Sigurd Großband 2: Laban der Schreckliche. Charly Strauss

Sigurd Großband 2: Laban der Schreckliche - Charly Strauss


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unterbrach ihn sofort lautstark. »Der Fürst hat Euch geglaubt! Wir sind in Ungnade gefallen und mussten die Burg verlassen!«

      »Ihr seid des Todes«, drohte nun auch noch einer seiner Begleiter.

      Ritter Hagard war mit seiner wütenden Rede noch nicht am Ende und deutete mit seiner linken Hand nach vorne. »Dort hinter der Wegbiegung beginnt Eure Reise in die Ewigkeit!«

      Doch damit konnte er Sigurd nicht aus der Ruhe bringen. »Was für große Worte«, sinnierte er.

      »Der Ritter war wohl bei einem Schmierentheater, bevor er in die Dienste des Fürsten trat«, gab nun auch noch Cassim etwas vorlaut seinen Beitrag zum Besten. Hagard von Stolzenfeld reagierte nicht auf die Worte des für ihn nicht beachtenswerten Jünglings.

      Schließlich ritt die so gegensätzliche Gruppe bis zur von Hagard bezeichneten Wegbiegung hinter dem Dorf. Sie bogen um die Wegkurve und waren somit außer Blickweite von Fürst Friedrichs Burg. Auch hier fiel der Felsen steil zum Meeresstrand hinunter. Nur ein schmaler Weg führte an der Steilwand die Küstenlinie entlang.

      Da versperrten Hagard und seine Begleiter mit gezogenen Schwertern den Weg. »Wir sind angelangt. Zieht blank«, forderte Ritter Hagard von Stolzenfeld.

      Sigurd zuckte nur mit der Schulter. »Ihr habt es nicht anders gewollt!«

      Während Bodo auf dem schmalen Weg, der entlang der Steilküste verlief, ohne zu zögern Hagard angriff, drängten die zwei anderen Ritter mit ihren Pferden Sigurd an den Schluchtenrand. Um sich zu verteidigen, hob Sigurd abwehrend sein Schwert, weil er immer noch nicht einsah, hier und jetzt einen Kampf auf Leben und Tod führen zu müssen, der aus seiner Sicht völlig unnötig war.

      Da surrte plötzlich vom oberen Felsenrand ein Pfeil heran, der sich mitten in Sigurds Brust bohrte. Die Waffe glitt aus seiner Hand, und mit einem Aufschrei fiel er rücklings vom Pferd. Ehe er sich‘s versah, stürzte er über den Steilhang hinab ins unruhig gewordene Meer.

      Entsetzt und außer sich vor Wut drängte Bodo mit seinem Pferd heran und schlug mit seinem Schwert auf Ritter Hagard ein, der den Hieb jedoch parieren konnte. »Ihr elenden Feiglinge! Nicht einmal im Zweikampf könnt Ihr ehrlich bestehen. Jetzt habt Ihr auch noch einen Meuchelmörder gedungen!«

      Auch Cassim wollte seinen Freund Bodo mit erhobenem Schwert unterstützen und ritt mutig hinzu. Wieder entging Ritter Hagard einem wuchtigen Streich von Bodo.

      »Nein, nein«, rief Hagard lauthals und strauchelte fast vom Pferd.

      »Vorsicht, Ritter Bodo«, rief plötzlich Hagards Mitstreiter, Ritter Udo von Hohenberg, in das Kampfgetümmel hinein.

      Bodo schreckte auf, und in diesem Moment sauste ein weiterer Pfeil haarscharf von schräg oben an seiner Brust vorbei.

      »Schnell fort von hier!«, beendete Ritter Hagard den Kampf.

      Bodo, der für einen Moment starr vor Schreck im Sattel saß, fasste sich wieder und sprang von seinem Pferd. »Fliehe, Cassim! Ich muss wissen, was aus Sigurd geworden ist.«

      Der Junker riss schweren Herzens seinen Braunen herum und sprengte auf dem schmalen Felsenweg davon. Die Ritter Hagard von Stolzenfeld, Udo von Hohenberg und Gernot von Giesenhain folgten ihm sofort. Sigurds und Bodos Pferde, sowie das unberittene Pferd des beim Überfall auf den Goldtransport getöteten Ritters aus Hagards Gruppe, galoppierten instinktiv hinterher.

      Bodo sprang, ohne auf sich selbst Rücksicht zu nehmen, über den Klippenrand. Im letzten Moment konnte er seinen Fall auf einem kleinen Felsvorsprung abfangen und lehnte sich aufatmend gegen die steil abfallende Wand. Da entdeckte er, wie sich Sigurd bemühte, sich auf einen am Rand des Wassers liegenden Felsblock zu ziehen. »Gott sei Dank«, stieß er erleichtert aus. »Sigurd lebt.«

      Doch in diesem Moment sah er, dass sein Freund wieder abrutschte und von seinem Kettenhemd unter die Wasseroberfläche gezogen wurde. »Himmel, er geht unter«, durchzuckte ihn ein eisiger Schreck. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, stieß er sich von der Felswand ab und sauste mit einem gewagten Kopfsprung dem kühlen Nass entgegen.

      DREI

      Der Bogenschütze war zufrieden. »Die drei Ritter und der Knappe sind geflohen«, nickte er befriedigt. »Sigurd habe ich getroffen … jetzt bleibt nur noch Bodo.« Aus seinem als Versteck genutzten Gebüsch schob er sich vorsichtig nach vorne und blickte in die Tiefe. »Von hier aus kann ich den Strand leider nicht sehen«, überlegte er. »Hm … ich muss es wagen. Bodo darf auch nicht überleben!« Vorsichtig kletterte er den Hang hinab.

      *

      Zum Glück war es Bodo inzwischen gelungen, seinen Freund auf das felsige Ufer zu ziehen. »Großer Himmel, bist du verletzt?«, rief er aus.

      »Keine Angst, Bodo«, beruhigte Sigurd seinen Freund mit noch etwas matter Stimme. Er lehnte sich gegen die Felsenwand und zog mit einem Ruck das Geschoss aus der Brust. »Der Pfeil ist nur ganz wenig durch das Panzerhemd gedrungen. Aber der Anprall hat mir die Luft genommen.« Ein leichtes Lächeln überzog sein Gesicht. »Es … geht … mir schon wieder besser«, fügte er noch etwas stockend hinzu, als er sich aufrichtete. Bodo war davon noch nicht ganz überzeugt. Aber er war froh, dass Sigurd so ein Glück im Unglück widerfahren war. »Was ist mit Cassim?«, fragte Sigurd mit etwas besorgter Stimme.

      »Ich habe ihm zugerufen, dass er fliehen solle«, deutete Bodo nach oben.

      Sigurd setzte an, sich zu erheben. »Ich bin doch noch etwas wackelig auf den Beinen. Hilf mir beim Hinaufklettern … dann schaffe ich es.«

      Bodo blickte prüfend nach oben. »Gut! Ich … schnell, hinter den Felsen«, unterbrach er sich selbst, während schon wieder ein Pfeil die beiden Freunde knapp verfehlte.

      *

      Zeitgleich donnerten immer noch die Hufe der galoppierenden Pferde über den schmalen Felsensaum. »Fliehe nicht«, rief Ritter Hagard.

      Doch Cassim hatte, wie von Furien gehetzt, seinen Vorsprung schon etwas vergrößert.

      »Wir schwören dir, dass wir nichts mit dem heimtückischen Bogenschützen zu tun haben!« Cassim reagierte nicht.

      »Er hört nicht«, gab Hagard auf und zügelte sein Pferd. Auch die anderen beiden Ritter hielten ihre schnaubenden Pferde an. »Lasst uns zurückreiten. Diese Schmach will ich nicht auch noch tragen.« Zum Glück waren auch die drei reiterlosen Pferde stehen geblieben. Die drei Ritter wendeten vorsichtig ihre Reittiere.

      Cassim hatte seine Flucht ebenfalls gestoppt und folgte nun seinerseits den Rittern in sicherem Abstand, nachdem er die drei reiterlosen Pferde mit einem langen Seil gesichert hatte.

      Da sie alle schon ein beträchtliches Stück des Weges hinter sich gebracht hatten, ritten die Ritter Hagard, Udo und Gernot in scharfem Galopp zurück und hatten bald darauf ihren Ausgangspunkt wieder erreicht.

      Hagard deutete hinauf. »Wir müssen den Bogenschützen fassen! Dort oben müsste er verborgen sein.« Die drei Ritter stiegen, so schnell es ihre Rüstungen zuließen, von ihren Pferden.

      Udo von Hohenberg, vom Kampfgeist erfüllt, begann bereits, die der Wand vorgelagerten Felsen zu besteigen. »Leise!«, raunte er Hagard und Gernot zu.

      Endlich hatten sie die Wand überwunden. »Wir sind zu spät zurückgekommen, der Vogel ist ausgeflogen«, stellte er enttäuscht fest. Doch da entdeckte er den Schützen mit schussbereitem Bogen, der sich unter ihnen über den Rand der Schlucht beugte. »Seht mal, da unten auf dem Weg!«

      Hagard drehte sich um und griff blitzschnell nach einem der umherliegenden Steine. Mit einem wütenden Schrei schleuderte er den zu einem Wurfgeschoss umgewandelten kleinen Felsbrocken hinab. Ein schepperndes Geräusch verriet die Treffsicherheit von Hagards Wurf, als der Stein gegen den Helm des Mordschützen prallte. Mit einem entsetzten Aufschrei verlor dieser den Halt, und während ihm der Bogen und der angelegte Pfeil aus den Händen glitten, stürzte nun auch er, den Kopf voran, in die Brandung.

      Dicht vor Sigurd und Bodo


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