Der Günstling. Helmut Stalder

Der Günstling - Helmut Stalder


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da nämlich bei den gegenwärtigen Läufen niemand zu trauen sei«.92

      Auch im Zugewandten Ort Wallis steigen die Befürchtungen, dass die Auseinandersetzungen übergreifen könnten, da »die Umständ disser ietzigen betriebten Zeit und gefährlicher Kriegsleuffen da dann ein L.[öbliche] Eidgnossschafft wie auch unsser geliebtes Vaterlandt mit schweren Armaden umbgeben« sind.93 Hinzu kommt, dass im Herzogtum Savoyen vor den Toren des Wallis ein bewaffneter Erbfolgezwist im Gange ist, der auch auf das Wallis ausstrahlen könnte. So sieht sich der Landrat im Februar 1639 genötigt, sein Wehrwesen zu reorganisieren und die Wehrbereitschaft des Landes sicherzustellen.94 Vielerorts sind Musterung, Ausbildung und Ausrüstung vernachlässigt worden. Die Zenden werden nun aufgerufen, in den Mannschaftsrodeln die Namen der Männer des ersten und zweiten Auszugs zu erfassen und die durch Wegzug in fremde Dienste oder durch Todesfälle entstandenen Lücken zu füllen. Es wird untersagt, sich ohne Bewilligung der Obrigkeit in fremde Dienste zu begeben, Männer ab ihrem 24. Lebensjahr sollen mit Gewehren und Munition versehen werden und jederzeit einsatzbereit sein. Ausfuhren von Lebensmitteln und Blei werden verboten und die Zenden aufgefordert, Vorräte anzulegen. Ende Mai 1639 ruft der Landeshauptmann Johann von Roten zur Wachsamkeit auf und bittet die Zenden, Erkundigungen einzuziehen und Späher an die einschlägigen Orte zu schicken. Da man »nicht wissen möge auff welches Intent der frembden Fürsten und Potentaten Sinn unnd Meinung dirigiert und hangen thut«,95 legt von Roten am Juni-Landrat in Sitten besonderen Wert auf die Anwesenheit von Kaspar Stockalper. Dieser verfügt über ein dichtes Beziehungs- und Informationsnetz im In- und Ausland und kann Auskünfte und Einschätzungen geben über die schnellen Veränderungen in den Konfliktherden Europas.

      Im Juli bestellt der Landrat einen neuen Kriegsrat, den der Oberbefehlshaber der Walliser Truppen einberufen und den auch der Landeshauptmann zu Rate ziehen kann. Der meist mit den Bannerherrn und den Zendenhauptmännern bestückte »Kriegsrat« oder »geheime Rat« ist das entscheidende militärische Gremium, eine Art Generalstab, der in allen militärischen Belangen des Landes Ordnung zu schaffen, Vorkehrungen zu treffen und im Notfall rasch bereitzustehen hat, »dass inn dissen alsso gefährlichen und bluotigen Kriegsleüffen die nothwendige Fürsähung geschehe«.96 Stockalper wird am 27. Juli in den diesen Kriegs- beziehungsweise geheimen Rat gewählt. Damit rückt er auch im Militärwesen in eine entscheidende Position, von der aus er sechs Jahre später selbst zum Oberbefehlshaber und Generalstabschef der Walliser Truppen aufsteigen wird.97

      Sein Glücksjahr krönt Kaspar Stockalper jedoch mit einer besonderen Mission, die ihn über die Landespolitik hinaus und in die eidgenössische Politik hineinführt. Am 9. September 1639 wird er zusammen mit Hauptmann und Landvogt Peter Allet als Repräsentant der Landschaft Wallis an die Tagsatzung der eidgenössischen Orte nach Baden abgeordnet. Diese Tagsatzung ist auf Antrag von Zürich angesetzt worden, das ausdrücklich auch die Anwesenheit des Zugewandten Ortes Wallis wünscht. Hauptgeschäft ist die Situation in den Drei Bünden und das am 3. September zwischen Spanien und den Drei Bünden geschlossene Übereinkommen. Es ist dies das sogenannte »Mailänder Kapitulat«, ein Friedens- und Allianzvertrag, in dem die Talschaften Veltlin und Bormio an die Drei Bünde zurückgegeben werden, die Spanier dort jedoch ein uneingeschränktes und exklusives Durchgangsrecht für Waren, Zahlungsmittel und Truppen erhalten.98 Zürich protestierte dagegen und kritisierte, »dass die namhaften Pässe fremder Willkür preisgegeben werden«. Für den französischen Ambassador ist es blanker Verrat und ein Vertragsbruch, denn die Konvention widerspreche einem früheren Bündnis mit Frankreich, das mit sämtlichen Orten, den Drei Bünden und dem Wallis 1602 erneuert worden sei. Die Gesandten der Drei Bünde erinnern daran, dass sie »von den Franzosen mit Versprechungen hingehalten und getäuscht worden seien«, und »den Pass habe man Spanien gestattet in ähnlicher Weise, wie er ihm von den löblichen katholischen Orten erlaubt sei«. Überhaupt sei das Friedenstraktat von den Gemeinden »ohne Beschiss und Betrug angenommen worden«, und dabei bleibe es. Der Gesandte des Königs von Spanien, Graf Carlo Casati, beteuert schliesslich, das Mailänder Kapitulat sei der Eidgenossenschaft »durchaus nicht nachtheilig, sondern vermehre vielmehr die Sicherheit ihrer Lande«.

      Nach zehntägigem Lavieren und Verhandeln nimmt die Tagsatzung das Spanienbündnis der Drei Bünde schliesslich hin. Stockalper hält dazu fest: »Am 8. September zu Sitten im bischöflichen Schlosse wurde ich mit dem höchst klugen Hauptmann und Landvogt Peter Allet namens dieser Landschaft Wallis auf die Tagsatzung nach Baden abgeordnet. Diese Gesandtschaft haben wir im Laufe von 16 Tagen höchst glücklich vollendet. Gott und der Jungfrau und Mutter Maria sei Lob dafür! Auf dieser Tagsatzung verhandelte man hauptsächlich über das Bündnis der Rhätier mit den Spaniern, den Schutz der burgundischen Grafschaft, das Bistum Basel, die schwedische Armee bei Basel und die bayrische Armee bei Schaffhausen. Diese Geschäfte wurden aufs Tapet gebracht, mit gewohnter schweizerischer Vorsicht in schwerwiegenden Worten entschieden und in Abschied genommen.«99

      Mit dieser Mission hat Stockalper nicht nur sein Ansehen und Gewicht als Repräsentant des Wallis gemehrt. Er hat auch weitere wichtige Kontakte gewonnen, wie jene in Zukunft bedeutende zum spanischen Gesandten Carlo Casati. Zudem erhält er nun leichteren Zugang zu Informationen, die ihm als Herrn über den Simplonpass wertvoll sein werden. Ein Informationsvorsprung über die Lage in der Eidgenossenschaft und in den Machtzentren an ihren Grenzen, über die Veränderungen der Passpolitik an den östlichen und zentralen Alpentransitwegen, über die gefestigte Position von Spanien-Mailand in Oberitalien, über die Verschiebung der strategischen Bedeutung der savoyischen Alpenübergänge und über die Pläne in der Freigrafschaft Burgund – all das ist in seinen Händen Gold wert.

      So kann er das ausserordentliche Jahr in seinen Annalen als »annus prosperrimus« festhalten: »Es ist mir dieses Jahr 1639, das 30. meines Alters, durch Gottes Gnade höchst vorteilhaft geworden; nämlich unverdient stand ich dem Amte eines Zendenrichters glücklich vor; die Gesandtschaft nach Solothurn habe ich allein über alle Erwartung glücklich vollendet; ich wurde namens unseres Zenden in den geheimen Rat des Landes, den man Kriegsrat nennt, aufgenommen; ich wurde Zendenhauptmann, und endlich habe ich mit dem erlauchten Herrn Hauptmann Peter Allet die Tagsatzung der Eidgenossen und Verbündeten glücklich vollendet.«100

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