Love – Konsequent scheitern (Band 2). Ellen M. Zitzmann

Love – Konsequent scheitern (Band 2) - Ellen M. Zitzmann


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Jeanshose mit den ausgestellten Beinen jugendlich burschikos präsentierte.

      „Ja, so scheint es zu sein. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Frauen bevorzugt nach oben heiraten“, ergriff Manuel das Wort und verwies darauf, dass das in erster Linie auf Männer mit einem höheren beruflichen und gesellschaftlichen Status – Männer mit Geld – zutreffen würde. „Damit hatte ich es schon oft zu tun, ähm, mit Frauen, die meinen beruflichen Status mehr liebten als mich, was mich, ehrlich gesagt, ziemlich anwiderte. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie arme, statuslose Männer, denen die Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern erschwert oder gar verwehrt wird, unter diesen Voraussetzungen noch an eine kluge Frau kommen sollen? Die Eroberung eines adäquaten weiblichen Partners wird beileibe nicht einfacher werden für uns Männer.“

      „Setzen wir uns doch an den Kamin“, schlug Clarissa vor, köpfte eine Flasche, goss den Rotwein in einen Steinkrug und setzte sich in Bewegung. Im Wohnzimmer stellte sie den Krug auf einen kleinen Beistelltisch. Dann ließ sie sich mit einem leichten Seufzer in den bequemen Ohrensessel fallen und bat Giulia, ihr ein Glas einzugießen. „Ich muss ein paar Minuten chillen“, sagte sie und schloss die Augen.

      „Kann mir im Moment nichts Schöneres vorstellen, als mit drei klugen Frauen vor einem offenen Kamin herumzuhängen“, flachste Manuel, legte einen Anzünder in die Mitte des Brennraums, schichtete kleine Holzspäne und immer dickere Scheite darüber. Mit einem langen Streichholz zündete Giulia den Anzünder an, schloss die Sichtklappe und stellte eine Wasserschüssel auf den Kamin. Sie setzte sich neben Mara aufs Sofa. Manuel stand vor dem Kamin, eine Hand in der Jeanshose, in der anderen das Glas Rotwein, das ihm Mara eingeschenkt hatte. Andächtig beobachtete er den Flug der springenden Funken, schob regelmäßig neue Holzscheite in den Kamin, bis die Flammen emporloderten.

      Giulia schloss ebenfalls die Augen und hörte Maras wohlklingender Stimme zu: „Wenn nun in modernen Gesellschaften immer mehr Frauen alleine leben und nicht mehr heiraten wollen, auf der anderen Seite junge Männer immer häufiger ohne Frauen auskommen müssen, werden die Veränderungen unser aller Leben betreffen.“

      Giulia öffnete ihre Augen und wandte sich Mara zu: „Probier den Wein. Der ist sehr intensiv.“ Sie stand auf, nahm den Krug und füllte Maras Glas, ehe sie sich selbst einschenken konnte. Beide gesellten sich zu Manuel und Clarissa, die inzwischen auch vor dem Kamin stand.

      „Parallel dazu finden noch ganz andere gesellschaftliche Entwicklungen statt“, warf Clarissa nachdenklich in die Runde, „weil Frauen sich weltweit immer mehr verweigern, in traditionelle Rollen zu schlüpfen. Männern kommen somit nicht nur Frauen als potenzielle Ehe- und Geschlechtspartnerinnen abhanden, sondern auch Partnerinnen in der Rolle von kostenlosen Dienstleistern für Haus- und Putzarbeiten im Eigenheim oder in der Wohnung.“

      „Ähm, die dann nicht einmal das Katzenfutter finden, wenn die Frau weg ist.“

      Manuel zwinkerte Clarissa zu, wohl wissend, was sie damit meinte, goss Wein in ihr Glas bis es randvoll war und setzte den Krug wieder schwungvoll ab. Als alle ein volles Glas in der Hand hielten, hob Manuel seins und blickte in die Runde: „Also dann, noch einen Toast“, sagte er feierlich, worauf ihn die Frauen erwartungsvoll anschauten. „Meine Lieben. Ich möchte mich bei euch bedanken: für inspirierende Gespräche und entspannende Tage, die ich mit euch verbringen durfte. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich mit drei blitzgescheiten Frauen so wacker schlagen würde. Um ein weiteres Mal habe ich gelernt, dass ein Mann gut beraten ist, mit Frauen zu verhandeln, und dass er sich persönlich weiterentwickeln muss, um sich überhaupt mit unabhängigen Frauen auf Augenhöhe entspannt einlassen zu können. Wir Männer sollten wirklich lernen, über unsere Gefühle zu sprechen. Und was den weltweiten Frauenmangel angeht, ähm …”, Manuel nahm einen großen Schluck, „… noch muss man abwarten, ob sich das Phänomen in der westlichen Welt stark ausbreitet.“ Manuel sprühte vor Ideen und Witz und brach, nach einem kurzen Augenblick der Stille, erneut in schallendes Gelächter aus. Er zeigte sich in bester Trinklaune: „Für mich ist die Liebe eine Reise, in der man durch bestimmte Phasen miteinander geht, man sich jederzeit aber wieder trennen kann. Auf die Verliebtheitsphase folgt die Phase der Ernüchterung. In dieser können Beziehungen leicht aus dem Gleichgewicht geraten, da das Risiko, sich selbst und den anderen zu verletzen, groß ist. Schließlich kommt es in der Kampf- und Entscheidungsphase zu Machtkämpfen, infolgedessen zu Enttäuschungen und Ängsten vor Ablehnung, zu Eifersucht und Wut. Schlussmach-Profis beenden jetzt eine Beziehung, Aushalter finden sich damit ab, passen sich an oder suchen nach Aufmerksamkeit und Liebe außerhalb der bestehenden Verbindung.“

      „Woher weißt du das?“, fragte Clarissa misstrauisch, stellte ihr halb volles Glas auf den Kamin und verschränkte ihre Arme.

      „Habe das irgendwo gelesen. Weiß nicht mehr, wo. Die Informationen fand ich aber komprimiert genug, um sie mir zu merken.“ Mit einem verschmitzten Grinsen eröffnete Manuel den Frauen freimütig, dass er noch nie über die Kampf- und Entscheidungsphase in einer Beziehung hinausgekommen sei, auch nicht mit seiner Ex-Frau. Er sei aber gewiss kein Schlussmach-Profi, würde sich aber wie jeder Mensch, Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit in einer Beziehung wünschen.

      „Die Beziehungsphasen folgen nicht linear aufeinander und auch nicht zwingend hintereinander“, ergänzte Mara und räumte ein, sich damit auch schon auseinandergesetzt zu haben: „Die Phasen überlappen sich, greifen ineinander, können übersprungen werden. Man kann auch in eine schon durchlebte Phase zurückfallen und sich nach Jahren in denselben Partner verlieben.“ Sie führte aus, dass es von den beteiligten Partnern abhängen würde, wie lange die einzelnen Phasen andauern, wie sie in Krisenzeiten miteinander umgehen und ihre Konflikte lösen würden. Da keine Liebesbeziehung der anderen gleichen würde, und jede neue Liebesbeziehung wieder ganz anders laufen könne. Deshalb sei es sinnvoll, dass sich die Partner kontinuierlich hinterfragen: In welcher Phase befinden wir uns? Was wünscht sich der andere? Was wünsche ich? Wo stehe ich? Wo steht der andere? Wie gehe ich damit um, wenn mein Partner oder meine Partnerin noch nicht so weit ist, das gar nicht will? Es sei auch wichtig, sich offen, ehrlich und respektvoll zu begegnen. Dabei helfe das Wissen, dass Streit für eine Beziehung sowohl gewinnbringend als auch zerstörend sein kann. Letzteres würde zutreffen, wenn dem anderen eigene Wünsche und Bedürfnisse aufgezwungen, man der Beziehung weder Zeit noch Raum für die Entwicklung lassen und die eigene Ausgeglichenheit, das Gefühl für sich und sein eigenes Leben verlieren würde.

      „Das sind hoffnungsvolle Worte, Mara. Wobei sich mir bei deinen Ausführungen die Frage nach der Praxis stellt. Klar, die Partner können sich neu begegnen. Doch Wut- und Eifersuchtsgeschichten sind sehr belastend. Therapien sind auch nicht das Gelbe vom Ei“, brachte Giulia ein, sah Manuel an und überließ ihm das Schlusswort: „Auf die Liebe. Und dass wir sie jemals begreifen mögen.“

      Eifrig erhoben sie ihre Gläser und beschlossen, sich auf der Finca wiederzutreffen. Mit strahlenden Augen verkündete Mara: „Wie ihr wisst, werde ich wieder heiraten. Zur Abwechslung eine Frau. Zur Hochzeit seid ihr herzlich eingeladen.“ Mara sah zuerst Manuel an, dann Clarissa und Giulia. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, das so viel Sympathie ausstrahlte, sodass ihr alle nacheinander um den Hals fielen.

      Nachdem sie sich zugeprostet hatten, entstand ein Moment der Stille. Und Giulia hätte nicht sagen können, warum sie danach wieder auf die Beziehungsphasen zu sprechen kam. Vielleicht war es die etwas wehmütige und feierliche Stimmung vor dem offenen Kaminfeuer. Vielleicht war es ihre tief sitzende Enttäuschung mit Alex.

      „Alex und ich kamen nicht über die Kampf- und Entscheidungsphase hinaus. Ständig taumelten wir zwischen Verliebtheit, Kampf und Frustration hin und her – ohne Chance auf Entwicklung, auf Verlässlichkeit, auf Sicherheit. Mit seinen Wutausbrüchen, seiner Geheimnistuerei musste ich allein fertig werden.“ Giulia atmete tief und gleichmäßig, als sie das den Freunden ehrlich offenbarte.

      „Mit Linda bin ich todsicher in der Verliebtheitsphase“, reflektierte Mara, „obschon viele Momente von Geborgenheit und Vertrauen zwischen uns sind.“ Sie blickte sich um und sagte, dass sie auf schwierige Phasen eingestellt sei, sie aber keine Angst davor hätte und sich vor der Verantwortung auch nicht scheuen würde.

      Am Ende der Diskussion waren sich dann


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