Alpsegen. Philipp Probst

Alpsegen - Philipp Probst


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sollte. Doch sie verwarf den Gedanken, da sie viel zu müde war. Die Ferkel beruhigten sich. Selma suchte mit ihren Augen angestrengt die nähere Umgebung ab. War vielleicht ein Fuchs oder gar ein Wolf oder sonst ein Tier unterwegs, das die Ferkel aufgeschreckt hatte? Oder war es ganz normal, dass junge Schweine mitten in der Nacht quiekten? Jedenfalls konnte sie weder ein Tier erkennen, das herumschlich, noch einen Menschen. Einen Menschen? Ein etwas bedrohlicher Gedanke. Andererseits: Was sollte ein Mensch hier oben mitten in der Nacht schon wollen?

      Selma legte sich wieder hin und zog die Decke zurecht. Sie schloss die Augen.

      Dann hörte sie ein seltsames Knarren. Ein Klopfen. Wieder ein Knarren. Schritte.

      Selma schreckte auf. Horchte ganz genau. Doch nun war alles wieder still, Selma vernahm nur Martinas Atem. Holz verzieht sich und knarrt deshalb, sagte sie sich und kuschelte sich wieder ein. Zudem kenne ich die Geräusche hier oben auf der Alp noch nicht. Sie sind neu. Zu Hause in Basel gibt es ja auch immer wieder seltsame Geräusche und Schritte. Aus dem geheimnisvollen zweiten Stock.

      Doch es half alles nichts. Selma konnte nicht einschlafen. Nach einiger Zeit schaute sie auf ihr Handy. Es war kurz nach zwei Uhr. Das Smartphone zeigte auch an, dass der Akku bald leer sein würde. Ich muss es am Morgen aufladen, nahm sie sich vor. Allerdings fragte sie sich, wo. Hatte die Hütte überhaupt Strom? Muss sie haben, schliesslich hatte in der Küche Licht gebrannt. Und die Melkmaschine … ach ja, der Generator hinten in der Scheune, fiel Selma ein. Der Generator und das kaputte Abgasrohr! Also gab es sicher irgendwo eine Steckdose. Und wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm. Wobei die Akkus der Kamera auch Strom … Langsam verloren sich Selmas Gedanken.

      Als sie erneut erwachte, blickte sie in ein lächelndes Gesicht und grosse blaue Augen.

      «Guten Morgen, Selma», flüsterte Martina. «Gut geschlafen?»

      «Hei», brachte Selma knapp hervor.

      «Es geht los. Kommst du mit? Wir treiben die Kühe von der Weide in den Stall.»

      Selma war plötzlich hellwach: «Klar, gib mir fünf Minuten. Und vielleicht einen Kaffee.»

      «Kaffee gibt es später. Dann aber mit frischer Milch.»

      «Na dann.» Selma wuschelte ihre Haare, strich sie glatt und band sie mit einem Haargummi streng zusammen.

      Es kam selten vor, dass Selma schon frühmorgens schwitzte. Sie ging die Tage gerne langsam an, brauchte jeweils viel Zeit, um sich und ihre Gedanken zu ordnen. Und ihre Haare. Sie hatte einen Haartick, das war ihr bewusst. Zum Glück hatte Lea ihren Salon gleich in Selmas Haus «Zem Syydebändel».

      Selma brauchte vor allem Kaffee. Am liebsten einen mittelstarken Filterkaffee mit viel Milch. In dieser Hinsicht war sie ganz schwedisch aufgewachsen und erzogen worden. Die damals sündhaft teure Espressomaschine war ausschliesslich dem Vater vorbehalten gewesen.

      Doch nun rannte Selma ohne Kaffee bergauf und bergab. Sie fotografierte, wie Martina, Res, Stefan und Hund Kobi die Kühe zusammentrieben. Das Licht der Morgendämmerung war einzigartig, zudem stand der halbvolle Mond über der Bergsilhouette. Immer wieder stellte Selma die Kamera auf Videofunktion und machte einige Filmaufnahmen. Es war wunderschön. Fast kitschig. Genauso hatte sich Selma das vorgestellt.

      Manchmal hörte sie den Pfiff eines Murmeltieres. Dann blieb sie stehen, schaute um sich und hoffte, dass sie das Murmeltier fotografieren könne. Doch meistens sah sie es nicht. Oder es war viel zu weit entfernt. Plötzlich entdeckte die Reporterin beim Niesehorn Gämsen. Aber auch sie waren viel zu weit weg, um ein gutes Foto machen zu können. Selma freute sich trotzdem über das Schauspiel in der Bergwelt. Und hatte Lust, sich der Kunst der Tierfotografie zu widmen, sich stunden- oder tagelang in einem Versteck auf die Lauer zu legen.

      Kühe zu fotografieren war wesentlich einfacher. Gemächlich trotteten sie in den Stall und gingen zielstrebig zu ihren Plätzen, über denen kleine Tafeln mit ihren Namen hingen. Papa Kohler musste die Tiere nur noch mit den Stricken anbinden.

      «Finden die Kühe ihren Platz immer allein?», fragte Selma, die in die viel zu grossen Stiefel stieg, die ihr Martina gegeben hatte. Auch der blaue Overall war ihr einiges zu gross.

      Der Alte antwortete nicht.

      Als die fünfundzwanzig Kühe im Stall angebunden waren, begannen die Kohler-Männer mit dem Melken. Selma fotografierte. Oder versuchte es. Die Männer drehten sich immer von ihr weg. Und wenn sie fragte, ob sie kurz zu ihr schauen könnten, verzogen sie keine Miene.

      Die Männer schleppten die Kannen in die Hütte und leerten die Milch ins Käsekessi. Martina feuerte an. Selma machte viele Aufnahmen. Und im Gegensatz zu den Männern posierte Martina gerne vor der Kamera. Selma musste sie eher bremsen.

      «Res!», meinte Martina, als dieser gerade seine Milch ins Kessi leerte. «Du musst lächeln.» Sie packte ihn am Arm und posierte mit ihm für Selma. Das waren zwar keine Szenen, die Selma für ihre Reportage brauchte, aber vielleicht halfen sie ja, das Eis zu brechen. Als Selma sah, dass Res Martina etwas ins Ohr flüsterte, wandte sie sich ab. Allerdings bemerkte sie im Augenwinkel, wie Martina Res über den Rücken strich, ihre Hand über seine Hüfte gleiten liess, ihm schliesslich an den Po fasste und so tat, als rücke sie ihm den einbeinigen Melkstuhl zurecht.

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