„Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen". Karl Gabl

„Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen


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Zuschauern, wenn einem Spieler ein Schuss gerade nach oben gelang, also eine „Kerze“. Den Spielfluss brachte das zwar gehörig durcheinander, aber beim Publikum kam es gut an. Mit lautem Raunen und Beifall wurde der Spieler belohnt.

      Die Gründung des Fußballvereins SV St. Anton erfolgte Mitte der 1960er-Jahre. Damit ein Verein beim Tiroler Fußballverband angemeldet und in der Meisterschaft spielberechtigt sein konnte, mussten mindestens zwei Kampfmannschaften vorhanden sein. So wurde neben der ersten Mannschaft, die in der untersten Liga spielte, auch eine Juniorenmannschaft, der ich angehörte, aufgestellt. In der Juniorenliga spielten die renommiertesten Vereine des Oberlandes – Imst, SV Reutte und SV Landeck. Weil der alte Fußballplatz in St. Anton nicht homologiert wurde und der neue Platz in der Wolfsgrube noch nicht fertig war, mussten wir unsere Heimspiele zuerst in Zams, später in Schönwies austragen. Zu unserem Team gehörten drei Skirennläufer des Nationalteams: Alfred Matt war unser exzellenter, reaktionsschneller Tormann, Harald Rofner eine wichtige treibende Kraft im Mittelfeld und Karle Cordin ein schneller Rechtsaußen. Reinhold Falch und Gerd Doff-Sotta bildeten ein schwer zu umspielendes Bollwerk in der Abwehr. Weiters waren im Team: Walter Wasle, Franz Alber, Karl Wolfram, Kurt Fahrner und Walter Strolz. Mein Freund Walter war nicht gerade der beste Techniker, dafür flößten seine harten Schienbeine jedem Gegner schmerzvollen Respekt ein.

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       Meine Torschüsse waren gefürchtet: Perfekte Schusshaltung beim Meisterschaftsspiel der ersten Mannschaft des SV St. Anton in Silz. Im Hintergrund ist Karl Schranz interessierter Beobachter.

      Zum ersten Auswärtsspiel mussten wir ausgerechnet in die Bezirkshauptstadt zum SV Landeck, der in Perjen über ein fast neues Fußballstadion verfügte, das damals in seiner Art das schönste im ganzen Oberland war. Nicht gerade charmant wurden wir begrüßt. Unverhohlen wurden wir als die „Bloßfüßigen“ tituliert. Wir fühlten uns nicht diskriminiert, sondern angespornt. Unsere Antwort wollten wir den Landeckern auf dem Spielfeld geben. Wir spielten wie entfesselt. Gerd Doff-Sotta und Reinhold Falch überwanden das Mittelfeld mit weiten Pässen. Ihre Steilvorlagen für die Stürmer durchlöcherten die ansonsten stabile Landecker Hintermannschaft nach Belieben. Mir gelangen als unscheinbarem Mittelstürmer drei Tore. Wir gewannen 4:2, wenn ich mich richtig erinnere. Vielleicht stand es am Ende sogar 4:1. Die Bloßfüßigen siegten gegen die gut beschuhten Landecker. Wenn ich ihn treffe, reibe ich diesen Sieg Walter Guggenberger, dem späteren Nationalrat der SPÖ und Leiter des Bundessozialamtes in Innsbruck, der damals die spielbestimmende Kraft bei den Junioren der Landecker war, noch heute gerne unter die Nase.

      In der Meisterschaft landeten wir im Mittelfeld der Tabelle, wenngleich uns auch beeindruckende Erfolge gelangen. In der jährlichen Statistik des Österreichischen Fußballverbandes (ÖFB) über die Meisterschaft in den diversen Ligen schien ein von den Junioren des SV St. Anton erzielter Rekord auf: Gegen den ASV Landeck gewannen wir, wenn ich mich recht erinnere, einmal mit 21:1 oder 22:1. Der ASV ging durch einen Elfmeter in der ersten oder zweiten Minute in Führung, dann spielte nur noch St. Anton gegen eine wahrscheinlich ersatzgeschwächte Mannschaft. Immer, wenn ein Torschuss danebenging, holten wir für den Landecker Torhüter den Ball und legten ihn auf die 5-Meter-Markierung zum Abstoß. So konnte das Spiel möglichst rasch fortgesetzt werden. Ich weiß nicht, ob ich bei diesem Spiel sieben oder acht Tore schoss, irgendwann bekamen wir ernsthafte Probleme mit der Zuordnung der jeweiligen Treffer.

      Einige von den Junioren wechselten dann in die erste Kampfmannschaft des SV St. Anton, wo neben den oben genannten auch Karl Schranz und Martin Burger, beide Kollegen im ÖSV-Skiteam, sowie Reinhard Hauser und Walter Thurner spielten. Konditionell waren wir mit den fünf Skifahrern Burger, Cordin, Matt, Rofner und Schranz den meisten Teams überlegen. Da Fußball aber ein Mannschaftssport und kein Individualsport wie das Skifahren ist, haperte es manchmal im Stellungsspiel und bei den Kombinationen. Karl Schranz zum Beispiel dribbelte bravourös und ballverliebt, weshalb es manchmal auch etwas länger dauern konnte, bis wir den ihm zugespielten Ball zurückbekamen. Aber irgendwann musste natürlich auch er den Ball abgeben oder er wurde vom Gegner gestellt.

      Ein Erlebnis war es, mit Karl Schranz nach Wien zu fahren. Er organisierte mehrmals ein Spiel gegen einen Klub in der höchsten österreichischen Spielklasse, wenn ein solcher aufgrund eines Länderspiels im Praterstadion an einem Wochenende spielfrei hatte. Neben dem Trainingsspiel mit den besten Vereinen konnten wir unseren Aufenthalt in Wien mit einem Besuch eines Länderspiels verknüpfen. Es erfüllte uns mit Stolz, dass wir gegen die besten Fußballer spielen durften. Ich erinnere mich an ein Spiel in Hernals gegen den damals erstklassigen Wiener Sportklub, in dessen Reihen Nationalspieler wie Fritz Raffreider aus Dornbirn, die bekannten Gebrüder Hof und der Nationaltormann Wilhelm Kaipel spielten. Der Sportklub siegte „verdient“, aber sie ließen auch uns mitspielen. Neben Karl Schranz durfte auch ich an Willi Kaipel vorbei nach einer Direktabnahme den Ball ins Tor schießen.

      An der Universität Innsbruck studierend, spielte ich im Team der Meteorologen bei den Universitätsmeisterschaften in der Halle mit. Zu den Besten gehörten damals Ekkehard Dreiseitl und mein Tourenkollege Gerhard Markl. Nachdem ich mir beim Spiel mehrere Verletzungen, unter anderem Muskelfasereinrisse und Rippenprellungen, zugezogen hatte, hängte ich schweren Herzens meine Fußballschuhe an den Nagel.

      Durch mein Bergsteigen und meine Mitgliedschaft bei der Musikkapelle in St. Anton ergaben sich mehr und mehr Terminprobleme am Wochenende. Einmal gab es auch Schelte von meinem Vater. Anstatt mit der Musikkapelle bei der Autoweihe in St. Christoph auszurücken, zog ich es vor, am Jahnturm neben der Vallugagratstation mit Walter Strolz dessen Erstbegehung durch die Südwand zu wiederholen (Schwierigkeit VI/A1). Während dieser kurzen technischen Kletterei, zum Teil an von Walter konzipierten Holzkeilen mit dünnen Schnüren und Hunderternägeln als Sicherungspunkten, ähnlich der Fiedler-Flunger-Führe in der Martinswand bei Zirl, hörten wir die St. Antoner Musikkapelle aus St. Christoph bis zu uns herauf. Ein schlechtes Gewissen hatte ich am Jahnturm schon, aber ich bereue es nicht, mit Walter diese Tour gemacht zu haben.

      Nachdem ich als Solotrompeter in der Stella Matutina aufgetreten war, wollte ich, anfangs nur in den Ferien im Sommer, zu Weihnachten und zu Ostern, zur Musikkapelle in St. Anton. Eugen Haueis und Siegfried Spiss kümmerten sich um meine Aufnahme. Bald wurde Kapellmeister Grillmeyer von meinem früheren Volksschullehrer und Organisten Herbert Sprenger abgelöst. Und so durfte ich die erste Trompete blasen. Die „Musi“ war und blieb mein liebster Verein und ich bin dankbar, so viele warmherzige, nette St. Antoner kennengelernt zu haben. Obwohl die Proben oft mühsam waren, hatten wir aber auch großen Spaß. Direkt vor den Trompeten saßen die Flügelhornspieler. Unter ihnen waren der Landwirt Norbert „Norbertli“ Scalet, Fritz Falch, der später weltweit als Raumplaner tätig war, und Arnold „Noldi“ Schranz, der Bruder von Karl Schranz.

      Ich war ein großer Fan von Noldi, der ein talentierter Bläser war. Und ich war mir auch sicher: Wenn er die Chance gehabt hätte, ein Konservatorium zu besuchen, er wäre einer der führenden Trompeter Europas geworden. Unvergesslich für mich ist der Gräberbesuch an Allerheiligen, den die Musikkapelle begleitete. Zum Gedenken an die vielen Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurde das Lied: „Ich hatt’ einen Kameraden“ intoniert, und Noldi blies das Trompetensolo mit einer Inbrunst, die alle Friedhofsbesucher jedes Jahr tief bewegte. Auch an „s’Norbertli“, den Vater des Mooserwirtes Eugen Scalet, erinnere ich mich noch gut. Er brachte uns mit seinem trockenen Oberländer Humor oft zum Lachen.

      Wir spielten bei Prozessionen und Zeltfesten, gaben Konzerte auf der Planie, und auch zu Weihnachten spielte ich mit einer kleinen Bläsergruppe Weisen an verschiedenen Plätzen in der Gemeinde. Wir waren meistens eine leistungsfähige Kapelle, nur einmal war unser Auftreten beim Musikfest in Lech von Irritationen begleitet. Unsere Fahnenpatin Christl Moosbrugger vom Hotel Post in Lech hatte es zu gut mit uns gemeint und uns vor unserem Konzert im Festzelt zu Bier und Wein eingeladen. Der Alkohol auf nüchternen Magen verfehlte nicht seine Wirkung auf unser Spiel. Es mangelte an der genauen Koordination der einzelnen Instrumente, besonders auffällig war, wie unrhythmisch die Tschinellen am Ende der Musikstücke schlugen. Bei dem in Festzelten üblichen Lärm gingen diese Unstimmigkeiten aber offensichtlich unter. Der Beifall war jedenfalls sehr groß.

      Einmal


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