TRAPPED - GEFANGEN. Michael Hodges
Sanders hängte seine Kleider an zwei Holzzapfen. »Also, ich hab noch nie von jemandem gehört, der voll bekleidet in die Sauna geht«, bemerkte er.
Melinda setzte sich in eine Ecke, ohne viel Platz zu beanspruchen, und schob sich das zartrosa Handtuch unter. Sanders stand in der Mitte, und Matt ließ sich neben der Tür nieder. So hielt er es schon seit Highschooltagen.
Bob gluckerte aus seiner Bierdose und rülpste erneut, bevor er eine hölzerne Aufgusskelle nahm und sie in einen Mörtelkübel voller Flusswasser tunkte.
»Wir müssen ihr schließlich Zunder geben«, erklärte er, und seine knochigen Knie knackten, während er zum Ofen stakste.
Die Sauna vermittelte einen fürwahr erhabenen Eindruck: Qualität, wohin man auch schaute. Die Aufhänger für Kleidung und Tücher waren abgerundet, das Kiefernholz der Sitzbank bequem, beinahe anschmiegsam. Bob hatte neben dem Ofen ein Schild an die Wand genagelt; darauf war ein im Comicstil dargestellter Mann mit erigiertem Riesenpenis gerade dabei, eine Frau zu besteigen, die sich vor einem Feuer bückte, um Holz nachzulegen. Darunter standen die Worte: So heizt Nordmichigan.
Nachdem Matt gelacht hatte, als würde er das witzig finden, brachte er seine eigentlichen Gedanken zur Sprache: »Eine tolle Sauna, Bob. Wie lange hast du gebraucht, bis sie fertig war?« Sanders fasste sich in den Schritt und kratzte an seinen Hoden. »Bin dafür über Monate hinweg jedes Wochenende hergekommen – und danke, sie ist echt klasse, nicht wahr?« Damit setzte er sich zwischen Melinda und Matt, wiederum mit knackenden Knien. Sie schauderte und schien sich selbst kleiner machen zu wollen, so wie ein Vogel. »Ist kalt hier«, sagte sie, indem sie ihr Handtuch verschob und nach unten auf ihre pinkfarbenen Zehennägel schaute. Matt war unbegreiflich, wie sich Sanders Melinda geangelt hatte. Möglicherweise hing es mit dem Zauber zusammen, den man der oberen Halbinsel und ihren Eingesessenen nachsagte. »Na, schneller geht's eben nicht«, stöhnte Bob. »Bisschen Geduld, Mensch.« Daraufhin herrschte Stille zwischen ihnen. Er legte sanft eine Hand auf Matts Oberschenkel und schaute ihm in die Augen. »Hey, leg doch mal Holz nach, eh«, sagte er mit zitternder Oberlippe. Matt schob Sanders Hand weg und stand auf. »Ich muss los; die Forellen warten.« »Wie, jetzt schon?«, fragte Melinda und legte ihre possierlichen Füße hoch. »Bleiben Sie, es wird doch gerade erst lustig.« »Nein, vielen Dank!« Matt öffnete die Tür und ging schnell hinaus. Während er sich über den Schieferpfad davonmachte, hörte er Bobs Stimme hinter sich. »Besuch uns wieder, egal wann du willst, ja? Wir halten immer ein Bierchen für dich kühl.« »Wie hast du es hinbekommen, ihn zu verscheuchen?«, wollte Melinda wissen. Das Prasseln und Zischen von Zedernholz und Ofen übertönte ihre Stimme fast. Matt nahm seine Fliegenrute von der Hauswand und ging auf den Silver zu. Er konnte weiterhin hören, wie Sanders und Melinda schwatzten, drüben in ihrem kleinen Holzkasten mit den eingeschnitzten Himmelskörpern – einem Yooper-Raumschiff. Als er einen seichten Abschnitt fand, watete er zügig zum Gegenufer. Die Steine rings um seine Stiefel schimmerten in vielen Farbtönen, irgendwo auf einer Waldwiese, die er nicht sah, schlug ein Raufußhuhn geräuschvoll mit den Flügeln. Je länger er unterwegs war, desto weiter verdrängten die Northwoods Melinda und Sanders, bis er nur noch den Wind in den Bäumen hörte.
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