„Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen". Karl Gabl
hielt Adi Werner eine launige Rede, in der er ein kostbares Geschenk ankündigte, das man sorgfältig behandeln solle, weil man es wieder zurückgeben müsse. Als unsere Musikkapelle danach im Freien zu spielen begann, war die Überraschung bei der Hochzeitsgesellschaft groß. Weder die geladenen Gäste noch das Hochzeitspaar hatten von unserem Auftritt gewusst. Die Überraschung war gelungen. Wir wurden zum Fest eingeladen, und bei Havannazigarren und Champagner ließen wir es uns gut gehen. Als unsere wenige Mann starke Tanzkapelle aufspielte, verwandelte sich die vorher eher steife Party in ein zünftiges Tiroler Fest. Bei der Damenwahl fiel die Wahl der Eisprinzessin Marika Kilius auf Albert Schranz, den wir natürlich alle sehr um diese Ehre beneideten.
Mit der Musikkapelle St. Anton bei der Sattelkopf-Gipfelmesse mit Pater Fritz Tschol. Vordere Reihe v. I.: Jakob Mussak, Karl Gabl, Norbert Scalet, nach den drei Kindern Arnold Schranz
Über meine Bergtouren mit Harald Rofner und Walter Strolz wurde in St. Anton viel geredet, insbesondere weil Walter, manchmal auch ein bisschen Münchhausen, wortreich und humorvoll über unsere Abenteuer berichtete. So blieb es nicht aus, dass der Ortsstellenleiter der Bergrettung, der Gendarmeriebeamte Erich Genewein, uns im Jahr 1965 fragte, ob wir Mitglieder der Bergrettung werden wollten. Wir fühlten uns geehrt, in diesen illustren Kreis der Bergsteiger St. Antons aufgenommen zu werden.
Meinen ersten Rettungseinsatz hatte ich auf dem Wanderweg vom Galzig zur Ulmer Hütte. Eine deutsche Touristin hatte sich den Fuß gebrochen und musste, da es noch keine Rettungshubschrauber gab, mühsam mit einer schweren Einradtrage zur Bergstation der Galzigseilbahn transportiert werden.
Neben der Lawinenkatastrophe im März 1988 sind mir vor allem weitere Lawinenunfälle sowie einzelne andere Sucheinsätze in Erinnerung geblieben. Bei einem Lawinenunfall im Schöngraben unterhalb des Törlis hatte Walter Strolz als Einsatzleiter die weitere Suche nach der Bergung von zwei Toten abgebrochen, da die Bergretter massiv von Nachlawinen bedroht waren. Der Südhang über der Unfallstelle erstreckte sich über 700 Höhenmeter bis zur Bacherspitze hinauf. Nach den großen Neuschneemengen von etwa einem Meter musste mit weiteren Lawinen gerechnet werden. Etwa fünf Tage später war es dann so weit. Die Schneedecke hatte sich gesetzt und verfestigt. Die Lawinengefahr war geringer. Nochmals stiegen meine Bergrettungskameraden und ich mit Lawinenhunden zur Lawine in diesem engen Tobel hinauf. Es dauerte nicht lange, bis der Lawinenhund Rambo von Gilbert Hörschläger Witterung aufnahm. Nur wenig unter der Schneeoberfläche fanden wir das Snowboard eines vermissten Australiers. Bald danach kam ein Handschuh zum Vorschein und dann fand der Hund den Snowboarder selbst. Als sein Hinterkopf zum Vorschein kam, versuchte ich mit meinem Handschuh zu seinem Mund zu kommen. Ich erschrak. Vor seinem Mund konnte ich eine große elliptische, glasig vereiste Atemhöhle ertasten, die mindestens 20 Zentimeter Durchmesser hatte. Der Verunfallte dürfte noch viele Stunden unter der Lawine, wahrscheinlich bewusstlos, geatmet haben. Trotzdem war die Unterbrechung der Suche bei der großen Lawinengefahr fünf Tage vorher unbedingt notwendig gewesen. Es hätten dreißig Bergretter von St. Anton unter meterhohen Schneemassen begraben werden können. Ganz in der Nähe dieses Lawinenunfalles mit drei Toten haben wir Jahre später einen weiteren Toten im untersten Teil der Schöngrabenabfahrt geborgen.
Ausflug mit der Bergrettung St. Anton in die Silvretta. Im Jahr 2015 feierte ich mein 50-jähriges Jubiläum.
Lawineneinsatz im Törli 1995. Aufgrund großer Lawinengefahr konnte ein verschütteter Snowboarder erst Tage nach dem Lawinenabgang tot geborgen werden.
Gefürchtet habe ich mich bei einem Flug mit dem Hubschrauber von Nasserein zum Vorderen Rendl unterhalb des Gambergs. Vier kanadische Skiläufer und ein Snowboarder waren von einer Lawine verschüttet worden. Der flaumige und tiefe Neuschnee hüllte den Hubschrauber beim Start und bei der Landung neben der Lawine derart ein, dass dieses Whiteout dem Piloten keine Sicht gewährte. Die Lawine hatte ein Ausmaß von etwa zwölf Hektar erreicht. Eine derart große Lawine ist bei Sucheinsätzen sehr selten. Obwohl wir den primären Suchbereich ungefähr bestimmen konnten, war der Einsatz, zu dem die Bergrettungen im Stanzertal bis Landeck geholt wurden, nicht von Erfolg gekrönt. Denn der Snowboarder war ohne Lawinenverschüttetensuchgerät von dieser Lawine begraben worden, und die Suche mit Lawinensonden bis sechs oder sieben Meter Tiefe ist sehr schwierig.
In die Jahre gekommen und nach einigen Verletzungen habe ich den aktiven Dienst faktisch aufgegeben. Dafür engagiere ich mich heute umso mehr bei der Ausbildung des Bergrettungsnachwuchses. Peter Veider, der Ausbildungsleiter der Tiroler Bergrettung, bat mich schon vor vielen Jahren, Wetterwissen an den Nachwuchs weiterzugeben. Es sind jedes Mal inspirierende Abende, die ich im Jamtal verbringe.
Die Tiroler Hindukusch Skiexpedition 1970. Im Basislager am Fuß des Noshaq (7492 m). V. I. Uli Schwabe, Hans-Jörg Moser, Gerhard Markl, Roland Schulz, Karl Gabl und Gerd Gantner. Jörg Schmidl war bereits im Krankenhaus.
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