Villa im Tiergarten. Artur Hermann Landsberger

Villa im Tiergarten - Artur Hermann Landsberger


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um und gab zu verstehen, daß sie die Baronin gern allein gesprochen hätte.

      „Die Damen sind aus demselben Grunde hier,“ erwiderte Frau Inge.

      Hilde tat erstaunt und sagte:

      „Sie wissen doch gar nicht ...“

      „Ich weiß! — Die Dame“ — und sie wies auf Häslein — „ist Herrn Graezers wegen hier, Fräulein Lola des Barons wegen und Sie, wenn ich nicht irre, um Herrn Töns’ wegen bei mir vorstellig zu werden.“

      „Es stimmt,“ erwiderte Hilde. „Wenigstens in erster Linie.“

      „Wie soll ich das verstehen?“

      „Nachdem ich doch das Schriftstück habe,“ sagte Hilde.

      „Was ist nach dem?“ fragte Frau Inge.

      „Nun,“ sagte sie zögernd, „da besteht kein großer Unterschied mehr.“

      „Zwischen wem?“

      „Wo ich nun doch auch ihn kenne — ich meine richtig ...“

      „Ich weiß, ich weiß,“ wehrte Frau Inge ab. „Aber was folgt daraus?“

      „Daß nun kein Unterschied mehr besteht zwischen ihm und den andern.“

      „Ach so! — Die Person spielt für Sie demnach keine Rolle.“

      „Gewiß! — Der eine ist mir lieber als der andre — aber wenn“ — und sie wandte sich an Lola und Häslein — „etwa ältere Rechte bestehen, so würde ich — schon, weil ich ja die Jüngste bin ...“

      „So!“ sagte Lola, „das wäre erst festzustellen.“

      Frida, ganz in Schwarz mit weißem Spitzenhäubchen, trat ins Zimmer:

      „Frau Baronin, die Manikure.“

      Frau Inge warf einen Blick auf ihre Nägel und sagte:

      „Nicht nötig!“, und Hilde fuhr, ohne abzuwarten, bis Frida wieder draußen war, fort:

      „Ich würde mich dann eben mit Herrn Töns begnügen.

      Frida, die aus Neugier absichtlich langsam zur Tür ging, stutzte, zog ein kleines Spitzentuch aus der Tasche und fuhr, als wenn sie Staub wegwische, damit über den Flügel.

      Frau Inge sagte lächelnd:

      „Sie werden sich schmutzig machen, Frida.“

      „Ach nein, Frau Baronin,“ erwiderte sie, „der Flügel ist ganz sauber. Ich habe ihn heute früh gewischt.“

      „Dann richten Sie Ihre Bestellung aus,“ befahl Frau Inge, worauf Frida hinausging, um hinter der Tür zu horchen. Als sie draußen war, wandte sich Frau Inge wieder an Hilde von Strichlitz.

      „Also, Fräulein von Strichlitz, was denken Sie eigentlich? Glauben Sie wirklich, ich werde Ihren Leichtsinn unterstützen?“

      Hilde hatte sofort Tränen im Auge, ergriff Frau Inges Hände und sagte schluchzend:

      „Ach Gott, Baronin, wenn Sie wüßten!“

      Frau Inge hatte nun doch das Bedürfnis, sie allein zu sprechen, sagte aber:

      „Wenn ich was wüßte?“

      „Sie meint vermutlich, wie teuer alles ist!“ sprang Lola ihr bei.

      „Das auch,“ sagte Hilde unter Tränen, „aber das meinte ich nicht.“

      „Sondern?“

      „Wie schrecklich alles ist. — Auch zu Hause.“

      „Und das, meinen Sie, ist der geeignete Weg, es zu ändern?“

      „Der bequemste!“ erwiderte Lola und lachte, während Hilde zur Erde sah und sagte:

      „Ich bin doch so jung.“

      „Schon wieder!“ sagte Lola. „Wie jung sind Sie denn?“

      „Achtzehn!“

      „Wer’s glaubt!“

      „Und da will man doch sein Leben genießen.“

      „Also, meine Damen,“ sagte Frau Inge, stand auf und erhob die Hand zum Schwur. „Ich gelobe Ihnen — Frida!“ rief sie plötzlich, die sie an der Tür vermutete und die denn auch unüberlegterweise hereinstürzte — „Also, meine Damen, ich gelobe Ihnen, weder heute, noch je Ihre Kreise zu stören! Ich entsage feierlich und für alle Zeiten jedem Anspruch auf jedwedes männliche Wesen in diesem Hause.“ Sie trat an Häslein heran und bekräftigte ihren Eid durch einen festen Händedruck. Das Gleiche tat sie mit Lola und Hilde — nur bei Frida zögerte sie einen Augenblick, war aber um so erstaunter, als die von selbst die Hand ausstreckte, so daß ihr gar nichts anderes übrig blieb, als einzuschlagen.

      „Aber,“ fügte sie hinzu, „und das gilt für alle“ — dabei sah sie Frida an, „ich mache zur Bedingung, daß Sie Ihre Schäferstunden nicht hierher verlegen. Ich kann meinen Herren nicht verbieten, Sie zu empfangen.“

      „Sie haben es aber verboten — dem Baron wenigstens,“ erwiderte Lola, und Häslein meinte:

      „Rolf wohl auch.“

      „Ist mir nicht eingefallen.“

      „Ich muß wohl sagen, das ist eine Gemeinheit!“ erklärte Lola. „Mich wimmelt er seit acht Tagen damit ab, daß er mich Ihretwegen nicht empfangen kann.“

      „Rolf mich auch.“

      „Eine Rücksicht, die ich nie verlangt habe.“

      „Dann liebt er Sie!“

      „Rolf am Ende auch.“

      „Dafür bin ich nicht verantwortlich.“

      „Sie geben es zu?“

      „Ich weiß es nicht und habe auch kein Interesse daran, es festzustellen.“

      „Es wäre Ihnen gleichgültig?“ fragte Häslein erstaunt, während Hilde von Strichlitz resigniert sagte:

      „Ja, wenn man so hübsch ist!“ — und Lola beinahe erbost auf Frau Inge losfuhr und rief:

      „Sie lieben einen andern!“

      „Meine Damen,“ wehrte Frau Inge in aller Ruhe ab, „ich muß doch bitten, mich nicht zur Diskussion zu stellen! Sie haben mein Wort und nun erbitte ich Ihres: dies Haus rein zu halten.“

      Sie versprachen es der Reihe nach — als letzte wieder Frida, die auch zurückblieb, als die anderen sich verabschiedeten.

      „Na, Frida,“ sagte Frau Inge, „wird er Sie denn auch heiraten?“

      „Heiraten?“ rief sie erstaunt und wurde rot bis über beide Ohren.

      „Das gehört sich doch wohl — da Sie ein ordentliches und fleißiges Mädchen sind.“

      Frida flog jetzt am ganzen Körper und rief:

      „Ja! Ist das denn möglich?“

      „Meinem Gefühl nach, ja. Ich nehme doch an, daß er Sie liebt.“

      „Er schwört es.“

      „Nun also! — Warum sollte er Sie da nicht heiraten?“

      „Und Frau Baronin würden ...?“

      „Was?“ fragte Frau Inge.

      „Mit ihm sprechen?“

      „Erst lernt euch einmal gründlich kennen,“ erwiderte Frau Inge. „Früher war die Reihenfolge umgekehrt. Da lernte man sich erst kennen und dann — aber heute!“

      „Ich würde mich ja nie trauen, ihn danach zu fragen.“

      „Also werde ich euren Ausgang auf denselben Tag verlegen“ — Frida sah sie erstaunt an — „Da wird sich ja dann


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