Der argentinische Krösus. Jeanette Erazo Heufelder
JEANETTE
ERAZO HEUFELDER
Der
argentinische
Krösus
Kleine Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule
Vom Kronprinzen zum Vertrauten des Vaters
Im Visier der politischen Polizei
Stiller Teilhaber im Malik-Verlag
Zwischen politischen Emigranten und Berufsrevolutionären
Auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe
Ein Zeppelin am Himmel über Buenos Aires
Eine für alle Beteiligten schauerliche Geschichte
Jakobowicz und der polnische Oberst
Ein glückliches Leben oder nur Glück gehabt?
… aus London, Rotterdam oder Antwerpen kommen Telegramme mit den Notierungen für die Gebietsvertreter von, etwa, Weil Brothers, deren Gewinne über Jahre die Forschungen der Frankfurter Schule finanzierten, die das orthodoxe ökonomische und mechanistische Trugbild von Basis und Überbau zu überwinden trachtete.
SERGIO RAIMONDI, Weil Brothers
»Seit gestern ist der 16jährige Frank Weil, einziger Sohn von Felix, aus seiner ersten Ehe hier. (…) Er erinnert in vielem an seinen Vater in dessen Jünglingszeit, als ich ihn sehr gern leiden mochte. Leider fehlt das beste, die Leidenschaft für die Enterbten und die Revolution.
Aber die Zeit ist heute allerdings eine andere. Wie sollte heute ein Jüngling, auch wenn er Imagination hätte, sich für die Arbeiter, Sozialismus, Kommunismus und Revolution begeistern?«
KARL KORSCH, 13.2.1941, Brief an Paul Mattick
Fukumoto Kazuo drückte auf den Auslöser: Seminarteilnehmer stehend (von links): Hede Gumperz, Friedrich Pollock, Eduard Ludwig Alexander, Kostja Zetkin, Georg Lukács, Julian Gumperz, Richard Sorge, Karl Alexander (Sohn), Felix Weil, unbekannt; vorne sitzend (von links): Karl August und Rose Wittfogel, unbekannt, Christiane Sorge, Karl Korsch, Hedda Korsch, Käte Weil, Margarete Lissauer, Béla Fogarasi, Gertrud Alexander
Vorwort
Es gibt kaum Fotos von Felix Weil (1898–1975). Eines der wenigen, auf denen der Gründer des Frankfurter Instituts für Sozialforschung abgebildet ist, datiert vom Mai 1923. Auf der als Gruppenbild inszenierten Aufnahme ist er der Zweite von rechts in der letzten Reihe. Ein schlaksiger, hochgewachsener, noch etwas knabenhaft wirkender Mann mit schmalem Gesicht und vom Wind zerzausten, in die Stirn fallenden Haaren, der von den anderen auf dem Foto freundschaftlich ›Lix‹ genannt wurde