THE BOYS OF SUMMER. Richard Cox H.
knallten auf das Dach. Als er die Tür erreichte, versuchte er den Riegel zurückzuschieben, aber es gelang ihm nicht. Jeden Augenblick könnten die fremden Schritte ihn erreichen, und David fummelte immer noch an dem Riegel herum. Donner explodierte über ihm. Er klang wie Gewehrschüsse, und David war drauf und dran zu schreien.
Gerade, als es ihm gelang, den Riegel wegzuschieben, traf ein Hagelkorn seinen Knöchel. Hitze und Schmerz durchströmten sein Bein, doch er biss die Zähne zusammen und kroch unter die Werkbank. Er hatte das Gefühl, dass sein Knöchel vollkommen zerschmettert war.
David hoffte, dass er sich ein wenig ausruhen könnte, aber als er durch die Ritzen in der Wand den Sturm sah, hatte er das Gefühl, als ob er aus dem Fenster eines Flugzeugs schauen würde. Es kam ihm so vor, als ob er vom Boden abhob und beobachtete, wie dieser allmählich unter ihm verschwand. Das war schon seltsam, wenn man bedachte, dass er noch niemals zuvor geflogen war. Flugzeuge hatte er bisher nur im Fernsehen gesehen. Er konnte den Sturm mit seiner Vision, in der Luft zu sein und wegzufliegen, gar nicht in Verbindung bringen. Für einige Sekunden waren beide Realitäten so lebendig, dass er das Gefühl hatte, er würde dazwischenstehen … als wenn er eine Seite seines Lebens umblätterte und auf die Nächste überging.
Schließlich brachte der Ansturm der Hagelkörner David in die Realität zurück. Er schloss seine Augen, und ihm kamen unwillkürlich die Tränen. Lautlos betete er zu allen Göttern, die ihm zuhören mochten, sein Leben zu verschonen. Er versprach, immer lieb und großzügig zu sein und es fortan allen recht zu machen. Zu geben, anstatt zu nehmen, und dankbar dafür zu sein, dass er den Sturm überlebt hatte.
Sein zehn Jahre altes Selbst konnte nicht wissen, dass der spätere David diese Versprechungen nicht halten würde, und dass sich sein Charakter im Laufe der Zeit allmählich in eine ganz andere Richtung entwickeln würde. Es sollten noch vier Jahre vergehen, bevor er Todd Willis treffen würde und bevor er dieses geheimnisvolle Lied hören würde, und selbst dann würde er dessen Bedeutung nicht verstehen. Er würde die Seltsamkeit dieses stürmischen Abends erst nach weiteren neunundzwanzig Jahren verstehen. Nach dem Mord an seinem Vater und einer Reihe katastrophaler Brände, die letzten Endes den Untergang der Stadt einläuten würden. Aber dann wäre sein Schicksal bereits besiegelt, und alles, was er noch tun konnte, war, hilflos mit anzusehen, wie sein Leben allmählich den Bach runterging.
Schließlich ließ der Hagel langsam nach und hörte dann abrupt ganz auf. David stand vorsichtig auf, achtete dabei auf seinen verletzten Knöchel und öffnete die Tür. Durch die Bäume hindurch, nahm er die schwärzeste Wolke wahr, die er jemals gesehen hatte. Er humpelte zu dem Stacheldrahtzaun, stieg hindurch und rannte dann wie verrückt in die Richtung seines Hauses. Er hatte es schon fast erreicht, als er das unheimliche Heulen der Tornado-Sirenen hörte.
Es war ein Geräusch, das ihn schon bald in seinen Träumen verfolgen sollte.
Kapitel 3
Der Augenblick, in dem sich Jonathan Cranes Leben für immer verändern sollte, kam, als jemand laut an die Vordertür seines Hauses hämmerte. Die Ursache für diesen Lärm war Bobbys Vater, Kenny Steele, der sich lautstark Zutritt verschaffen wollte. Carolyn weigerte sich, ihn reinzulassen, und hatte gerade schon panisch versucht, ihren Mann per Telefon zu erreichen.
»Dad hebt nicht ab«, sagte sie. »Er ist wahrscheinlich schon zu uns unterwegs.«
Bobby war leichenblass. Er öffnete den Mund, um zu sprechen, aber nichts kam heraus. Seine Mutter legte beruhigend ihre Hand auf seine.
»Mach dir keine Sorgen. Ein Erwachsener ist wegen irgendetwas aufgebracht. Vielleicht können wir das ja regeln, ohne gleich die Polizei zu rufen.«
Jonathan, der noch nie erlebt hatte, dass sein Vater aggressiv wurde, fragte sich, wie Bobby jeden Tag mit einem Mann wie Mr. Steele zusammenleben konnte. Später, als alles vorüber war, würde er es natürlich bedauern, dass er eine solche Vorstellung heraufbeschworen hatte.
Das Hämmern an der Tür wurde nun so heftig, dass die Tür im Rahmen erzitterte. Mit jedem Schlag schien das ganze Haus zu beben, und Jonathan konnte sehen, dass seine Mutter mit jeder Sekunde ängstlicher wurde.
»Ich denke, ich rufe jetzt doch lieber die Polizei«, sagte sie schließlich.
Aber Bobby wurde ganz verrückt vor Angst bei diesem Gedanken.
»Bitte, Mrs. Crane! Mein Vater hatte schon letztes Jahr ziemlichen Ärger mit der Polizei. Bitte tun Sie das nicht!«
Carolyn griff trotzdem nach dem Telefon, und wählte bereits die Nummer, als der Lärm an der Tür plötzlich aufhörte. Jonathan hörte nun die Stimme seines Vaters.
»Kann ich Ihnen helfen?«
»Ich suche Jonathans Vater«, antwortete Mr. Steele.
Es folgte ein Moment des Schweigens, dann hörte Jonathan noch einmal die Stimme seines Vaters, dieses Mal etwas weiter entfernt.
»Ich bin Michael Crane. Was geht hier vor sich?«
Jonathan konnte sich nicht entscheiden, ob er die Tür aufmachen sollte, doch dann tat er es automatisch, als könnte er nicht anders.
»Liebling!«, rief seine Mutter. »Geh nicht da raus!«
»Aber Dad ist vielleicht in Schwierigkeiten!«
Tatsächlich standen sein Vater und Mr. Steele auf dem vorderen Rasen, und sie standen sich so nahe gegenüber, dass sich ihre Nasen fast berührten.
»Was hier vor sich geht«, sagte Mr. Steele, »ist, dass Ihr Sohn versucht, meinen Jungen zu einem Weichei zu machen.«
Jonathan rieb sich die Augen und fragte sich, ob das, was er da sah, wirklich passierte. Es war wie eine Szene, die sich jemand für einen Roman ausgedacht hatte. Wenn man so gerne las wie Jonathan, dann war es ganz natürlich, sich manchmal zu fragen, ob man selbst auch in der Lage wäre, etwas zu schreiben, und in letzter Zeit hatte er tatsächlich öfter versucht, sich die realen Erlebnisse seines Lebens als geschriebene Szenen vorzustellen.
In dieser Szene jetzt trug Bobbys Vater ein Flanellhemd und abgetragene Jeans und hatte sich seit Tagen nicht mehr rasiert. Er war aufgebracht, denn er schien zu glauben, dass Jonathan Bobby in irgendeiner Art und Weise verdorben hätte. Aber was genau glaubte er, das geschehen war? Und hatte er ernsthaft vor, deshalb eine Schlägerei anzufangen?
In diesem Augenblick gingen die Tornado-Sirenen wieder los. Es war das zweite oder dritte Mal, dass er sie in den letzten zwanzig Minuten gehört hatte. Jonathan fühlte plötzlich etwas in seinem Rücken, und merkte dann, dass seine Mutter und Bobby ihn von der Tür aus beobachteten. Wind kam auf, und dieser wurde auf einmal so stark, dass man kaum noch hören konnte, was die beiden Männer sagten.
»Hören Sie mal«, schrie sein Vater. »Ich weiß ja nicht, was Sie glauben, was mein Sohn mit Ihrem Jungen gemacht hat, aber was auch immer es ist, ich bin mir sicher, dass wir das regeln können. Doch jetzt sollten wir erst einmal …«
»Sie werden Ihrem Weichei von Sohn jetzt erst einmal sagen, dass er sich von meinem Jungen fernhalten soll. Das ist genau das, was Sie jetzt erst einmal tun werden!«
Jonathan verstand nicht, warum Mr. Steele ihn mit solchen Schimpfnamen belegte, und wie es aussah, konnte sein Vater es auch nicht nachvollziehen. Mit jedem Augenblick schien er frustrierter zu werden.
»Hören Sie«, sagte sein Vater. »Sie wissen doch bestimmt, was es bedeutet, wenn die Sirenen losgehen. Reden wir ein anderes Mal darüber, wenn nicht gerade ein Tornado …«
»Da kommt kein Tornado!«, rief Mr. Steele.
Bis jetzt hatte Jonathan den weißen Kleinlaster kaum bemerkt, der vor ihrem Haus stand, doch jetzt öffnete sich die Tür, und Bobbys Mutter stieg aus und ging zu ihrem Mann.
»Kenny!«, schrie sie. »Ich habe dich gebeten, hier keine Schlägerei anzufangen. Wir müssen jetzt in den Schutz-Keller!«
Jonathan konnte sehen, wie sein Vater überlegte, wie er jetzt weiter vorgehen sollte. Er schien wütend