TRAPPED - GEFANGEN. Michael Hodges
TRAPPED - GEFANGEN
ein Roman von
Michael Hodges
aus dem Amerikanischen übersetzt von
Andreas Schiffmann
Für Sarah
und diejenigen unter uns, die mitfühlen können.
This Translation is published by arrangement with SEVERED PRESS, www.severedpress.com
Title: THE PULLER. All rights reserved. First Published by Severed Press, 2015. Severed Press Logo are trademarks or registered trademarks of Severed Press. All rights reserved.
Diese Geschichte ist frei erfunden. Sämtliche Namen, Charaktere, Firmen, Einrichtungen, Orte, Ereignisse und Begebenheiten sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder wurden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Ereignissen oder Schauplätzen ist rein zufällig.
Impressum
Deutsche Erstausgabe
Originaltitel: THE PULLER
Copyright Gesamtausgabe © 2015 LUZIFER-Verlag
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Cover: Michael Schubert
Übersetzung: Andreas Schiffmann
ISBN E-Book: 978-3-95835-113-4
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Der Anfang
Die Pausenglocke läutete und erschreckte Matt Kearns mit ihrem kalten metallischen Geklirr. Er klappte sein Biologiebuch zu und eilte aus dem Klassenzimmer. Während die letzten Sekunden des schrillen Lärms auf dem Flur nachhallten, spürte er, dass etwas nicht stimmte. Er konnte es an nichts Konkretem festmachen, sondern wusste es einfach.
Die große Glasdoppeltür am Ende des Flurs lockte ihn, weil sie aus dem Betongrab führte, das sich Walnut Grove High nannte. Als er sie mit einem Fuß aufstieß, fiel Sonnenlicht auf seine Haut. Endlich.
»Hi, Matt«, grüßte Amber Lynne. Sie lehnte an der Ziegelsteinmauer und kaute Bubblicious mit Wassermelonengeschmack; das roch er von dort aus, wo er stand. »Hey«, erwiderte er. »Hast du was von dem Riesenstress drüben auf dem Sportplatz mitgekriegt?«, fragte sie, bevor sie eine Blase machte. Plopp! »Viel Geschrei«, fuhr sie fort. »Die Jungs streiten sich wohl. Du weißt ja, wie deinesgleichen so ist.« Amber verdrehte ihre Augen. Matt bückte sich, um den Aufschlag seiner Jeans von der Lasche seines rechten Stiefels zu ziehen, wozu er sein Biobuch an die Wand lehnte. Während er zum Sportplatz hinüberlief, versammelte sich eine kleine Menschenmenge auf dem gemähten Rasen, größtenteils Lacrossespieler in voller Montur. Viele von ihnen erhoben ihre Stimmen. Als er die Gruppe erreichte, drängelte sich Matt in die Mitte. »Mach das Mistvieh fertig!«, rief Abe Johnson. »Haha, er weiß nicht, was er machen soll!«, belustigte sich eine andere männliche Stimme. Dann stimmte Betsy Armstrong mit ein, deren angsterfüllte Stimme unangenehm wie immer klang: »Pass auf seine Zähne auf! Er hat ja so viele!« Während sich Matt nach vorne kämpfte, jaulte und wimmerte etwas in der Mitte des Pulks: ein trauriger, flehentlicher Laut, der ihn umgehend tiefer ins Geschehen zog. Als er den inneren Kreis erreichte, stand dort Mike Armstrong im Lacrossetrikot mit allem Zubehör und drückte etwas mit seinem Schläger zu Boden. Matt stellte sich neben ihn und schaute am Schaft hinunter zum Netz. Ein Kojote. Ein großer Kojote mit einem schönen, dichten Fell. Mike Armstrong stützte sich mit vollem Gewicht – satte 220 Pfund – auf den Schläger und hielt das Tier so von der Flucht ab. Als es versuchte, seinen Kopf herauszuziehen, versetzte Mike dem Schläger einen kräftigen Ruck, bis der verstörte Kojote nachgab. Matt beschlich das unsägliche Gefühl, der Blödmann habe seine helle Freude. Der Kojote jaulte und knurrte, während sein Brustkorb bebte. Seine bronzefarbenen Augen blickten düster durch die Netzmaschen – ein anmutiger Gefangener, der einen verheerenden Fehler begangen hatte. Alle paar Sekunden bleckte das Tier seine Zähne, wobei seine Oberlefze zitterte. Matt fasste die Menge ins Auge, rote und verzogene Gesichter, aus deren Mündern Speichel spritzte, während sie johlten. Etwas überkam ihn, ein unerklärlicher Druck. Das irre Gegröle trat in den Hintergrund, die Farben der Gesichter und Kleider verblassten zu Schwarz-Weiß. Das Gras blutete dunkles Rot, der Himmel setzte sich in Grau ab. Mike Armstrong erschien in Schwarz-Weiß, sodass die Glaskörper seiner Augen hell hervorstachen. Alles, außer der Kojote, hatte die Farbe gewechselt. Sein sandbraunes Fell schillerte in der Sonne, seine Zunge leuchtete hellrosa. Dann nahm Matt alles in Zeitlupe wahr – das Kläffen, die ausgestreckten Arme, das Geschrei. Ein zweiter Schüler mit Lacrosseausrüstung trat aus der Menge hervor: Ben Jacobsen, das Sportass von Walnut Grove und ein ausgemachtes Hohlbrot. Er stürzte auf das Tier zu, während er weit mit dem Schläger über seinem Kopf ausholte. Vergiss es, dachte Matt. Er stieß ihn zur Seite, doch Ben behielt seinen Schwung und drosch auf den Schädel des Kojoten. »Gib ihm Saures!«, bellte irgendein Kerl. »Schaff dieses Ungeziefer von unserem Platz!« Matt erholte sich von seinem missglückten Angriff und riss Ben den Lacrosseschläger aus der Hand. Einen Moment lang stand der Junge da und beäugte Matt ungläubig. »Was glaubst du, was du hier tust, Mann?«, fragte er, während er einen Arm zurückzog, um ihn zu boxen. Matt wich aus, indem er sich duckte, und schlug mit dem Schaft quer über Bens Knie, die dabei ekelhaft knirschten. Er brach zusammen, hielt sich die Beine und brüllte. Sein Gezeter vereinte sich mit dem Jaulen und Knurren des Kojoten. Glänzendes Blut verklebte nun dessen Kopffell. Mike fuhr ungerührt damit fort, den Schädel des Tiers niederzudrücken. Es trat mit den Hinterläufen aus, warf Gras und Erde hoch. Matt fuhr herum und ließ Bens Schläger auf Mikes Kopf krachen, was von einem hohlen Klonk begleitet wurde. Nachdem Mike kurz um sein Gleichgewicht rang, hob er seinen eigenen Schläger hoch und schwang ihn hinter sich, wobei er Matt auf der Schulter traf und beiseite stieß. Die Mienen im Rund verloren ihren kaltherzigen Ausdruck selbstgefälliger Überlegenheit und entglitten in Bestürztheit. »Knöpf ihn die vor, Mike! Er hat es gewagt, dich zu schlagen«, empörte sich Betsy Armstrong. Da er ihretwegen glaubte, eine Chance zu erkennen, holte Mike abermals weit aus und traf Matt genau am Kiefer. Die Umgebung verschwamm und drehte sich, während Matts Ohren klingelten, doch dann richtete sich alles wieder. »Das hättest du besser bleiben lassen«, brüllte Mike mit starrem Blick, während er mit hoch über seinem puterroten Gesicht erhobenem Schläger zu einem weiteren Hieb ausholte. Sein siegesgewisser, wutschnaubender Blick nahm jedoch fassungslose Züge an, die schließlich mit einem Schrei entglitten, der jedes Hollywoodsternchen stolz gemacht hätte. Vom Boden nämlich grollte es nun erbittert, und zwar immer vehementer, einhergehend mit einem Geräusch wie von Fleisch, das zerriss. Der Kojote hatte sich aus dem Lacrossenetz befreit und verbiss sich in Mikes Knöchel, durchtrennte eine Sehne wie eine Schere einen Faden. Während das Tier Rache an dem angeschlagenen Spieler übte, fielen Matt dessen Augen auf, die zwar vor Zorn schwelten, aber