24 x Weihnachten neu erleben. Oskar König
Dieses Buch ist Teil des Projekts »Weihnachten neu erleben«, ein multimediales Weihnachtsevent in Karlsruhe, bei dem Schauspieler, Tänzer und Live-Musiker zwischen Bühne und Leinwand wechselnd eine ansprechende Geschichte erzählen. Das Ganze findet zugunsten verschiedener Kinder- und Jugendprojekte statt und hat bereits mehrere Zehntausend Menschen in Süddeutschland erreicht.
24-MAL WEIHNACHTEN NEU ERLEBEN
Die meisten von uns haben in ihrem Leben schon mindestens einmal »Stille Post« gespielt. Am Ende einer Runde »Stille Post« werden meist komische Sätze wie zum Beispiel »Anna stiehlt blaue Autos« verkündet, die sehr wenig bis gar nichts mit der ursprünglichen Nachricht zu tun haben. Dafür amüsieren sich die Teilnehmer umso mehr über das skurrile Ergebnis. Und über Anna.
Genauso ist es mit Weihnachten. Die Weihnachtsgeschichte wurde über zahlreiche Generationen, Kulturkreise und Kontinente hinweg weitererzählt. Wichtige Dinge wurden über die Jahrhunderte weggelassen und andere einfach hinzugefügt. Jede Generation feierte ihr eigenes Weihnachtsfest, welches sich von dem Fest der Generation zuvor unterschied. Herausgekommen ist heute ein wirklich unvergleichliches, wunderbares Fest mit viel Kitsch, Lebkuchen und dem ultimativen Weihnachts-Hit »All I Want For Christmas Is You«.
Doch ein Teil der Schönheit und der Relevanz für uns hier und heute ist über die vielen Stationen hinweg verloren gegangen. Wenn wir Weihnachten nur feiern, wie es die Generation vor uns getan hat, können wir die ursprüngliche Schönheit häufig nur noch erraten oder bestenfalls erahnen – genau wie bei der »Stillen Post«.
Was stand denn nun am Anfang von »Anna stiehlt blaue Autos«?
Wir wissen es nicht genau. Wir könnten es nur herausfinden, wenn wir einige Stationen zurückgehen und versuchen würden, möglichst nahe an den Anfang zu kommen.
Genau das möchten wir in diesem Buch mit Ihnen zusammen tun: möglichst nahe an den Anfang herankommen, um zu verstehen, warum wir Weihnachten feiern, wie wir es nun einmal feiern. Denn an Weihnachten gibt es – wie bei der »Stillen Post« – Worte und Geschichten, von denen wir überzeugt sind, dass Sie diese noch nicht kennen. Daher wollen wir versuchen, persönlich und ganz nah an Weihnachten heranzukommen »und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, und die uns der Herr kundgetan hat« (Lukas 2,15b).
Oder anders gesagt: Um uns selbst ein Bild von diesem Fest zu machen. Von dem echten, realen und für uns heute noch relevanten Weihnachten.
Wir verwenden im Laufe dieses Buches einige Zitate aus der Bibel. Die Klammer liest sich »Lukas 2, Vers 15b«, was bedeutet, dass dieses Zitat im Buch Lukas der Bibel, im zweiten Kapitel und im zweiten Teil (b) von Vers 15 steht. Wir sind überzeugt: Diese Erfahrung kann Ihr und unser Leben verändern!
Als sich die Heiligen Drei Könige auf ihre eigene Suche nach Weihnachten machten, »erschien ihnen der Stern und führte sie nach Bethlehem. Er zog ihnen voran und blieb über dem Ort stehen, wo das Kind war« (Matthäus 2,9b). Eigentlich waren es gar keine Könige, sondern Sterndeuter, oder besser gesagt Weisen aus dem Morgenland, aber … Stille Post! Der Stern führte sie also direkt zu Maria und Josef und dem Kindlein im Stroh. Und genau diese ganz persönliche Begegnung mit Weihnachten, dieser einzelne Moment brachte Freude, Staunen und Anbetung in das Leben jener drei Männer.
Unser Gebet ist es, dass dieses Buch für Sie zu solch einem besonderen Stern wird. Dass die nachfolgenden 24 Kapitel, die wie ein Adventskalender gelesen werden können, Sie zu einer persönlichen Begegnung mit Weihnachten führen. Und dass Freude, Staunen und Anbetung in Ihr Leben Einzug halten. Es kann sein, dass Sie davon überzeugt sind, bereits alles über Weihnachten und den christlichen Glauben zu wissen, aber vielleicht sind Freude, Anbetung und Staunen in Ihrem Leben verloren gegangen. Dann wünschen wir Ihnen von Herzen, dass Sie mit diesem Buch Weihnachten neu erleben.
In jedem Kapitel geht es um eines von vier zentralen Weihnachtsthemen. Dazu finden Sie als Orientierung im Inhaltsverzeichnis die folgenden vier Symbole:
TAG 1
Die ganze Geschichte – Von Anfang bis zum Ende
Jede gute Story lebt davon, dass ihre ganze Geschichte erzählt wird – nicht nur ein Teil oder eine einzelne Episode. Wer bei House of Cards, eine amerikanische Netflix-Serie mit insgesamt sechs Staffeln, nur Folge drei in der fünften Staffel gesehen hat, weiß nicht wirklich, wer Frank Underwood ist und was ihn antreibt. Man hat keine Ahnung von seinem langen Weg an die Macht und man kann seine Motive nur erahnen. Wer in seinem Leben nur eine Folge der Lindenstraße, der ältesten deutschen Seifenoper, gesehen hat, weiß nicht wirklich, wer gerade mit wem und warum zusammen ist. Das komplexe Beziehungsgeflecht dieser Serie bleibt bei fast zweitausend Folgen und nach 34 Jahren Sendezeit auch dem cleversten Zuschauer verborgen, wenn er sich nur eine einzelne Folge ansieht.
Das leuchtet uns allen ein. Bei der Weihnachtsgeschichte allerdings denken wir anders. Wir glauben, dass wir mit einem einzigen Kapitel (»Es begab sich aber zu der Zeit …« aus Lukas 2,1a) die ganze Geschichte und ihre Bedeutung erfasst haben. Wir glauben, dass wir alle Beziehungsdimensionen, die in der Weihnachtsgeschichte vorkommen, in einer einzigen Folge erkennen können. Die Sache aber ist die: Wenn wir nur eine Folge kennen, haben wir keine Ahnung von dem langen Weg an die Macht, den das Christuskind gegangen ist (und können seine Motive in dieser einen Episode Weihnachten bestenfalls erahnen). Die Weihnachtsgeschichte wurde von einer Story mit 1 189 Kapiteln in 66 Büchern der Bibel und einer »Sendezeit« von mehreren Tausend Jahren auf wenige, einzelne Sätze und Worte reduziert. Wie bei einem großen »Stille Post«-Spiel sind dabei viele Informationen auf der Strecke geblieben. Deshalb wollen wir uns auf den Weg machen und diese Geschichte von Anfang bis zum Ende erzählen.
Am Anfang
Die Weihnachtsgeschichte ist im Prinzip die Geschichte von Gott und uns Menschen. Dieser Bericht begann jedoch nicht erst vor gut zweitausend Jahren in der einen Nacht in Bethlehem. Nein, der