Kämpfen im Geiste Buddhas. Jeff Eisenberg

Kämpfen im Geiste Buddhas - Jeff Eisenberg


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gelernt hatte und glaubte, nun anwenden zu können, nicht klappte. Eine ähnliche Erfahrung machte ich, als ich feststellen musste, dass vieles von dem, auf das ich mich bei meinem Studium des Buddhismus konzentriert hatte, wenig Bedeutung für mein alltägliches Leben hatte. Das lag jeweils nicht an allzu geringen Bemühungen, sondern daran, dass ein ungeeigneter Lehrstoff diese Bemühungen scheitern ließ.

      Die beiden oben erwähnten Fragen ziehen sich wie rote Fäden durch dieses Buch. Ich gehe darin auf die anfänglichen inneren Kämpfe ein, mit dem Kampfkunst-Training und den buddhistischen Übungen überhaupt anzufangen, und auf die Notwendigkeit, klare Ziele festzulegen und einen Lehrer auszuwählen, der diese Ziele fördert. Das Wichtigste ist jedoch herauszufinden, wie man die jeweiligen Ausbildungen in das tägliche Leben integrieren und darin anwenden kann.

      Schon früher gab es Abhandlungen über Kampfkunst und spirituelle Praxis. Doch im Unterschied zum hier vorliegenden Buch konzentrieren sie sich auf den »Kunst«-Aspekt (oder praktisch-methodischen Aspekt) des Kampfsports, ohne sich näher mit dem Aspekt des tatsächlichen »Kampfes«, das heißt der realistischen Anwendung der Kampfkunst zu befassen.

      Eine weit verbreitete Ansicht über Kampfkunst, die diese mit spiritueller Praxis gleichsetzt, besagt, dass man die sogenannten weichen Stile (die nach und nach mit der Vorgabe eingeübt werden, dass man sie niemals tatsächlich anwenden soll) als meditative Übungen betrachten kann. Demnach schließen die sogenannten harten Stile, die das Kämpfen betonen, nicht nur die Ausbildung in Meditation aus, sondern gelten als nichts anderes denn als Anwendung sinnloser Gewalt.

      Ich setze mich mit diesen Annahmen wie folgt auseinander: Erstens erörtere ich den Unterschied zwischen Anwendung von Gewalt und dem Einsatz von Kampfkunst und beziehe mich dabei auf den buddhistischen Lehrsatz: »Füge niemandem Schaden zu!«

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      Zweitens untersuche ich die verbreitete – falsche – Auffassung, dass man nur unter spezifischen Bedingungen meditative Momente erleben kann.

      Drittens erläutere ich, warum bei einem Kampfsportler der wahre Härtetest der Geschicklichkeit und bei einem Buddhisten der wahre Härtetest der Achtsamkeit stets in Situationen erfolgen, die beidem am wenigsten zuträglich sind.

      Nach diesen Erörterungen beschreibe ich, wie ich selbst die buddhistischen Lehren in meinem täglichen Leben anwende. Abschließend biete ich meinen Lesern Bedeutungsbestimmungen der Erleuchtung und des Schwarzen Gürtels an und stelle gängige Missverständnisse richtig. Beides ist nämlich nicht das Endergebnis von Übungen, ganz im Gegenteil: Damit fängt die eigentliche Praxis erst richtig an.

      In diesem Buch berichte ich von meiner eigenen – modernen – Herangehensweise an die praktische Anwendung uralter Lehren. Mir ist bewusst, dass mein Schreibstil und der Ton zuweilen nicht der allgemeinen Vorstellung davon entsprechen, wie ein »Buddhist« oder »Meister der Kampfkünste« zu klingen hat. Doch würde ich mir beim Schreiben nicht selbst treu bleiben, wäre das ein Widerspruch zur wichtigsten Aussage dieses Buches. Manchmal ist Pietätlosigkeit und Rebellion nötig, um das Schwert zu schärfen und Illusionen zu zerschlagen. Ich hoffe, dass mein Humor und meine Selbstironie die Klinge so weit entschärfen, dass eines deutlich wird: Ich ziehe sie nur aus Anteilnahme und mit dem Ziel »alles, was lebt, zu beschützen«.

      Zum Schluss dieser Vorbemerkung möchte ich den Leserinnen und Lesern ins Gedächtnis rufen, dass Buddha seinerzeit der radikalste und fortschrittlichste Nonkonformist gewesen ist, den die Welt je gesehen hatte. Beim Verfassen dieses Buches lag meine Absicht darin, in dem mir möglichen bescheidenen Maße dazu beizutragen, seinen Geist am Leben zu erhalten!

       Jeff Eisenberg

      Jersey Shore, New Jersey

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      Einführung

      Die Welt ist nun mal nicht vollkommen,

      doch sie ist auch nicht unvollkommen.

      Als ich irgendwann eine Klasse von Zehnjährigen unterrichtete, wies ich darauf hin, dass man beim Lernen der Kampfkunst eines unbedingt begreifen muss: Die Ausbildung ist lediglich eine Vorbereitung auf die Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst. Ich wollte den Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass die Szenarien bei den Übungen im Dojo niemals den Szenarien auf der Straße entsprechen. Danach führte ich eine Kampftechnik vor und sagte: »Denkt daran, dass es in einer vollkommenen Welt genau so funktionieren würde. Doch realistischerweise müssen wir darauf vorbereitet sein, diese Technik häufig auf ganz andere Weise anzuwenden, denn wir leben in keiner vollkommenen Welt.«

      Während ich die alternative Anwendung dieser Technik zeigte, streckte mein junger Schüler Henry die Hand hoch. »Sir«, sagte er mit der für ihn typischen Ernsthaftigkeit und Unbeirrbarkeit, »realistischerweise hätten wir es in einer vollkommenen Welt ja auch gar nicht nötig, uns selbst zu schützen.«

      Er hatte recht. In einer vollkommenen Welt wäre es nicht nötig zu trainieren, nicht nötig, uns selbst zu schützen, nicht nötig, Dharma zu praktizieren, nicht nötig, uns selbst zu befreien. Doch die Welt ist nicht vollkommen, und darin liegt die Wurzel unseres Leids. Unser Problem besteht darin, dass es uns zur Ausbildung in den Kampfkünsten und zur buddhistischen Praxis zieht, weil wir glauben, dadurch unsere eigene vollkommene Welt schaffen zu können. Fälschlicherweise meinen wir, dass unsere Anstrengungen dazu führen werden, Erlebnisse zu verhindern, die uns Kummer und Schmerzen bereiten. Wir müssen jedoch begreifen, dass Training und Praxis uns lehren, neue Fähigkeiten und Strategien gerade für den Fall zu entwickeln, dass wir tatsächlich schmerzhafte Erfahrungen machen.

      Schüler der Kampfkünste nehmen an, dass sie irgendwann im Laufe ihrer Ausbildung eine besondere, hohe Stufe erreichen werden, die sie zu unbesiegbaren Kampfmaschinen macht, so dass sie niemals in Gefahr geraten. Neulinge, die den Buddhismus praktizieren möchten, glauben, dass sie irgendwann im Laufe ihrer Ausbildung eine besondere, hohe Stufe erreichen werden, die sie in einen fortwährenden Zustand der Glückseligkeit versetzt.

      In Wahrheit kann ein Kampfsportler im besten Fall darauf hoffen, eine bedrohliche Situation richtig einschätzen und sich daraus zurückziehen zu können, und im schlimmsten Fall, eine solche Situation mit möglichst geringfügigen Verletzungen zu überleben. Und derjenige, der Dharma praktiziert, kann im besten Fall darauf hoffen, dass er auf schmerzhafte Erfahrungen mit neuem, nützlichem Verhalten reagiert, ohne sich von solchen Erlebnissen vereinnahmen zu lassen. Und im schlimmsten Fall muss er sich von diesen Erlebnissen völlig lösen, damit sich der Schmerz nicht in Leiden verwandelt.

      Ausbildung und Praxis sollten uns das ins Bewusstsein rufen, damit wir uns solchen Erlebnissen stellen und sie akzeptieren können. Wenn Ausbildung und Praxis uns von diesen Erkenntnissen wegführen, verschwenden wir unsere Zeit mit schädlichen Selbsttäuschungen. Ich möchte ja nicht wie ein verrückter Zen-Meister klingen, aber die Welt ist nun mal nicht vollkommen, doch sie ist auch nicht … unvollkommen.

      Wir müssen die Dinge einfach so akzeptieren, wie sie sind, und uns mit ihnen auseinandersetzen! Stets wird im Schatten irgendein beängstigender Kerl lauern, der nur darauf wartet, uns in den Hintern zu treten. Und das Leben wird wirklich niemals genauso verlaufen, wie wir es eigentlich für wünschenswert halten! Also müssen wir die Kampfkunst so trainieren, als wäre jeder Tag tatsächlich derjenige, an dem wir uns dem beängstigenden Kerl im Schatten stellen müssen, und uns Tag für Tag so im Dharma üben, als würde wirklich alles schiefgehen, was überhaupt schiefgehen kann!

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      Der komisch wirkende Dicke

      Ich bin


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