24 x Weihnachten neu erleben. Oskar König

24 x Weihnachten neu erleben - Oskar König


Скачать книгу
müssen auch wir »dem Kind einen Namen geben«.

      Nur was erwartet uns, wenn wir den Glauben bewusst annehmen?

      Kennen Sie die Geschichte, in der Jesus mit zwölf Jahren bei einer Pilgerfahrt verloren ging? Nach langem Suchen fanden Josef und Maria das Kind wieder, das einfach am Ende der Pilgerreise in Jerusalem zurückgeblieben war. Die Eltern waren fassungslos, als sie ihn dort fanden. Maria fragte: »›Kind! (…) Wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich waren in schrecklicher Sorge. Wir haben dich überall gesucht.‹ ›Warum habt ihr mich gesucht?‹, fragte er (Jesus). ›Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin‹« (Lukas 2,48-49). Über diese Aussage wunderten sich die Eltern noch länger.

      Josef wurde Vater für das Christuskind, mit allem, was eben dazugehörte. Mit der Freude und dem Stolz, es bereitete ihm auch Sorgen, aber sicher auch ebenso viel Freude und Erfüllung. Durch den Mut, sich der Herausforderung des untergeschobenen Kindes zu stellen, wurde Josef Teil einer viel größeren Geschichte. Es war sein Stammbaum, der dem Christuskind zugeschrieben wird.

      Der Glaube ist in der Realität anders, als ihn unsere christliche Tradition so oft versinnbildlicht. Die Heilige Familie war schlussendlich fast eine Patchworkfamilie mit allen Herausforderungen, die das Leben eben so bringt. Und sicherlich auch mit vielen offenen Fragen. So ist auch der christliche Glaube nicht nur die rosige, scheinbar immer friedliche, engel-geschmückte Weihnachtszeit. Er lässt sich auch nicht reduzieren auf einen pflichtbewussten Gottesdienstbesuch und besinnliche Kirchenchorkonzerte. Glauben ist sehr real und direkt und unter Umständen auch unkonventionell. Und auch hier ist es normal, wie Josef viele Fragen zu haben und einiges im ersten Moment nicht zu verstehen. Aber auch uns stellt der Glaube in einen neuen Kontext, lässt uns unseren Platz in Gottes größerem Plan finden.

      Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Wie gehen Sie mit Ihrem untergeschobenen Christuskind um? Wie wäre es, wenn Sie wie Josef reagieren würden? Sie machen es zu Ihrem und lassen sich neu überraschen, was Ihnen da vielleicht auch Wunderbares zugeschoben wurde?

      TAG 3

      Johannes (der Täufer) – Vom Inhalt und der Verpackung

      Dieser Moment, wenn wir ein liebevoll verpacktes Weihnachtsgeschenk auspacken und uns innerlich so sehr über das freuen, was wir uns schon lange gewünscht haben. Wir fühlen es und können schon an der äußeren Form genau erkennen, dass unser Wunsch endlich in Erfüllung geht – doch es ist statt des coolen Trikots des Lieblingsvereins doch wieder ein langweiliger Schlafanzug. Aber jetzt bloß keine Enttäuschung anmerken lassen, wo Oma uns doch so erwartungsvoll anstrahlt.

      Situationen wie diese zeigen uns, wie schnell es passieren kann, dass wir den Inhalt nach dem äußeren Erscheinungsbild beurteilen, und schon meinen wir zu wissen, was sich im Inneren befindet. Während sich bei optisch ansprechenden Dingen unsere positiven Erwartungen steigern lassen (haben Sie schon einmal ein Apple-Produkt ausgepackt?), geht es uns umgekehrt genauso: Stellen Sie sich das einmal vor, ein Bayern-Trikot in Schiesser-Verpackung oder eine Swarovski-Vase im Mixer-Karton. Wir sehen etwas, was uns von außen überhaupt nicht gefällt, und verschließen uns automatisch für das, was sich im Inneren befindet. Das kann bei banalen Dingen wie eben Geschenken der Fall sein, ebenso aber auch bei Menschen und Institutionen: Nichts bleibt vor unserem oft zu voreiligen Urteil verschont.

      Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, haben wir alle schon mehr als einmal eine Person frühzeitig als unsympathisch oder gar »abschreckend« abgestempelt, ohne einen Blick hinter die Kulissen zu werfen – den Inhalt nach der »Verpackung« bewertet. Oder wir haben ein Haus von außen gesehen und den Gedanken nicht einmal erst zugelassen, dass sich hinter der abgenutzten und schäbigen Fassade wunderschöner Wohnraum befinden könnte.

      Wegbereiter mit PR-Problemen

      In den biblischen Berichten über das Leben Jesu finden wir eine Person, auf die dieses Prinzip genau passt: Johannes der Täufer. Ein wahres Paradebeispiel für eine solche Person mit einer »abschreckenden Fassade«, aber umso wertvollerem Inhalt. Johannes galt als der Wegbereiter von Jesus Christus und war somit auch ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, die mit Weihnachten begann. Er war dafür bekannt, dass er vielen einfachen Menschen von Gott und dem kommenden Messias erzählte, die dann ihr Leben veränderten und sich von ihm taufen ließen.

      Es ist erwähnenswert, dass Johannes der Täufer nicht nur ein Wegbereiter, sondern sogar Teil von Jesu Familie war. Johannes’ Mutter Elisabeth war eine Verwandte von Maria, der Mutter von Jesus. Aber nicht allen Menschen ging es so. Die damalige Oberschicht war von seinem Äußeren und der Art der Vermittlung seiner Botschaft irritiert und abgeschreckt, sodass er von diesen Menschen häufig nur als Spinner abgetan wurde und seine Worte keine Relevanz für sie hatten.

      Johannes hatte ein ungewöhnliches Äußeres sowie einen, sagen wir mal, »speziellen« Lebensstil. Er trug ein Gewand aus Kamelhaar an seinem Körper und ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig (vgl. Markus 1,6). Mit unserem bloßen Blick von außen hätten wir ihn wohl auch direkt als »verrückt« und »weltfremd« abgestempelt, ohne ihm weiteres Interesse zu schenken – verwunderlich, dass so einer überhaupt Anhänger hatte.

      Unter den Menschen aus dem »normalen« Volk kam es nicht selten vor, dass er für den angekündigten Messias gehalten wurde, was er mit Sätzen wie dem Folgenden zu widerlegen versuchte: »Bald wird einer kommen, der stärker ist als ich; ich bin nicht einmal wert, sein Diener zu sein« (Markus 1,7).

      Kirche und Glaube

      Besonders im christlichen Kontext werden wir auf der Suche nach »merkwürdigen« Menschen oder irgendwie schrägen Institutionen schnell fündig. Fromme und weltfremde Christen in eingeschlafenen Kirchen auf kalten Kirchenbänken prägen unser heutiges Bild von Kirche, Glaube und Gott. Das tief in uns verankerte, womöglich negativ besetzte Bild von Kirche und teilweise den kirchlich engagierten Menschen bringt uns dazu, unmittelbar von der Verpackung auf den Inhalt zu schließen.

      Und damit nicht genug: Die Kirche hat der Menschheit in ihrer Historie mehr als einmal Material dafür geboten, sich von ihr abzuwenden. Seit mittlerweile einem Jahrzehnt ist das Thema »Kindesmissbrauch in der Kirche« nicht mehr aus der Öffentlichkeit wegzudenken. Für viele war dies verständlicherweise ein Totschlagargument, der Kirche und somit dem christlichen Glauben ganz den Rücken zu kehren.

      An dieser Stelle gibt es nichts zu beschönigen!

      Die christlichen Kirchen haben dadurch häufig einen schwierigen Stand in der Gesellschaft. Es wurden von Kirchenvertretern unverzeihliche Fehler gemacht, die bedauerlicherweise für immer Teil unserer Menschheitsgeschichte bleiben werden. Das Tragische daran ist, dass für viele die Kirche und der Glaube an Gott unweigerlich zusammengehören. Sie verwechseln Gott mit Kirche und verlassen beides.

      Wir sind der festen Überzeugung, dass es Gott unheimlich schmerzt, was für Dinge viele Menschen und Kirchen aus vermeintlich christlicher Motivation taten und noch heute tun. Dinge, die Gottes Absichten komplett verdrehen und falsche Zeichen setzen.

      Bitte auspacken!

      Erkennen Sie sich darin wieder? Ist Ihr bisheriges Bild vom Glauben auch so sehr geprägt von Kirche und ihren Mitgliedern, dass Sie mit Gott nicht viel oder sogar gar nichts anfangen können?

      Wir möchten Sie dazu ermutigen, eine neue Perspektive einzunehmen, Ihren Blick wegzulenken von der Verpackung hin zum Inhalt und ihm eine zweite Chance zu geben. Weg vom Mixer-Karton, hin zur Swarovski-Vase.

      Johannes war einer dieser »verrückten« und äußerlich abschreckenden Menschen, die Gott dennoch als wichtigen Teil in seinen großen Plan einbezog. Genau diesen Mann, den heuschreckenessenden Mann in Kamelhaar, wählte Gott als Wegbereiter für Jesus Christus. Warum? Weil Gott das aufrichtige Herz dieses Mannes sah und sich nicht von seinem gewöhnungsbedürftigen Kleidungsstil oder den schrägen Essgewohnheiten abschrecken ließ. Dass Gott Menschen in seine Pläne einbezieht, die nach menschlichen Kriterien nicht


Скачать книгу