Glückswelle. Denise Brück
ist mein 1. Tag, bitte sei nett zu mir:-)'. Witzige Idee.
»Für mich die Spinatlasagne«, entgegnete ich.
»Ich nehme den Feldsalat mit Granatapfel und gratiniertem Ziegenkäse«, meinte Caro.
»Geht klar!«
Neugierig wandte ich mich wieder an Caro. »Also, was ist mit Maik? Erzähl schon.«
»Du weißt doch, ich ticke da etwas anders als du. Warum sollte ich mir die Zeit, bis mein Traumprinz aufkreuzt, sollte es ihn wirklich geben, nicht mit dem einen oder anderen Leckerbissen versüßen. Maik war nur eine kurze Affäre. Mehr läuft da nicht.«
Das war einer der Punkte, in dem Caro und ich sehr unterschiedlich waren.
Wir ließen uns das Essen schmecken, saßen noch eine Weile zusammen, plauderten über dies und das und beobachten die Pärchen an den Nachbartischen, bevor ich zurück ins Büro musste. Auf dem Weg zurück in die Agentur schaute ich noch kurz bei Yusuf im Gemüseladen vorbei. Ich griff mir einen Kürbis, ein paar Äpfel und etwas Ingwer. Bei dem Mistwetter würde eine Kürbissuppe am Abend sicher guttun.
Gut gestärkt und gut gelaunt machte ich mich im Büro an die Arbeit und war nun doch ganz zuversichtlich meine offenen Vorgänge noch bis zum Abend abarbeiten zu können.
In den kommenden zwei Tagen waren alle Kollegen im Büro ziemlich angespannt, dennoch schafften wir es alle gemeinsam, die neuen Entwürfe bis Freitag fertig zu kriegen. Letztendlich machte dies auch die Agentur aus. Wir waren eine großartige Gemeinschaft, in der wir stets auf die Hilfe des anderen zählen konnten. Fast wie eine Familie. Einen besseren Job konnte ich mir gar nicht vorstellen.
Mit Geduld und Spucke
Samstagmittag, halb zwölf. Ich war gerade auf dem Weg zu meiner Wohnungstür, als das Telefon klingelte. Ein kurzer Blick auf das Display verriet mir, dass es Mama war. Wenn ich jetzt rangehe, würde ich es nicht rechtzeitig zu Nina schaffen. Andererseits dachte ich an Punkt Vier meiner Bucket-List. Ein Telefonat wäre ja zumindest mal ein Anfang. Ich zögerte kurz, zog dann aber die Tür zu und ließ es klingeln.
Draußen war ein herrlicher Wintertag. Die Luft war klar, der Himmel eisblau und die Sonne glitzerte im ersten Schnee, der heute Nacht die Gehwege kristallweiß gezuckert hatte. Ich musste unwillkürlich lächeln und fühlte mich gleich ein wenig besser. Dann zog ich mir meine Mütze tief ins Gesicht und machte mich auf den Weg.
Pünktlich um zwölf Uhr klingelte ich bei Nina. Nina und Tom wohnten sehr idyllisch, in einer erst vor einem Jahr neu entstandenen Wohnsiedlung, direkt am Hirschgarten. Die Häuser waren in mediterranem Stil gebaut. Die geradlinigen Formen, der terracottafarbene Wandputz und die schmideisernen Balkone mit ihren Verzierungen versetzten einen irgendwo nach Italien, zumindest im Sommer, denn dann zierten Zypressen, Palmen und verschiedenfarbige Oleander das Terrassen- und Gartenbild.
Der Türsummer brummte und Nina kam mir bereits entgegen. »Hallo Leni, schön dich zu sehen. Gut, dass du da bist«, begrüßte sie mich.
Ich drückte sie vorsichtig. »Dito, schau mal, ich habe uns Latte Macchiato, für dich natürlich koffeinfrei, und ein paar süße Leckereien mitgebracht.«
»Das ist ja schön. Vielen Dank. Tom wird sich über die Nervennahrung bestimmt freuen. Schon seit einer Stunde versucht er verzweifelt die Wickelkommode namens Blöjor zusammenzubauen, aber irgendetwas scheint zu fehlen. Komm rein.«
Ich streifte im Flur meine Stiefel ab, warf die Jacke über einen Stuhl und versuchte meine halblangen Haare zu bändigen, die durch die Mütze in alle Richtungen standen. »Hallo Tom.«
»Servus, Leni«, meinte der nur zerknirscht.
»Leni hat uns Latte Macchiato mitgebracht, magst du nicht mal eine Pause machen?«
»Nee, ich muss das jetzt erst mal fertigkriegen«, entgegnete Tom ziemlich gereizt und vom männlichen Ehrgeiz gepackt. Nina deutete mit einer Handbewegung in Richtung Esszimmer und ich folgte ihr aus der Gefahrenzone. Na ja, so hatten wir wenigstens ein wenig Zeit zum Quatschen. Wir setzten uns an den Esstisch und Nina verdrehte die Augen »Typisch Mann, er will sich aber auch nicht helfen lassen. So ein Sturkopf«, beschwerte sie sich. »Momentan ist er einfach schnell gereizt. Weißt du, das Tagungsgeschäft im Hotel läuft zurzeit richtig gut, eine Bankettveranstaltung jagt die andere und das Personal ist noch nicht optimal eingespielt. Tom fühlt sich verpflichtet überall mit anzupacken, schließlich hat er die Verantwortung. Er kommt oft erst nach Hause, wenn ich schon schlafe. Dabei hätte ich ihn so gerne in meiner Nähe. Ich hoffe das ändert sich ein wenig, wenn unser kleiner Krümel auf der Welt ist«, sagte Nina und streichelte sich zärtlich den Bauch.
»Mach dir keine Sorgen, Nina. Bestimmt wird er dann Einiges delegieren können und mehr Zeit für dich und das Baby haben«, versuchte ich sie zu beruhigen, obwohl ich mir nicht sicher war, denn Tom arbeitete erst seit kurzem als Geschäftsführer in einem Vier-Sterne-Hotel nahe dem Messegelände, was ein großer Karrieresprung für ihn war.
»Was macht die Suche nach deinem Traumprinzen? Zeigt unsere Backaktion schon erste Erfolge?«, fragte Nina dann mit einem Grinsen. »Ich habe übrigens neulich von einer Studie gelesen, die belegt, dass sich viele Paare bei der Arbeit oder im Supermarkt kennenlernen. Vielleicht solltest du da mal ansetzen.«
»Das frage ich mich manchmal auch. Wo steckt der Kerl nur?«, entgegnete ich mürrisch.
Nina lachte auf und blickte mich ermahnend an. »He, sei mal nicht so pessimistisch.«
»Na ja, also am Donnerstag zum Beispiel, hatte ich ein Date mit einem Arbeitskollegen. Das war der totale Flop. Soviel zu Deiner Studie.«
»Du darfst das einfach nicht so verbissen angehen. Er wird dir schon irgendwann über den Weg laufen. Wahrscheinlich dann, wenn du am wenigsten damit rechnest.«
»Du hast gut reden.«
Drüben aus dem Kinderzimmer hörte man vereinzelt Tom fluchen. Aber ganz ehrlich, von mir aus konnte das noch dauern. Ich genoss es mit Nina hier zu sitzen und rumzualbern.
»Erzähl schon und spann mich nicht so auf die Folter, was hatte das mit deinem Kollegen auf sich?«
»Mein Kollege Malte hat mich am Mittwoch gebeten unseren neuen Webauftritt zu sichten und ihm Feedback zu geben. Ich meinte 'Klar, wenn er mich dafür am Donnerstag zum Italiener einlädt, mache ich das gerne.' Er war etwas verdutzt, aber sein Wort hat er gehalten. Ich hatte mich natürlich mächtig aufgebrezelt. Hab mir mittags sogar noch ein neues Strickkleid gekauft, mir verführerische Smokey Eyes geschminkt und mein bestes Parfüm aufgelegt. Und dann nahm das Desaster seinen Lauf. Gleich beim Aperitif hat er mir offenbart, dass er eine Freundin hat. Oh Mann, wie peinlich und naiv von mir.«
»Und das hast du wirklich nicht gewusst? Also das mit den Dates musst du wohl noch ein wenig üben, hm? Wie ist der Abend dann noch verlaufen?«
»Na ja, wir haben trotzdem noch gegessen und uns auch ganz nett unterhalten. Aber wohlgefühlt habe ich mich mit der Situation nicht. Was er wohl seiner Freundin erzählt hat? Sicher haben sich die beiden insgeheim über meinen Flirtversuch kaputtgelacht.«
Nina brach in Gelächter aus und ich konnte es ihr noch nicht mal verübeln. Am Ende hielt auch ich mir den Bauch vor Lachen.
»Tja Nina, mein Glück scheint etwas zu taumeln. Kann ja nicht jeder so einen Volltreffer landen wie du mit Tom.« Mir kam das Lied '80 Millionen' von Max Giesinger in den Sinn, das die letzten Wochen und Monate im Radio rauf und runter lief.
»Du wirst deinen Traumprinzen schon auch noch finden, Leni. «
»Da bin ich mir nicht so sicher. Bisher sind da draußen nur Frösche unterwegs.« Die Frustration in meiner Stimme war nicht zu überhören. »Aber das Essen war echt lecker. Dort sollten wir unbedingt mal hingehen«, fügte ich nach einem Moment hinzu, um über meinen peinlichen Auftritt hinweg zu lenken und die Sehnsucht, die sich in mir breit machte wegzuschieben.
»Hey Mädels, ich hab’s«,