40 Tage mit Dietrich Bonhoeffer. Sandro Göpfert

40 Tage mit Dietrich Bonhoeffer - Sandro Göpfert


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      »Ich danke für Jesus, der uns als Mittler mit Gott verbindet und uns vorangeht.

      »Ich danke dafür, dass Glaube nichts Statisches, sondern etwas sehr Dynamisches ist.

      »Ich bitte, dass wir als Kinder Gottes erkennen, wohin uns der Sohn Gottes ruft.

      »Ich bitte um Mut und Vertrauen, Jesus ehrlich zu fragen: „Was soll ich für dich bzw. mit dir gemeinsam tun?“ Ich bitte um Aufmerksamkeit, seine Stimme zu hören.

      »Ich bitte, dass Jesus mich in konkreten Situationen in Bewegung setzt und führt.

      Tag 5

       Heiliger Geist

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      „Die Gabe der Taufe ist der Heilige Geist. Der Heilige Geist aber ist der in den Herzen der Gläubigen wohnende Christus selbst. Die Getauften sind das Haus, in dem der Heilige Geist Wohnung gemacht hat. Der Heilige Geist gewährt uns die bleibende Gegenwart Jesu Christi und seine Gemeinschaft. Er gibt uns rechte Erkenntnis seines Wesens und seines Willens, er lehrt und erinnert uns an alles, was Christus uns gesagt hat, er leitet uns in alle Wahrheit, dass es uns an Erkenntnis Christi nicht mangelt, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Nicht Ungewissheit, sondern Gewissheit und Klarheit schafft der Heilige Geist in uns. Darum können wir im Geist wandeln und gewisse Tritte tun. Das Maß der Gewissheit, das die Jünger Jesu in seiner irdischen Gemeinschaft hatten, hat Jesus den Seinen nach seinem Hingang nicht genommen. Durch die Sendung des Heiligen Geistes in die Herzen der Getauften wird die Gewissheit der Erkenntnis Jesu nicht nur erhalten, sondern durch die Nähe der Gemeinschaft noch gestärkt und gefestigt.“

       (Nachfolge S. 226f – DBW 4,223f)

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      „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. […] Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14,16-17.26)

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      In das Kapitel über die Taufe in seinem Buch „Nachfolge“ hat Bonhoeffer eine kleine Theologie des Heiligen Geistes eingebaut. Auf knappem Raum beschreibt und belegt er mit zahlreichen Verweisen auf die entsprechenden Bibelstellen, wer der Heilige Geist ist und was er bewirkt. Ausgehend vom Ereignis der Taufe verdeutlicht er damit, dass Christsein nichts Statisches, sondern etwas zutiefst Dynamisches ist. Der Glaubende lebt in und aus der Gegenwart Jesu Christi.

      Der Geist hilft, dass sich die mit der Taufe geschenkte Verbindung zu Jesus Christus im Leben eines Menschen entfaltet. Christus wohnt durch den Heiligen Geist in uns wie in einem Haus. Er stiftet Gemeinschaft, gibt Erkenntnis, lehrt und erinnert an Jesu Worte, zeigt die Wahrheit auf und leitet in konkreten Situationen. Bemerkenswert ist vor allem, dass der Heilige Geist Gewissheit und Klarheit im Leben eines Jesus-Nachfolgers schafft. Auch das kann man dynamisch verstehen: Wenn Nachfolge bedeutet, hinter Jesus herzugehen und zu erspüren, was er mir heute sagen und wohin er mich lenken will, dann können das ja auch neue, ungeahnte, kreative und nicht zuletzt unsichere Wege sein. Wenn dann Gottes Geist unter dem Einfluss von Gottes Wort in eine bestimmte Lebenssituation hineinwirkt, dann kann das eine – oft genug überraschende – Helligkeit und Ruhe in einem Menschen auslösen. Die Reformatoren haben dabei klug zwischen Gewissheit (certitudo) und Sicherheit (securitas) unterschieden. Ein Leben im Glauben unter der Führung des Heiligen Geistes schafft keine Sicherheit, die ich aus mir selbst oder aus den äußeren Umständen ableiten könnte. Sie bleibt oft genug angefochten durch die Schwierigkeiten des Alltags. Aber gebunden an Jesus Christus und in seiner Gegenwart wird sich eine ganz getroste Gewissheit einstellen. Die steht dem in nichts nach, wie die Jünger Jesu vor 2.000 Jahren leibhaftig und sichtbar seine Gemeinschaft und Gegenwart erlebt haben. Auch sie sind durch Krisen gegangen, haben vieles nicht verstanden, oft gezweifelt und versagt. Letztlich brachte sie nicht ihr großer Glaube ans Ziel, sondern der große Gott, der ihren kleinen Glauben durch seinen Geist immer wieder gestärkt hat.

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      »Bin ich mir bewusst, dass ich einen „Mitbewohner“ habe, wenn ich Christ bin?

      »Wie erlebe ich die Führung des Heiligen Geistes in meinem Leben? Habe ich sein heilsames Wirken, seine Gegenwart schon einmal gespürt? Wie war das?

      »Was hilft mir dabei, den Impulsen des Geistes Gottes zu folgen? Was lenkt mich ab; was hindert mich? Wie können wir als Gemeinschaft auf ihn hören?

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      »Ich danke, dass Gottes Geist in mir Wohnung nehmen will bzw. genommen hat.

      »Ich bitte um seine Führung in meinem Leben, um Trost, Erkenntnis, Weisung …

      »Ich bitte um Offenheit und Hörbereitschaft auf das, was der Heilige Geist sagt.

      »Ich bitte um Klarheit und Gewissheit in schwierigen Entscheidungssituationen – für andere, für mich persönlich, aber auch für unsere Familie, Gemeinde …

      Tag 6

       Gottes Wort

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      „Gottes Wort sucht Gemeinde, um sie anzunehmen. Es ist wesentlich in der Gemeinde. Es geht von selbst in die Gemeinde hinein. Es hat eine eigene Bewegung zur Gemeinde hin. Nicht so ist es, dass auf der einen Seite ein Wort, eine Wahrheit ist und auf der anderen Seite eine Gemeinde, und der Prediger habe nun dies Wort zu nehmen, zu handhaben, zu bewegen, um es in die Gemeinde hineinzubringen, es auf die Gemeinde anzuwenden. Vielmehr geht das Wort diesen Weg ganz von selbst, der Prediger soll und kann nichts tun, als dieser eigenen Bewegung des Wortes zu dienen, ihr nichts in den Weg zu stellen. Das Wort geht aus, um Menschen anzunehmen; das wussten die Apostel, und das machte ihre Predigt aus. Sie hatten ja Gottes Wort selbst gesehen, wie es gekommen war, wie es Fleisch angenommen hatte und in diesem Fleisch die ganze Menschheit selbst. […] In diesem Wort aber kommt der Heilige Geist selbst, der dem Einzelnen und der Gemeinde zeigt, was in Christus schon längst geschenkt ist. Er wirkt in den Hörenden den Glauben, dass im Wort der Predigt Jesus Christus selbst mitten unter uns getreten ist in der Kraft seines Leibes, dass er kommt, um mir zu sagen, dass er mich angenommen hat und heute wiederum annehmen will.“

       (Nachfolge S. 245f – DBW 4,243f)

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      „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,1-3.14)

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      Was ist „Gottes Wort“? Die Bibel? Die Predigt? Bonhoeffer greift, wie z. B. auch Martin Luther und Karl Barth, noch tiefer: „Gottes Wort“ ist zuerst Jesus Christus!

      Dabei kann er sich etwa auf das Johannesevangelium berufen, wo berichtet wird, dass das „Wort Gottes“ in Jesus Christus Mensch geworden ist. Geht man von diesem Punkt aus, dann ist wiederum auch die Bibel „Gottes


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