THE BOYS OF SUMMER. Richard Cox H.

THE BOYS OF SUMMER - Richard Cox H.


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stand da und hörte hin, bis die Rufe allmählich leiser wurden und dann ganz aufhörten. Er wollte hingehen und sich vorstellen, aber man konnte doch nicht einfach so ein Grundstück betreten, oder?

      Doch dann öffnete sich das Tor und es erschien ein nasser, muskulöser Junge mit roter Badehose und einem großen Badetuch über den Schultern.

      »Ich wusste doch, dass ich jemanden durch den Zaun gesehen habe«, sagte er und ging auf Todd zu. »Bist du neu hier?«

      »Ja, wir sind vor einigen Wochen hier eingezogen.«

      »Ich bin Bobby.«

      »Ich bin Todd.«

      »Jonathan hat ein Schwimmbecken. Hast du Lust, zu schwimmen?«

      Schweiß war Todds Rücken runtergelaufen und hatte beide Seiten seines Hemds durchtränkt. Die Sonne brannte auf ihn wie Feuer. Er hätte alles dafür gegeben, ins Wasser zu springen, aber seine Badehose war daheim und ihm behagte die Idee nicht, zurückzugehen, um sie zu holen. Wenn seine Mutter inzwischen vom Supermarkt zurückgekehrt war, dann dachte sie wahrscheinlich, dass er den Mut verloren hätte, und er wollte nicht, dass sie ihn für einen Feigling hielt.

      »Meine Badehose ist noch in einer Kiste«, log er, »aber ich könnte ja trotzdem bleiben, wenn ihr nichts dagegen habt.«

      »Das ist cool«, sagte Bobby. »Komm mit.«

      Todd folgte dem gut gebauten Bobby in respektvollem Abstand in den Hintergarten. Der Pool war ein nierenförmiges Loch in einer nierenförmigen Betonplatte. Das Wasser schimmerte in der Sonne. Ein viel schlankerer Junge lag auf einer Luftmatratze. Seine Augen waren geschlossen und die Sonne brannte auf seine unbehaarte Brust wie Feuer. Irgendwo außer Sicht spielte ein Radio Every Breath You Take.

      Bobby lächelte und warf sein Handtuch ab. Er lief mit drei großen Schritten auf den Pool zu, griff nach seinen Knien und flog durch die Luft. Dann presste er die Knie gegen die Brust und fiel wie eine Wasserbombe in den Pool. Der schlanke Junge brüllte, als ob ihn eine Kugel getroffen hätte. Er griff nach der Betonkante des Pools.

      »Bobby!«, schrie er. »Verdammt! Ich hasse dich.«

      »Nein, tust du nicht«, rief Bobby lachend, während er durch das Wasser watete. »Ich bin doch dein bester Freund auf der ganzen Welt. Gib es zu.«

      »Na, wenn schon.«

      Bobby ergriff ihn. »Sag, dass ich toll bin, oder ich tauche dich noch einmal unter.«

      »Nein!«

      Bobby, der immer noch lachte, zog den schlanken Jungen vom Beckenrand weg und drückte seinen Kopf unter Wasser.

      »Das ist viel zu leicht«, meinte er. »Todd, das ist Jonathan. Jonathan, das ist Todd.«

      Jonathan schlug mit seinen Armen wild um sich und versuchte vergeblich nach Bobbys Gesicht zu greifen.

      »Du bist bedeutend stärker als er«, warf Todd ein.

      »Kann ich leider nicht ändern.«

      Da Todd nicht wusste, was er jetzt tun sollte, stand er nur da, und sah, wie Bobby seinen Freund für eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser hielt. War das alles, was sie hier taten? Dieser David-und-Goliath-Scheiß? Dann war Todd nicht an ihnen interessiert. Das war doch derselbe Mist, der in jeder Stadt in den USA ablief.

      Als er gerade gehen wollte, ließ Bobby los. Jonathan schoss wie ein Torpedo aus dem Wasser. Er hustete und keuchte.

      »Klingt wie meine Tante Jesse«, sagte Bobby lachend. »Die hat Krebs oder ein Emphysem oder was auch immer. Weihnachten, als wir die Geschenke auspacken wollten, hat sie die ganze Zeit gehustet wie verrückt.«

      Todd zeigte auf Jonathan, dessen Gesicht immer dunkler wurde. »Ich glaube, er kriegt wirklich keine Luft.«

      Jonathans Gesicht war inzwischen purpurrot angelaufen und er keuchte auch nicht mehr länger. Stattdessen versuchte er in flachen Atemzügen, die kaum noch Atemzüge waren, ein wenig Luft zu bekommen. Aus seinem Mund drangen Geräusche, die wie Wasser klangen, das versuchte, aus einem Rohr herauszukommen, das viel zu klein war.

      »Oh, verdammt«, schrie Bobby erschrocken. Er drehte Jonathan um und schlug ihm fest auf den Rücken. »Atme schon, atme!«

      Jonathans Augen schienen sich zu verdrehen. Sie waren nun weit offen und glasig. Er atmete gar nicht mehr.

      »Verdammt, Johnny«, schrie Bobby panisch und schlug ihm weiter auf den Rücken. »Atme endlich!«

      »Vielleicht solltest du die Heimlich-Methode anwenden«, schlug Todd vor.

      »Was? Was ist das denn?«

      »Die Heimlich-Methode. Ich weiß nicht, ob das auch bei Wasser klappt, aber man schlingt dabei von hinten die Arme um den Körper des anderen und drückt fest unterhalb des Brustkorbs. Etwa so.« Todd simulierte die Methode an sich selbst, aber Bobby war noch nicht überzeugt.

      »Versuch es einfach. Versuch irgendwas!«

      Bobby nickte, und nach einigen Sekunden war er tatsächlich erfolgreich. Wasser strömte aus Jonathans Mund. Dann atmete er einige Male tief ein und aus. Als er wieder richtig zu sich kam, wollte er sich sofort auf Bobby stürzen.

      »Du Idiot. Ich hasse dich.«

      Jonathan wirbelte wie wild mit den Armen herum. »Du bist so ein Idiot! Bildest du dir etwa ein, dass dir niemand etwas tun kann, weil du so stark bist?«

      »Zumindest weiß ich, dass du es nicht kannst.«

      Jonathan beruhigte sich nach einiger Zeit allmählich wieder. Er sah zuerst Todd und dann Bobby an.

      »Mach das nicht noch einmal, Bobby. Was wäre, wenn ich ertrunken wäre?«

      »Was wäre wenn … was wäre wenn! Hast du denn keinen Humor?«

      »Für dich ist immer alles nur ein Witz, nicht wahr? Eines Tages machst du wirklich etwas Dummes, und dann wird dir das Lachen schon noch vergehen.«

      »Wie auch immer. Das hier ist Todd. Er ist gerade in unsere Straße gezogen.«

      Jonathans Lächeln schien ein wenig gezwungen, als er sich Todd zuwandte. »Ich bin Jonathan. Freut mich.«

      »Gleichfalls.«

      »Wo kommt ihr denn her?«

      »Wir haben drüben in Weeks Park gewohnt.«

      »Oh, ich dachte, ihr kommt von außerhalb der Stadt«, sagte Jonathan. »Warum seid ihr denn nach Tanglewood gezogen?«

      Todd zuckte mit den Schultern und gab damit vor, dass es keinen besonderen Grund dafür gab. »Meine Eltern mochten die Gegend. Ich denke, dies ist der Ort, wo man heute leben sollte.«

      »Es ist das beste Viertel in Wichita Falls«, stimmte ihm Bobby stolz zu. »Was machst du so? Treibst du Sport?«

      »Schon länger nicht mehr. Ich mag aber Football und Baseball.«

      »Bist du gut darin?«

      »Keine Ahnung.«

      »Wenn du das nicht weißt«, sagte Bobby lachend, »dann heißt das, dass du nicht besonders gut darin bist. Mein Vater sagt immer: Die anderen werden deine Größe erst dann erkennen, wenn du das tust.

      »Bobby ist der Quarterback in der Mannschaft der Junior High«, fügte Jonathan hinzu. »Die Trainer von Old High sind schon scharf auf ihn.«

      So gern er auch in Gesellschaft von anderen Kindern sein wollte, hatte Todd von diesen beiden bereits genug. Jonathan schien keine Geduld mit Bobbys hirnlosen Scherzen zu haben, aber trotzdem betete er diesen Typ geradezu an. Und Bobby schien geradezu das Klischee einer Sportskanone zu sein. Diese ganze Szene hätte überhaupt nicht vorhersehbarer sein können, bis auf ein wichtiges Detail – Todds Fähigkeit, die Situation richtig einzuschätzen. Auf eine seltsame Art und Weise fühlte er sich dieser Lage gewachsen, so als hätte er einen Revolver zu einem Messerkampf mitgebracht. Seine Eltern befürchteten, dass er


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