Soziale Arbeit studieren. Rudolf Bieker
begründet die Ziele, beschreibt das Vorgehen und dokumentiert die Ergebnisse eines im Studium durchgeführten Praxis-Projektes (
• Praxisbericht: Das Studium der Sozialen Arbeit sieht regelmäßig eine oder zwei Praxisphasen vor, deren Verlauf und Lernergebnisse in einem Bericht zu dokumentieren sind. Im Kern geht es dabei um die reflektierende, kritisch distanzierte Beschreibung und Diskussion von Beobachtungen und Erfahrungen, die die Studierenden in ihrer Auseinandersetzung mit berufstypischen Aufgaben gemacht haben. Beobachtung setzt Kriterien voraus, die sich aus fachwissenschaftlichen Diskursen und Theorien ableiten lassen (»Klientenorientierung«, »Wirksamkeit«, »Ganzheitlichkeit« etc.). Oft geben die Fachbereiche Leitfäden heraus, die die systematische Aufarbeitung eines Praktikums unterstützen.
• Thesenpapier: Ein Thesenpapier steht oft in Verbindung mit einem → Seminarvortrag (
Beispiele
»Das Ziel ›Drogenabstinenz‹ stellt bei Schwerstabhängigen kein erreichbares Therapieziel dar.«
»Der Zustand des örtlichen Hilfesystems für psychisch Kranke weist erhebliche Lücken und Verwerfungen auf (mangelnde Koordination, Trägeregoismen, ineffiziente Parallelstrukturen).«
Erkennbar muss sein, ob es sich um die Wiedergabe fremder Gedanken und Erkenntnisse handelt (z. B. von Forschungsergebnissen, Lehrmeinungen) oder um Auffassungen und Argumente der Autor*innen. Fremdes Gedankengut ist auch in einem Thesenpapier belegpflichtig (
Ein Thesenpapier kann auch die wichtigsten Erkenntnisse aus der Lektüre eines fremden Textes zusammenfassen und aus Sicht der Verfasser*innen des Thesenpapiers zugespitzt kommentieren. Zweck der Zuspitzung ist es, die Seminarteilnehmer*innen argumentativ herauszufordern und eine lebendige Diskussion im → Seminar zu fördern. Der Zweck eines Thesenpapiers kann daher deutlich über die Funktion einer nüchternen Zusammenfassung von Vortrags- oder Textinhalten hinausgehen.
Da das Thesenpapier an die Zuhörer*innen verteilt wird, stellt es immer auch ein Handout dar. Umgekehrt entspricht aber nicht jedes Handout einem Thesenpapier (zum Handout bei einem → Seminarvortrag
• Lernportfolio: Ein Lernportfolio (Lernmappe) enthält eine Zusammenstellung ausgewählter Leistungen und Beiträge, die in einer Lehrveranstaltung, einem Modul oder im Laufe des gesamten Studiums weitgehend eigenverantwortlich angefertigt worden sind (schriftliche Arbeiten, Präsentationen, Thesenpapiere, Rechercheergebnisse etc.). Die in das Portfolio aufgenommenen Dokumente spiegeln in der Gesamtschau die eigene Lernentwicklung in einem bestimmten Zeitraum wider. Noch mehr dient das Lernportfolio aber einem weiteren Zweck: Die eigenen Arbeitsprodukte und den Lernprozess kontinuierlich schriftlich zu reflektieren (Selbstreflexion) und das eigene Können auf der Grundlage dieser Selbst- und ergänzender Fremd-Bewertungen kontinuierlich weiterzuentwickeln (selbstgesteuertes Lernen).
• Seminarprotokoll: Das Seminarprotokoll dient nicht nur als Schreibübung und Vorbereitung auf berufliche Dokumentationsaufgaben (z. B. Protokollierung von Fall- und Dienstbesprechungen), sondern es erfüllt auch innerhalb einer Lehrveranstaltung wichtige Funktionen: als Teil einer zu bewertenden Gesamtleistung, zur Rekapitulation einer Sitzung, als Unterlage für die Prüfungsvorbereitung, als Ersatz für eine versäumte Sitzung.
Zu unterscheiden sind Verlaufs- und Ergebnisprotokolle. Verlaufsprotokolle stellen keine stenografischen Berichte dar, sondern dokumentieren die wichtigsten Etappen der Diskussion unter Benennung der in der Hauptsache vertretenden Auffassungen und Gegenauffassungen. Das Ergebnisprotokoll beschränkt sich dagegen auf eine Zusammenfassung wichtiger Erkenntnisse aus der Seminardiskussion. Für das Rekapitulieren und Nachholen von Lernstoff ist ein reines Ergebnisprotokoll wenig ergiebig. In jedem Falle sollten aus dem Ergebnisprotokoll die wichtigsten Gedanken und Argumente, die zu den festgehaltenen Ergebnissen geführt haben, dargestellt werden (sog. erweitertes Ergebnisprotokoll).
• Abschlussarbeit: In der Bachelorarbeit sollen Studierende zeigen, dass sie fähig sind, »innerhalb einer vorgegebenen Frist eine praxisorientierte Aufgabe aus […] [ihrem, d. Verf.] Fachgebiet sowohl in ihren fachlichen als auch in den fachübergreifenden Zusammenhängen nach wissenschaftlichen und anwendungsorientierten Methoden selbstständig zu bearbeiten« (§ 26 Prüfungsordnung für den BA-Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Niederrhein). In der Masterarbeit steht deutlicher die Auseinandersetzung mit Theorie und das eigene Forschen im Vordergrund. In der Regel hat die im internationalen Sprachgebrauch auch »Thesis« genannte Bachelor- und Masterarbeit einen Umfang von ca. 50–80 Seiten.
Wie man eine schriftliche Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit erstellt, erfahren Sie in Kapitel C (
Generell gilt: Die Anforderungen, die im Einzelnen an die dargestellten schriftlichen Leistungen gestellt werden, können von Hochschule zu Hochschule und von Dozentin zu Dozent variieren und sollten deshalb vor Beginn der Arbeit geklärt werden.
3.4 E-Learning-Angebote
Auf dem Vormarsch sind elektronische Lernangebote, die unter dem Begriff E-Learning zusammengefasst werden. E-Learning bezeichnet das mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützte Lernen. Gemeint ist der Einsatz von PC, elektronischen Medien wie DVD und die Nutzung des Internet (Heister 2009, 124 ff.). Beim elektronischen Lernen spielt die Selbststeuerung des Lernvorgangs durch den Lernenden eine wichtige Rolle. Die Anwendungsformen des E-Learning sind vielfältig.
Einige Beispiele
• Studierende begeben sich von zuhause aus zu vereinbarter Zeit per Internet in einen virtuellen Hörsaal, in welchem sie ihre Lehrperson in Ton und Bild antreffen. Dabei können → Lehrende und Studierende unmittelbar miteinander kommunizieren und Dateien austauschen (Live-Online-Kurs). Um als Student*in an einer solchen Lehrveranstaltung teilzunehmen, braucht man nichts weiter als einen PC, Kopfhörer mit Mikrofon und einen Internetzugang.
• Lernmaterialien (Kursmodule, Wissensbausteine, pdf-Dokumente, zu bearbeitende Aufgaben etc.) werden auf einer Lernplattform abgelegt. Von dort können Sie durch den Studierenden abgerufen und bearbeitet werden. Gleichzeitig ist ein Austausch der Teilnehmer*innen über Diskussionsforen möglich.
• Lernangebote (Texte, Fallbeispiele, Aufgaben etc.) werden per E-Mail verschickt. Mittels eines Forums im Internet können die Teilnehmer*innen miteinander kommunizieren und ggf. eine Prüfung ablegen.
• Lehrende, Studierende und ehemalige Studierende bilden eine Learning Community, also ein elektronisches Netzwerk, in dem gemeinsam interessierende wissenschaftliche oder praktische Fragegestellungen diskutiert, Problemlösungsansätze angeboten, aktuelle Informationen zur Verfügung gestellt und Arbeitsergebnisse veröffentlicht werden.
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