Gleichheit oder Freiheit?. Von Kuehnelt-Leddihn Erik
als durch das Universum selbst, mit dem sie den Kampf begonnen; und aus solchen Bemerkungen mag wohl jener sonderbare, aber ungeheure Spruch entstanden sein: Nemo contra deum nisi deus ipse.«174
Der Hinweis auf die Massen, die sich von diesen Führern angezogen fühlen, während intelligentere Menschen sie ablehnen, ist höchst bezeichnend. Besonders gefährlich ist aber der Einfluß dieser vom Dämonischen getriebenen Führer, wenn sie, um einen Ausdruck de Tocquevilles zu benützen, fausses idées claires verkünden. Das Resultat ist dann nur zu oft Irving Babbitts efficient megalomaniac, der darauf ausgeht, to improve the mystery of murder. All dies haben wir in der jüngsten Vergangenheit nur zu deutlich miterlebt.
5.Der Leviathan
Viele Denker des 19. Jahrhunderts fürchteten eine ganz konkrete Gefahr für die Person und die Persönlichkeit, und zwar nicht nur durch die Dialektik der politischen Entwicklungen, sondern auch durch einen ganz bestimmten Faktor: die Bedrohung durch den stets wachsenden Staat. Der lügenhaften Gleichsetzung von Staat und Volk175, von Staat und Nation verdankte Nietzsche die Eingebung zu diesen unvergänglichen Zeilen:
»Also sprach Zarathustra:
Staat, was ist das? Wohlan, jetzt tut mir die Ohren auf: denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.
Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch, und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: Ich, der Staat, bin das Volk!
Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick an Sitten und Rechten.«176
Im Gegensatz zu Nietzsches Staat nannte Mjereshkowskij die Kirche das »brennendste aller Wunder« und deutete auf eine schicksalhafte Krise hin, die sich notgedrungen aus dieser Antithese ergeben mußte177. Andere Autoren haben diese Ansicht wiederholt geteilt178. Es ist selbstverständich, daß diese Kampfstellung in einem evangelischen Lande, in dem der lutheranische Begriff eines auf die allumfassende Schlechtigkeit des Menschen gegründeten Staates vorherrscht, andere Formen annimmt als im Bannkreis der ›Alten Kirche‹179.
Um aber jeglichen Widerstand zu brechen und die Arbeit der totalitären Staatsmaschine zu erleichtern, wurde es bald notwendig, die Zentralisierung energischer zu betreiben. Diese »Vorbereitungen« gehören allerdings noch dem vortyrannischen Stadium an. Immerhin ist die Zentralisierung am besten geeignet, die Einheitlichkeit und die Gleichmacherei zu fördern und die »prompte« Ausführung von Regierungsverordnungen durchzuführen. Dabei aber darf man nicht vergessen, daß der Zentralismus der ganzen christlichen Tradition mit ihrer libertären und personalistischen Einstellung zutiefst entgegengesetzt ist. Constantin Frantz, der bismarckfeindliche Ideologe des deutschen Föderalismus, erklärte schon im vorigen Jahrhundert, der Föderalismus sei »gar nichts anderes als die der Welt zugewandte Seite der christlichen Entwicklung«180.
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