Er ging voraus nach Lhasa. Nicholas Mailänder

Er ging voraus nach Lhasa - Nicholas Mailänder


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Angabe, vgl. Expeditionskarte.

      39Eugen Allwein: Deutsche Himalajaexpedition 1931, 29. Jahres-Bericht der Sektion Hochland des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins e. V., München 1931, S. 10 f.

      40Kenneth Mason: The Recent Assaults on Kangchenjunga, The Geographical Journal, London November 1932, S. 439–445, 444.

      41Peter Aufschnaiter: Quer durch das nördliche Sikkim, in: Paul Bauer: Um den Kantsch, 1933, S. 179–184, 179.

      42Ebd., S. 180.

      43Ebd., S. 183.

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      Während Paul Bauer für sein Expeditionsbuch „Kampf um den Himalaja“ in Los Angeles olympisches Gold in Empfang nahm, war ein internationales Team am Nanga Parbat aktiv.

       KAPITEL 4

       IN DER ALPINEN MACHTZENTRALE

      Vom 30. Juli bis zum 14. August 1932 fanden in Los Angeles die 10. Olympischen Sommerspiele statt. Auch deutsche Bergsteiger wurden geehrt: Die Erstbesteiger der Matterhorn-Nordwand, Franz und Toni Schmid aus München, erhielten olympisches Gold, den Prix olympique d’alpinisme; Franz nahm auch die für seinen Bruder vorgesehene Medaille in Empfang – Toni war im Frühsommer des Jahres in der Wiesbachhorn-Nordwestwand tödlich abgestürzt. Paul Bauer wurde in Los Angeles zum Olympiasieger im „Wettbewerb der freien Künste“ in der Rubrik „Literatur“ für sein Kangchenjunga-Werk Kampf um den Himalaja gekürt. Der prominente Expeditionsleiter dürfte die Reise von München an die ferne Westküste der USA mit einer gewissen Unruhe angetreten haben. Denn er wusste, dass zeitgleich eine starke deutsch-österreichisch-amerikanische Expedition am 8125 Meter hohen Nanga Parbat zugange war.

      Es war erstaunlich, dass die Expedition überhaupt stattfinden konnte. Aber der hochmotivierten Mannschaft gelang es doch irgendwie, für das geplante Low-Budget-Projekt die notwendigen Geldmittel lockerzumachen. Teilnehmer: Der „Hochländer“ Herbert Kunigk aus München, der aus dem bayerischen Trostberg stammende „Bayerländer“ Fritz Bechtold und sein amerikanischer Sektionskamerad Elbridge Rand Herron, der Kufsteiner Peter Aschenbrenner, der Leipziger Felix Simon sowie das 1929 in die USA ausgewanderte Kletterass Fritz Wiessner. Leiter des Unternehmens war der Traunsteiner Willy Merkl, welcher unter den sieben Spitzenalpinisten als „primus inter pares“ fungierte. Die Hierarchie in der Truppe war also denkbar flach, und der „nationale Gedanke“ spielte überhaupt keine Rolle. Ziel der Expedition war einzig und allein die Besteigung des ersten Achttausenders. Die gängige Einschätzung, der Nanga Parbat sei eine leicht zu knackende Nuss, erwies sich bald als grundfalsch. Trotzdem erreichten Kunigk und Aschenbrenner am 16. Juli den 7070 Meter hohen Rakhiot Peak. Dann zwang ein Wettersturz die Mannschaft zum Rückzug. So konnte das Team zwar keinen Gipfelerfolg verbuchen, aber es hatte einen machbaren Aufstieg zum höchsten Punkt des Nanga Parbat ausfindig gemacht.

      Als die deutschen Mitglieder der Expedition im Spätsommer 1932 in ihre Heimat zurückkehrten, war die NSDAP hier zur stärksten politischen Kraft avanciert. Allerdings hatten die Nationalsozialisten reichsweit mit 37,3 Prozent die absolute Mehrheit verfehlt. Doch Hitler ließ nicht locker: Gemeinsam mit den Kommunisten setzte er eine weitere Neuwahl durch. Obwohl die NSDAP in der Novemberwahl 34 Mandate einbüßte, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 ganz legal zum Reichskanzler. Am Abend des 27. Februar ging der Reichstag in Berlin in Flammen auf. Hitler erklärte, er sei von Kommunisten angezündet worden – als Signal für einen Volksaufstand. Schon am nächsten Tag unterzeichnete Hindenburg die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“, in der wichtige Grundrechte „bis auf weiteres“ aufgehoben, die rechtsstaatlichen Kontrollmechanismen beseitigt und die KPD verboten wurden. Am 5. März errangen die Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen 43,9 Prozent der Stimmen und die mit ihnen verbündete Deutschnationale Volkspartei DNVP 8 Prozent, womit die Koalition verfassungsgemäß regieren konnte.

      Am 21. März wurde in der Potsdamer Garnisonskirche feierlich der neue Reichstag eröffnet. Die Kommunisten waren ausgeschlossen, die Sozialdemokraten ferngeblieben. Am 24. März stand das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ – bekannt geworden unter dem Begriff „Ermächtigungsgesetz“ – auf dem „parlamentarischen“ Programm. Es ermächtigte die Reichsregierung, für vier Jahre unter Ausschluss des Reichstags auf dem Verordnungsweg Gesetze zu beschließen. Damit war die Machtergreifung der Nationalsozialisten eine unumkehrbare Tatsache.

      Paul Bauer hatte nach eigener Aussage bereits früh mit Adolf Hitler sympathisiert, war aber – wahrscheinlich aus Rücksicht auf seine englischen Expeditionskontakte – erst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Mitglied der NSDAP geworden. Er selbst stellte das folgendermaßen dar:

      In einer Reihe von Rundschreiben brachte der frischgebackene „Führer“ des Deutschen Bergsteiger- und Wanderverbandes den Alpenvereinssektionen die neuen Organisationsstrukturen zur Kenntnis:

      „An die reichsdeutschen Sektionen!

      […] Die reichsdeutschen Sektionen des D.u.Oe.A.V. und


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