Hitler 1 und Hitler 2. Das sexuelle Niemandsland. Volker Elis Pilgrim

Hitler 1 und Hitler 2. Das sexuelle Niemandsland - Volker Elis Pilgrim


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tätig, wie es sogar die männerbündisch destruktive Gesellschaft in ihrer Geschichte noch nicht gesehen hat, nunmehr in Völker-Dimensionen ausufernd, Millionen von Einzelnen quälmörderisch zu töten, bis einer der lebendigsten Faktoren Europas, das europäische Judentum, »erledigt« war, was kulturelle Schädigungen des ganzen Gebildes Europa zur Folge hatte, die erst allmählich den Nachgeborenen der dritten und vierten Generation zu Bewusstsein kommen.

      Und immer wieder sei mit unerbittlicher Härte auf den größten Massenmord-Faktor hingewiesen: Das russische Volk wird nicht ruhen, bis ihm von Deutschland eine historisch-politische Abbitte für Hitlers schwerstes Wüten gegen »die Russen« mit 20–40 Millionen Toten und ungezählten körperlich-seelischen Verstümmelten getan wird.

      Auch über dem Gral der Hitler-Forschung, dem Münchener Institut für Zeitgeschichte, muss der Stab solange gebrochen werden, bis es sich entschließt, einen begangenen, fassungslos machenden Fehler zu korrigieren. Das Institut hat 1995 Hitlers Zweites Buch im Allerlei seiner Reden, Schriften, Anordnungen wissenschaftlich vergraben. Schon 1961 war es ein Fehler des Entdeckers dieses Hitler-Manuskriptes, Gerhard Weinberg, es ohne Titel herauszugeben. Denn der Titel Hitlers zweites Buch, den Weinberg wählte, ist keiner, sondern nur eine Verlegenheitslösung. Als Schriftsteller hätte Weinberg wissen müssen, dass über die Wirkung eines Buches zu 90 Prozent dessen Titel entscheidet. Unzählige pointierte Phrasen aus dem Hitler-Text hätten sich geeignet und eignen sich immer noch, diesem ideologischen Zerstörungs-Machwerk einen prägnanten Titel zu geben, der dem Buch ein solches Leben einhaucht, dass es wie Mein Kampf um die Welt laufen kann. (Hitler 61)

      Nicht einzusehen ist, warum sich der alte Weinberg nun sogar noch zu einer weiteren Minimierung seiner Ausgabe von 1961 in die Unauffindbarkeit einer Sammlung zwischen Hitlers Reden, Schriften, Anordnungen hat bereiterklären können. Er hat damit sein Buch für die außer-wissenschaftliche Öffentlichkeit unzugänglich gemacht. Hitlers Zweites Buch ist nicht irgendein Text, der unter »ferner liefen« wie eine Rede oder eine Anordnung abgelegt werden darf. Dieses Buch ist ein Individuum, ein Unikat mit dem größten Enthüllungswert, den ein Text von Hitler hinsichtlich seiner Charakterisierung als Völkermörder haben kann.

      Das Münchener Institut für Zeitgeschichte muss jetzt Hitlers »Politisches Serienkiller-Manifest« als Buch mit einem eindeutig Inhalts-bezogenen Titel herausgeben, federführend kommentiert von israelischen und russischen Wissenschaftlern mehrerer akademischer Disziplinen.

      Solange das nicht gemacht wird, kann sich die Hitler-Biografik über diese Destruktions-Schrift alles zurechtspinnen, was sie will, wie es auch bei Ullrich wieder geschehen ist. Auf zwei Seiten darf er bei seiner Präsentation dieses Buches Hitlers Konfession vom beabsichtigten Millionengemetzel als »Zusammenfassung aussenpolitischer Ansichten« unkenntlich machen, wobei Ullrich sich nur im Kielwasser der Präsentation dieser Schrift durch das Münchener Institut für Zeitgeschichte befindet, das das makabre Genozid-Zeugnis als »Außenpolitische Standortbestimmung« Hitlers verniedlicht. (Ullrich, S. 242 f., Hitler 61)

      Die Hitler-forscherische Marginalisierung vom Zweiten Buch als Hitlers »Außenpolitisches Programm« ist die weiterlaufende größtmögliche Beleidigung der Opfer, vor allem des russischen Volkes, mit der endlich Schluss sein muss.

      Es bleibt unverständlich, wie das deutsche Zentrum der Hitler-Forschung und seine Herausgeber, inklusive Weinberg, bis zum Hitler-Biografen Ullrich derart blind gegenüber Hitlers Kriegstreibereien und Menschen-Vernichtungs-Plänen sein konnten. Und das geschah zwischen 1995 und 2013/16 in den letzten 20 Jahren. Hitlers Zweites Buch ist keine »außenpolitische Standortbestimmung«, mit dieser Verdummung von Forschern, Geschichtsprofessoren und – lehrern, Studenten und Schülern das Institut seinen Auftrag zur geistigen Bewältigung des Nazi-Regimes verrät.

      Die Parlamente im Land Bayern und in der Stadt München sollten über Konsequenzen gegenüber der Führung und dem Konzept des Instituts für Zeitgeschichte nachdenken und dessen innen- und weltpolitische Bestimmung neu definieren. Denn unter dem Deckmantel von Aufklärung wird eine Ärgernis erregende Verharmlosung der beiden Bücher des größten Massenmörders aller Zeiten betrieben, zuerst mit Hitlers Zweitem Buch und jetzt mit Hitlers Mein Kampf, bei letzterem das Institut sogar in einen unfreiwilligen Antisemitismus geschliddert ist, wie Jeremy Adler ihm am 5./6. Januar 2017 in der Süddeutschen Zeitung nachwies. (Adler)

      Wenn von Seiten der Volksvertreter nicht alsbald gehandelt wird, entsteht im ganzen Land erneut der Verdacht, dass München sich diesmal von zentral ideologischer Seite her in eine nachwirkende Hitler-Komplizenschaft begibt.

      Der Begriff »Außenpolitik« im Zusammenhang mit Hitlers Zweitem Buch entstammt Formulierungen von Hitlers Adepten Rudolf Heß und Joseph Goebbels, einem Brief von Heß an seine Eltern aus dem Jahre 1928 und einem Eintrag in Goebbels’ Tagebüchern von 1929, wie Ullrich nachweist. (Ullrich, S. 242, 899 f., Anm. 137, 142) Die beiden Mittäter kannten das Manuskript jedoch entweder gar nicht oder hatten nur flüchtigsten Einblick in den Text, wie Heß sich aufgeplustert haben soll, was nicht einmal von Heß selber hinterlassen wurde, sondern von der sich in Sachen Zweitem Buch ebenfalls wichtigtuenden Hitler-Diva Winifred Wagner per »Hörensagen«. (Hamann 02, S. 165 f.)

      Hitler hatte das Typoskript unauffindbar für seine Zeitgenossen versteckt, es auch gegenüber seinen Anhängern geheimgehalten. Ihm muss klargeworden sein: Derart als Weltkriegstreiber, beabsichtigter Gruppen- und Völkermörder die Hose runterzulassen, hätte auch zu Verstörungen in den eigenen Reihen führen können.

      Gerade auf die Resthumanität der Bewegungs-Mittäter musste Hitler Rücksicht nehmen, die sich wie Rudolf Diels einbildeten, bis zu den Massen-Ermordungen im »Röhm-Putsch« Ende Juni/Anfang Juli 1934 sei Hitler noch »der Gute« gewesen, für den es sich gelohnt hätte, »sich ins Zeug zu legen«. (Diels) Auch den Strasser-Brüdern Gregor und Otto, den frühen Kumpanen in der SA, wie Otto Wagener (19.) und Franz Pfeffer von Salomon, wären mit Einzelheiten aus Hitlers Zweitem Buch einige »Lichter aufgegangen«. (Strasser)

      Der Begriff Außenpolitik gehört in das typische Hitler-Instrumentarium, seiner Zeit Sand über sich in die Augen zu streuen, dieser Sand klebt noch immer in den modernsten Hitler-Biografen-und-Forscher-Augen.

      Dagegen hat der jüngste Hitler-Gesamt-Biograf Peter Longerich das Wort zum Hitler-rezeptorischen Moment ausgesprochen, das sich alle Hitler-Arbeitenden »hinter die Ohren schreiben müssen: »Wir dürfen nicht die letzten Opfer der Nazi-Propaganda werden. Wer sich ein Bild von Hitler machen will, darf nicht auf dessen Selbststilisierung hereinfallen.« (Deutschlandfunk, den 13. November 2015)

      Hitlers Zweites Buch mit »Außenpolitik« zu kennzeichnen suggeriert, es handele sich im Text um Reflexionen Hitlers über sein Verhältnis zum Beispiel zu Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich, die Sowjetunion und die USA. Solche Reflexionen hatte Hitler in der Tat schon längst in Druck gehen lassen, im zweiten Band seines ersten Buches Mein Kampf, das sich trotz fortlaufender Seitenzahlen in zwei Bände teilt. Der zweite Band von Mein Kampf ist nicht zu verwechseln mit Hitlers nie publiziertem Zweitem Buch. Jeder Band von Mein Kampf umfasst 400 Seiten Dünnstdruck und sollte griffig in den Händen von Hitlers Gefolgsmenschen liegen können.

      Im zweiten Band von Mein Kampf unter dem Titel Die nationalsozialistische Bewegung geht es auf den letzten 100–120 Seiten tatsächlich um Außenpolitik – besonders in den Kapiteln Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege und Ostorientierung oder Ostpolitik. (Hitler 25/26, S. 684 ff., 726 ff.) Ein Viertel des Textes im gesamten zweiten Band beschäftigt sich dezidiert mit Außenpolitik, obwohl das vom Titel dieses Bandes her nicht zu vermuten wäre. Und Außenpolitik kommt auch schon immer wieder im ersten Band von Mein Kampf vor.

      Der überwiegende Teil von Hitlers Zweitem Buch, seinem 1928er Anti-Menschen-Traktat, hat überhaupt nichts mit »Ausland« zu tun.

      Erstens: Hitlers schon 1928 – wie man nachlesen kann – geplante »Euthanasie« geschah ab 1939 in Deutschland und dem Zwangs-»angeschlossenen« Österreich.


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