont dieser Leutchen gehen, wenn man ihnen erklären wollte, daß dieses Geld mein jährlicher Verdienst und nicht etwa die Zinsen von irgendeinem Kapital sind, und daß ich im Jahr genau soviel ausgebe, wie ich verdiene. Und doch ist es so. Wenn Sie mich heute fragen würden, wieviel ich besitze, so müßte die Antwort lauten: nichts! Es ist möglich, daß ich sogar Schulden habe.“

      O’Kelly war sehr ernst geworden. Er hatte sein Kinn auf die Faust gestützt und starrte, ohne Larsen anzusehen, an ihm vorbei nach einer Zimmerecke.

      „Es steht mir nicht zu, Kritik an Ihrer Handlungsweise zu üben,“ sagte er sachlich. „Ich will mich lediglich auf den uns interessierenden Kriminalfall beschränken. Da finde ich eines sehr, sehr sonderbar …“

      „Was?“ fragte Larsen rasch.

      „Daß der Erpresser, dieser Karo König, sich anscheinend ebenfalls durch den Aufwand in Ihrer Lebensweise hat täuschen lassen. Im allgemeinen pflegen Erpresser, zumal solche, die mit derart hohen Beträgen operieren, sich vorher sehr genau über die Vermögenslage des ausersehenen Opfers zu informieren.“

      „Das brauchte der Karo König nicht,“ entgegnete der andere bedrückt. „Er kennt meine Vermögenslage nur zu gut.“

      „Und dennoch?“ rief O’Kelly verwundert. „Und dennoch verlangt er RM. 600 000.—?“

      „Ich kann Ihnen das nicht erklären,“ sagte Larsen leise.

      „Ach so … Ein Teil Ihres Geheimnisses!“ Der Inspektor erhob sich. „Ich gehe jetzt. Lassen Sie mich, bitte, durch eine Seitentür hinaus — ich möchte nicht mit neugierigen Fragen belästigt werden. Und morgen werde ich Ihnen mitteilen, was wir unternehmen wollen, um dem Karo König das Handwerk zu legen.“

      „Glauben Sie, daß Sie mir … mir … helfen können?“ fragte der Hausherr stockend.

      O’Kellys Mienen waren undurchdringlich.

      „Ich weiß nicht,“ sagte er kalt.

      4

      Durch eine schmale Hintertür gelangte O’Kelly in einen dunklen Hof und von da aus auf die Straße. Er wollte bereits seines Weges gehen, als ihm ein Mann in einem Torbogen des gegenüberliegenden Hauses auffiel, der sichtlich bemüht schien, verborgen zu bleiben. Den Hut hatte er tief ins Gesicht gerückt und den Kragen des Überziehers hoch aufgeschlagen. Unablässig spähte er nach den hellerleuchteten Fenstern von Larsens Wohnung. Augenscheinlich hatte er O’Kelly gesehen, denn jetzt verschwand er plötzlich im Torbogen.

      Sekundenlang überlegte der Inspektor. Sollte das vielleicht gar der Mann sein,


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