Villa im Tiergarten. Artur Hermann Landsberger

Villa im Tiergarten - Artur Hermann Landsberger


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Sie gut geschlafen, Frida?“

      „Danke, ja! — Einmal war ich allerdings wach.“

      „Und was haben Sie da gehört?“

      „Gehört? — nichts! — Mir war nur so ...“

      „Wie war Ihnen?“ fragte ich.

      „Als wenn ich allein wäre.“

      „Das waren Sie doch!“

      „Schon! — Aber man fühlt das nicht immer so.“

      „Was haben Sie da getan?“

      Frida, die noch immer nicht ganz wach war, erwiderte:

      „Auf die andere Seite habe ich mich gelegt — an was Schönes gedacht — und dann bin ich auch gleich wieder eingeschlafen.“

      Der Kommissar war, ohne von uns bemerkt zu werden, eingetreten und hatte das Gespräch mitangehört. Er trat jetzt vor, wies auf Frida und sagte:

      „Die war es nicht!“

      „Aber wieso kamen Sie jetzt herunter?“ fragte Frau Inge, und Frida erwiderte:

      „Das weiß ich auch nicht,“

      wandte sich um und verschwand wieder — genau, wie sie gekommen war. Und zwei Minuten später lag sie in ihrem Bett und schlief.

      Etville und ich erstatteten dem Kommissar Bericht. Der verzog keine Miene, lehnte Wein ab, zündete sich eine Zigarre an und fragte, als wir geendet hatten:

      „Haben Sie einen bestimmten Verdacht?“

      Ein einmütiges „Ja“ war die Antwort. Aber jeder wünschte, ihn allein zu sprechen.

      Als erste vertraute ihm Frau Inge ihre Ansicht an und sagte:

      „Dieser Burg ist ein Filou — mehr sage ich nicht!“

      Sodann erklärte Rolf:

      „Ich teile Ihren Verdacht.“

      „Meinen?“ fragte der erstaunt.

      „Ja!“ sagte Rolf, „... Frida!“

      „Ich habe doch ausdrücklich erklärt ...“

      „Um sie in Sicherheit zu wiegen, nahm ich an,“ erwiderte Rolf. „Und glaube es noch. Sie sind genau so hell, wie die dumm ist. Ein Blinder muß es merken. Sie hat geschlafen, während die andern sich hier halbtot geprügelt und geschossen haben.“

      Der Kommissar lächelte überlegen, und Rolf fuhr fort:

      „Und dann wandelt sie, während wir uns hier die Gehirne zermartern, als Traumgestalt ahnungslos durch die Räume. — Für wie dumm muß die uns halten.“

      Der Kommissar beschränkte sich darauf, zu erwidern:

      „Ich bin nicht Ihrer Ansicht,“ was zur Folge hatte, daß Rolf den Mund verzog und den Kommissar in seinem Innern für einen Idioten erklärte.

      Als Nächster offenbarte sich Etville. Er zog das Portemonnaie aus sämisch Leder aus der Tasche, hielt es dem Kommissar unter die Nase und sagte:

      „Guerlain! Die Frauen, die sich das Parfüm heute in Berlin leisten, können Sie an fünf Fingern abzählen.“

      „Kennen Sie eine?“

      Etville dachte nach und sagte:

      „Donnerwetter ja! — Lola!“

      „Wer ist das?“

      „Meine Freundin!“

      „Und Sie glauben ...?“

      Etville besah und beroch noch einmal das Portemonnaie:

      „Es gehört ihr!“

      „Was beweist das?“ fragte der Kommissar.

      „Zum mindesten, daß sie mich betrügt,“ erwiderte er, sah mich mißtrauisch an und zog sich zurück, um Töns, der sich inzwischen erholt hatte, hineinzulassen.

      „Was sagt der Baron?“ fragte Töns. „Meint er auch ...“

      „Er meint bestimmt einen andern als Sie.“

      „Ich glaube — aber sagen Sie nichts! — daß Karl Theodor Timm irgendwie dahintersteckt. — Wie, weiß ich nicht. Aber Schriftstellern traue ich nicht über den Weg. Mit Ausnahme von Peter Lenz. Aber der ist auch kein Schriftsteller. Der schreibt nur so aus Passion. Aber was so ein Berufsschriftsteller ist, das sind alles mehr oder weniger Schwindler.“

      „Hm,“ meinte der Kommissar. „Nun weiß ich ja so ungefähr Bescheid.“

      Aber im selben Augenblick wurde Töns von Karl Theodor Timm abgelöst, der erklärte:

      „Gucken Sie sich mal die sogenannte Baronin an!“

      „Hab’ ich getan,“ erwiderte der Kommissar.

      „Aha! — Sie meinen also auch?“

      „Was?“

      „Daß sie in irgendeinem Zusammenhange mit dem Einbruch steht.“

      „Ich finde, sie macht einen vorzüglichen Eindruck.“

      „Bluff! Verlassen Sie sich darauf! Nichts als Bluff. Ich verstehe mich so gut darauf wie Sie. Sie hat hier alles an sich gerissen. Erst die Menschen. Und nun die Sachen. — Eine Kanone sage ich Ihnen. Man kann von ihr lernen.“

      Der Kommissar dankte für den Hinweis und winkte, als ich eben an ihn herantreten wollte, ab.

      „Wir sind alle durch!“ sagte er. „Sie können mir doch nichts Neues mehr sagen.“

      „Ich wollte nur bitten, sofort das Haus durchsuchen zu lassen.“

      Ich sprach so laut, daß alle es hörten. Sie stimmten mir bei, während der Kommissar, der für Entgegennahme unserer Erklärungen ins Nebenzimmer gegangen war, wieder zu uns hereinkam und sagte:

      „Wozu denn, meine Herrschaften? Der Fall liegt für mich ganz klar!“

      Alle sahen auf, und jeder dachte, den Kommissar von seiner Auffassung überzeugt zu haben. — Der Kommissar fuhr fort:

      „Fest steht für mich, daß es sich um gewerbsmäßige Einbrecher handelt.“

      „Nicht möglich!“ stand auf allen Gesichtern.

      „Die Möglichkeit,“ fuhr der Kommissar fort, „daß sie eine Annonce, also einen Tipp, von einem der Hausbewohner bekommen haben, gebe ich zu.“

      Unsere Gesichter wurden ein wenig freundlicher, da der Kommissar mit diesem Zugeständnis unsere Vermutungen nicht einfach beiseite schob. Sein sichtbares Bestreben, das uns schwer kränkte, war es, alles, was wir vorbrachten, so schnell wie möglich aus seiner Kopfarbeit auszuschalten. Er schob alles, wofür wir uns mit Ueberzeugung einsetzten, mit einem verbindlichen Lächeln beiseite und stellte fest:

      „Die Ganoven haben mit Nachschlüsseln geöffnet, in Eile zusammengerafft, was sie konnten, und die Beute in einem Auto fortgeschafft! — So sieht der nackte Tatbestand aus.“

      „Und was können Sie zur Wiederherbeischaffung der Sachen und zur Festnahme der Verbrecher tun?“ fragte Frau Inge.

      „Ich?“ erwiderte der Kommissar. „Wenig!“

      „Wer dann?“ fragte sie.

      „Sie! Indern Sie eine hohe Belohnung aussetzen.“

      „Dazu brauchen wir doch Sie nicht,“ sagte Timm, und der Kommissar erwiderte:

      „Sie werden ohne uns nicht weit kommen.“

      Wir setzten eine Million aus, verfaßten ein Verzeichnis der gestohlenen Sachen und besprachen die Möglichkeiten, das Haus vor weiteren Einbrüchen zu schützen.

      „Es gibt keine!“ erklärte der Kommissar und beendete damit unseren Streit,


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