40 Tage mit Dietrich Bonhoeffer. Sandro Göpfert

40 Tage mit Dietrich Bonhoeffer - Sandro Göpfert


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Dass sein Engagement im Widerstand gegen Hitler geistliche Ursachen und Quellen besaß, ist vielen unbekannt.

      Pfarrer Sandro Göpfert hat sich bereits in seinem Theologiestudium mit dem spirituellen Bonhoeffer beschäftigt. Ich erinnere mich noch gut an seine Examensarbeit über dessen Meditationsverständnis. Das vorliegende Buch von Göpfert ist aus jahrelanger Lektüre der Texte Bonhoeffers erwachsen, vor allem der Bücher „Schöpfung und Fall“, „Nachfolge“, „Gemeinsames Leben“ und „Das Gebetbuch der Bibel“. Alle vier Bücher sind in den letzten Jahren in gebundenen, schön gestalteten Ausgaben im Brunnen Verlag erschienen. Bonhoeffer hat in ihnen Rechenschaft gegeben, wie christlicher Glaube vom einzelnen Christen inmitten der Gemeinde unter den Bedingungen einer Diktatur gelebt werden kann.

      Das Buch Göpferts leitet dazu an, sich mit den geistlichen Einsichten Dietrich Bonhoeffers auseinanderzusetzen, die bis heute herausfordern. Man muss sie wie guten Wein „verkosten“, um so richtig auf ihren Geschmack zu kommen. Der Autor hat dazu Texte Bonhoeffers zu vierzig Begriffen von „Gemeinschaft“ bis „Abschied“ herausgesucht. Auf Bonhoeffers Text folgt jeweils ein passender biblischer Bezugstext, dann ein erläuternder Kommentar, Fragen zur Vertiefung und schließlich Anregungen zum Gebet. Auf diese Weise ist ein Meditationsbuch für einen Zeitraum von vierzig Tagen entstanden. Wer sich darauf einlässt, geht bei Bonhoeffer in die Schule, um mit ihm gemeinsam Jesus nachzufolgen.

       Leipzig, im November 2017 Peter Zimmerling

      Einleitung

      Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), evangelischer Pfarrer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, ist einer der großen Propheten unserer Zeit. Wenn man sich mit dem beschäftigt, was er gesagt oder geschrieben hat, dann hat man unweigerlich den Eindruck, dass er vieles in der Tiefe gesehen und ausgesprochen hat, was auch heute wegweisend ist für unser persönliches Leben und den Weg der Kirche.

      Dabei ist die Lektüre Bonhoeffers keine leichte Kost. Zum einen ist das, was er schreibt, stilistisch manchmal nicht ganz einfach zu fassen. Trotz der vorgenommenen Textauswahl wird man vermutlich manches mehr als einmal lesen müssen, um zu verstehen, was gemeint ist. Zum anderen sind seine Gedanken auch inhaltlich oft sperrig oder unbequem. Sie fordern uns heraus. Wenn wir in sie eintauchen, dann finden wir nicht nur ein paar nette Sätze, die uns guttun, sondern auch vieles, woran man kräftig zu beißen hat. Meine Erfahrung ist aber, dass es sich lohnt, Bonhoeffer zu lesen und länger über das Gelesene nachzudenken.

      Das vorliegende Büchlein will Ihnen dabei helfen, seine Worte im Zusammenhang mit entsprechenden Bibeltexten zu meditieren.

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      Lesen Sie den Bonhoeffer-Text, am besten mehrmals.

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      Der kurze Bibeltext vertieft das von Bonhoeffer Gesagte.

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      Gönnen Sie sich anschließend eine Zeit der Stille, um die gelesenen Texte auf sich wirken zu lassen. Wo sind sie im Bonhoeffer-Text „hängen“ geblieben? Was hat Sie angesprochen? Was liegt Ihnen „quer im Magen“? Wo verstehen Sie etwas nicht? Wo haben Sie den Eindruck, dass Gott Ihnen persönlich etwas sagen möchte? Vielleicht möchten Sie ja Ihre Gedanken auch schriftlich festhalten.

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      Die begleitende Erläuterung soll Ihnen dann dabei helfen, die jeweiligen Texte im Kontext von Bonhoeffers Zeit und Leben besser zu verstehen.

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      Anschließende Fragen laden zum Weiterdenken ein.

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      Anregungen zum Gebet beenden dann jede Tageseinheit und laden zu einer eigenen Gebetszeit ein.

      Wenn Ihnen das Leben und das Werk von Dietrich Bonhoeffer noch nicht so vertraut sind, können Sie auf der Website des Brunnen Verlages zwei Aufsätze von Peter Zimmerling herunterladen: Dietrich Bonhoeffer – Leben und Werk, der einen kurzen Überblick über das Leben Bonhoeffers gibt, und Stationen auf dem Weg zur Freiheit: Dietrich Bonhoeffers Werk, der Sie in das theologische und literarische Lebenswerk Bonhoeffers einführt. Die Links bzw. QR-Codes für Ihr Tablet oder Smartphone finden Sie im Impressum dieses Buchs.

      Die Zuspitzung auf das persönliche Glaubensleben soll nicht verdecken, dass Bonhoeffer gewiss kein Freund von religiösem Individualismus war. Er hat stattdessen immer den Glauben in der Gemeinschaft der Kirche betont. Gerade dies scheint mir für unsere postmoderne Zeit wichtig und wegweisend zu sein.

      Mit der Veröffentlichung dieses Buches ist die Hoffnung verbunden, dass es Interesse weckt und Lust macht, sich auch weiter mit Bonhoeffer und seinen wegweisenden Gedanken zu beschäftigen. Die vom Brunnen Verlag neu herausgegebenen Bonhoeffer-Bücher „Schöpfung und Fall“, „Nachfolge“, „Gemeinsames Leben“ und „Das Gebetbuch der Bibel“ laden dazu förmlich ein. Auf diese vier Werke, die zwischen 1933 und 1940 erschienen sind, bezieht sich auch ein großer Teil der ausgewählten Texte. Dazu kommen bekanntere Passagen aus „Widerstand und Ergebung“, seinen Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft.

      Ich danke den Mitarbeitern des Brunnen Verlages, namentlich dem theologischen Lektor Herrn Uwe Bertelmann, für die Initiative und alle Unterstützung, die zum Erscheinen dieses Buches beigetragen haben.

      Ich widme es in großer Dankbarkeit für alle geistliche Weggemeinschaft und Ermutigung den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ev.-Luth. Kirchgemeinden Mülsen und Burgstädt.

      Tag 1

       Christ sein

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      „Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein. Er weiß, Gottes Wort in Jesus Christus spricht ihn schuldig, auch wenn er nichts von eigener Schuld spürt, und Gottes Wort in Jesus Christus spricht ihn frei und gerecht, auch wenn er nichts von eigener Gerechtigkeit fühlt. Der Christ lebt nicht mehr aus sich selbst, aus seiner eigenen Anklage und seiner eigenen Rechtfertigung, sondern aus Gottes Anklage und Gottes Rechtfertigung. Er lebt ganz aus Gottes Wort über ihn, in der gläubigen Unterwerfung unter Gottes Urteil, ob es ihn schuldig oder ob es ihn gerecht spricht. […] Der Christ lebt ganz von der Wahrheit des Wortes Gottes in Jesus Christus. Wird er gefragt: Wo ist dein Heil, deine Seligkeit, deine Gerechtigkeit?, so kann er niemals auf sich selbst zeigen, sondern er weist auf das Wort Gottes in Jesus Christus, das ihm Heil, Seligkeit, Gerechtigkeit zuspricht. Nach diesem Worte hält er Ausschau, wo er nur kann. […] Nur von außen kann es kommen. In sich selbst ist er arm und tot. “

       (Gemeinsames Leben S. 33f – DBW 5,18f)

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      „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“ (Gal 2,20)

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      Wer ist ein Christ? Was macht einen Menschen zum Christen? Ist es die Taufe, das Zahlen von Kirchensteuer oder Mitgliedsbeitrag, der Versuch eines moralisch anständigen Lebens, der regelmäßige Besuch von Gottesdiensten, das Ja zu bestimmten Überzeugungen? Diese Dinge mögen alle wichtig sein. Entscheidend ist aber, dass ein Christ „außer


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