„Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen". Karl Gabl

„Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen


Скачать книгу
konnten auch die meterlangen Lederriemen der Bindung nichts ändern.

      Gerne nahm ich auch einige Jahre beim Rennen der Skischule St. Anton teil. Ganz vorne war ich aber nie. Beim Bundesheer in Landeck trat ich dem Heeressportverband bei und konnte einmal unter der Woche das Areal der Pontlatzkaserne verlassen, um beim schon längst stillgelegten Skilift Thial zu trainieren. Mein Trainingspartner war Bruno Traxl aus Flirsch, der spätere Kommandant des Gendarmeriepostens St. Anton und Bürgermeister von Flirsch. Gemeinsam nahmen wir an einigen Wochenenden auch an Skirennen von örtlichen Skiklubs teil. Bruno, der einige Monate jünger ist als ich, war noch in der Juniorenklasse startberechtigt. Ich startete bereits in der Allgemeinen Klasse, in einem unvergleichlich größeren, rivalisierenden Starterfeld. Obwohl ich, wie in Sautens auf der Strecke vom Ritzlerhof, meist wenige Zehntel schneller als Bruno war, landete er in der Juniorenklasse ganz vorne, ich in meiner Altersklasse immer hinten.

image

       Obwohl ich erst einen Monat vorher mit dem Langlaufen begonnen hatte, erreichte ich beim Marcia Longa 1974 unter 10.000 Teilnehmern über die verkürzte Distanz von 50 km den 1076. Platz.

      Ein Rennen mit Bruno in Strengen am Arlberg im Winter 1967 ist mir bis heute als einzigartig in Erinnerung geblieben. Die Rennstrecke führte vom Strenger Berg mit dem Start oberhalb von Perflör bis ins Ziel zum Dorf hinunter. Es gab keinen Skilift und die Einheimischen hatten einen großen Vorteil, da sie die Strecke kannten. Wir Auswärtigen fuhren mit dem Auto über die steilen und engen Bergwege zum Start und konnten nur einen Teil des Riesentorlaufes, der durch umzäunte Wiesen führte, einsehen. Schnelle Reaktionen waren gefragt, wenn man bei einem Gatter im Zaun das nächste Tor links, rechts oder unterhalb erspähte. Bruno stürzte und landete im geschlagenen Feld. Ich freute mich auf die Preisverteilung im Saal des Hotels Post in Strengen am späten Nachmittag, da ich ohne Sturz Bruno weit hinter meiner Zeit vermutete. Beim Vorlesen der Ergebnisliste wurde mein Gesicht länger und länger. Schließlich wurde ich 32-ster, fast eine halbe Minute hinter Bruno. Offensichtlich hatte mir der Zeitnehmer eine derart schnelle Zeit nicht zugetraut und prophylaktisch eine Minute dazugeschlagen. Ich bin zwar nicht nachtragend, aber bei meinen jährlich zahlreichen Besuchen auf der Skihütte des Strenger Ski- und Rodelklubs auf Dawin wird über meine hartnäckig vorgetragene Forderung nach Genugtuung immer herzlich gelacht.

      Die Grundausbildung zu meinem Präsenzdienst absolvierte ich in der Kaserne in Absam. Unser diensthabender Unteroffizier war Vizeleutnant Kurt Waldegger, ein gebürtiger Nauderer. Alle Rekruten sahen einen Offizier, der überaus kompetent, korrekt, streng war und alle gleich behandelte. Es gab nie irgendwelche Schikanen. Außerdem erinnere ich mich noch gut an unseren Kompaniekommandanten Oberleutnant Rudolf Hinteregger, der später Kommandant des Truppenübungsplatzes Wattener Lizum war. Bei einer Schießübung mit dem Sturmgewehr schoss ein Soldat neben mir einige Male auf meine Scheibe, worauf ich meldete: „Herr Oberleutnant: Melde zehn Schuss und zwölf Treffer im Quadrat“. Das Schwierigste dabei war, bei dem erwarteten militärischen Ernst nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Nach der Grundausbildung wechselte ich in die Kaserne nach Landeck zur Tragtierkompanie. Mein Haflingerpferd „Dirndl“ war eines der schönsten Pferde mit einer prächtigen blonden Mähne. Ich bin heute noch stolz, den Umgang mit Pferden erlernt zu haben. Es ist sogar in meinem Wehrdienstbuch unter der Rubrik Wehrdiensteignung zu lesen: „Geeignet zum Tragtierführer“.

      Im Winter, der auf den Wehrdienst folgte, begann ich bei der Skischule Arlberg in St. Anton als Aushilfsskilehrer, später als Landesskilehrer. Ich unterrichtete Skischüler vom Anfänger bis zu Fortgeschrittenen, einmal fuhr ich einige Tage mit einem früheren Mitglied der amerikanischen Skinationalmannschaft im hüfthohen Pulverschnee Ski. Gerne war ich auch in der Kinderskischule, die Rudolf Draxl, Ökonomierat, Landtagsabgeordneter und Landwirt, souverän leitete. „Onkel Rudi“, wie er von allen genannt wurde, war ein Organisationstalent. Das musste er auch sein, waren doch an Spitzentagen durchaus 600 Kinder in der Skischule.

      Einmal, nach Ende des Skikurses, fuhr ich gemeinsam mit einem älteren, Englisch sprechenden Herrn den Slalomhang-Skilift hinauf. Wir kamen ins Gespräch, diskutierten über die Qualität des Schnees auf den Pisten und, neugierig wie ich war, stellte ich ihm auch private, persönliche Fragen, die er liebenswürdig beantwortete. Woher er komme, was er beruflich mache, wie es ihm in St. Anton gefalle. Wie sich herausstellte, lebte er in New York und war kein Geringerer als der weltberühmte Dirigent und Komponist Leonard Bernstein.

      Das schwierigste Après-Ski erlebte ich in der Pension meines Onkels Pepi. Er hatte mich kurzfristig zum 5-Uhr-Tee zu sich beordert, um mit seiner Skischülerin Alexandra von Kent, Lady Ogilvy, geborene Windsor, die bei ihrer Geburt an sechster Stelle der englischen Thronfolge stand, Konversation zu machen. Die Unterhaltung war zäh, denn mit Prinzessin Alexandra konnte ich nicht einmal über das Wetter und schon gar nicht über das Skifahren sprechen.

      Aber neben meinem Studium einige Wochen pro Winter als Skilehrer in der weltberühmten Skischule von Matt und Fahrner arbeiten zu dürfen, machte mir großen Spaß. Als die Leitung der Skischule wechselte, schied ich freiwillig aus.

       SPIEL UND ERNST: MEINE ZEIT BEI FUSSBALL, MUSIKKAPELLE UND BERGRETTUNG

      Schon während meiner Zeit in den ersten Klassen im Internat spielte ich in den Ferien Fußball auf dem Fußballplatz in der Au in St. Anton, wo sich jetzt die Hauptschule befindet. Es war der naturbelassenste Platz der Welt, denn eigentlich war es eine Weide für die Kühe von St. Anton. Naturbelassen bedeutete, dass der Platz von West nach Ost abfiel, nicht planiert war und zahlreiche bis zu einem halben Meter tiefe Unebenheiten aufwies. Zudem wuchsen am Rand des Spielfeldes zwei Fichten, die man trickreich umspielen musste. Nicht nur die Fußballer, auch die Kühe liebten die meist nur mit niederem Gras bewachsene Au. Kunstdünger oder Rasensamen wurden nicht gebraucht, da die Kühe das Gras immer recht kurz hielten und mit ihren Fladen für die Düngung sorgten. Es ging hemdsärmlig rau zu. Vor Spielen auf dem Platz waren zwei Mann mit Schubkarren und Schaufel unterwegs, um die „exkrementellen Unebenheiten“ zu beseitigen. Das gelang aber nur teilweise, und in der Abwehr musste man beim Hineingrätschen vorsichtig sein, um nicht braune Schleifspuren zu bekommen. Wenn ein Fladen vergessen worden war, musste der darauf landende Ball mit Gras abgewischt werden. Als Tore dienten dünne, lange, entastete Baumstämme. Ein Netz hinter dem Tor gab es nicht. Der Tormann bemühte sich deshalb besonders, die Bälle zu halten, denn bei einem Tor oder einem Fehlschuss waren die Wege weit, um den Ball wieder zu holen.

      Natürlich war unser Fußballplatz für den Spielbetrieb eines Vereins nicht zugelassen, aber trotzdem gab es immer wieder Wettkämpfe. Legendär waren die Spiele von den Nassereinern gegen die Dörfler. Die Dörfler mit Reinhold Falch, dem späteren Direktor des Flughafens in Innsbruck, sowie mit Harald Rofner, Gerd Doff-Sotta, Walter Wasle, Benno Mussak und Kurt Fahrner waren uns vom spielerischen Potential her weit überlegen. Zudem waren die meisten auch größer als wir Nassereiner. Aber wir, Karle Cordin, Karl Wolfram, Walter Strolz, Gebhard Strolz, den wir „Siemandli“ nannten, Elmar Schulter und ich haben gegen die übermächtigen und großen Gegner nie ein Spiel verloren. Mir kam die in der Stella angeeignete Technik zugute, außerdem hatten wir Nassereiner den größeren Kampfgeist. Nur so lässt sich diese klare Überlegenheit erklären. Ich produzierte Tore wie am Fließband. Der Vater von Karle, Karl Cordin, war meist der unparteiische und gerechte Schiedsrichter dieses Fußballkampfes zwischen den Ortsteilen.

image

       Die Fußball-Junioren des SV St. Anton. Vorne v. I.: Reinhold Falch, Alfred Matt, Kurt Fahrner, hintere Reihe v. I.: Walter Wasle, Walter Strolz, Franz Alber, Harald Rofner, Gerd Doff-Sotta, Karl Gabl, Karl Wolfram, Karl Cordin

      Während es bei uns keine Zuschauer gab, waren bei den Spielen der Älteren am Sonntag einige Zaungäste und viele von uns Jüngeren anwesend. Der älteste und aktivste Fußballer war sicher Sepp Staffler, Skilehrer und Begründer der Volkstanzgruppe, der noch mit über sechzig Jahren Fußball spielte. Otto Schuler, Herbert Rofner, Karl und Helmut Schranz, mein Schwager Kurt Strauß, Edi und Karl Falch, deren


Скачать книгу