THE BOYS OF SUMMER. Richard Cox H.

THE BOYS OF SUMMER - Richard Cox H.


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schwer zu bekommen seien, und hatte ihr vorgeschlagen, es ein anderes Mal zu versuchen. David hatte das Mädchen noch einmal abgecheckt und sich gefragt, ob der Typ hinter der Theke blind war.

      »Ich habe morgen eine Startzeit«, hatte er zu ihr gesagt. Es war schon fast lächerlich … diese wahnsinnig hübsche Frau, die hoffte, auf einem exklusiven Golfplatz, der von den reichsten und attraktivsten Männern des Staates frequentiert wurde, einen Golfpartner zu finden.

      Das Mädchen hatte sich zu ihm umgedreht. Ihre Augenbrauen waren natürlich geformt gewesen und sie hatte nur leichtes Make-up getragen. Sie war nicht der Model-Typ, aber ihr athletischer Körper war schon ein wahnsinniger Anblick, und David hatte sich bemühen müssen, sie nicht anzustarren.

      »Sie können sich mir gern anschließen, wenn Sie wollen«, hatte er gesagt.

      »Ich würde mich sehr freuen. Haben wir noch mehr Partner, oder nur wir zwei?«

      »Ich hatte einen Partner«, erklärte David. »Aber er macht momentan nicht mit.«

      Sie hatte ihm daraufhin ein strahlendes Lächeln gezeigt und es hatte sich etwas zwischen den beiden entwickelt. Er hatte sie zum Abendessen eingeladen, hatte sie zu Theateraufführungen, und zum Sundance in Park City mitgenommen. Schon bald war sie für Tage in seinem Haus geblieben und David hatte sich mit der Möglichkeit einer langfristigen Beziehung konfrontiert gesehen.

      Es war spät geworden, und er merkte, dass er die Augen geschlossen hatte. Er konnte sie kaum noch offenhalten. Ein normaler Mensch würde jetzt seinen Laptop beiseitelegen und schlafen, aber David schlief von jeher nur sehr schlecht. Selbst in Nächten wie diesen, wenn seine Augenlider bleiern schwer waren, fingen seine Gedanken an zu rasen, sobald sein Kopf auf dem Kissen lag. Wann, so fragte er sich, würde seine zweifelhafte Existenz in Kalifornien wohl enden?

      Um sich selbst zu beweisen, dass er kein Gefangener seines früheren Lebens war, hatte David vor sechs Wochen impulsiv einen Verlobungsring mit einem vierkarätigen Neil-Lane-Diamanten gekauft, aber bisher hatte er nicht weniger als fünf Mal vorgehabt, Meredith diesen Ring zu präsentieren, und hatte es dann doch nicht getan, und er war sich nicht sicher, ob er jemals …

      Neben ihm auf dem Nachttisch, pulsierte jetzt sein iPhone. David hob es schnell auf und hoffte, dass Meredith dadurch nicht aufgewacht war. Er stieg aus dem Bett und lief auf Zehenspitzen in den Flur hinaus, bevor er sich meldete. Die Nummer und die Vorwahl waren ihm unbekannt.

      »David Clark.«

      »Mr. Clark?«, sagte eine Stimme, die ein wenig brüsk und müde klang, so wie jemand, der mit wichtigen Aufgaben betraut war, die ihm mittlerweile jedoch zum Hals heraushingen. »Mr. David Clark?«

      »Ja. Wer ist da?«

      »Ich bin Detective Jerry Gholson. Ich rufe aus Wichita Falls an.«

      Für einen Augenblick glaubte David, dass er in Ohnmacht fallen würde. Es war fast so, als ob sein Name von irgendeinem fernen Ort aus gerufen wurde. Es klang dumpf, wie ein Echo.

      »Mr. Clark. Sind Sie noch da?«

      »Ja«, sagte David. »Sie rufen aus Wichita Falls an?«

      »Ja, Sir. Ich fürchte, ich habe schlimme Nachrichten für Sie. Ihr Vater, Fred Clark, wurde heute Abend ermordet.«

      David hörte ein Geräusch in der Nähe und merkte dann, dass seine Augen geschlossen waren. Er öffnete sie und sah, dass Meredith direkt neben ihm stand.

      »Wie?«, fragte er ins Telefon. »Was ist passiert?«

      »Anscheinend wurde er ermordet, Mr. Clark. Tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen.«

      »Aber wie? Wissen Sie, wer es getan hat?«

      Meredith berührte ihn am Arm. Ihre Augen waren groß und besorgt.

      »Etwas ist mit meinem Vater passiert«, flüsterte er ihr zu.

      Am Telefon sagte der Detective: »Ja, wir sind uns ziemlich sicher. Der Hauptverdächtige ist Bob Steele. Er scheint ins Restaurant Ihres Vaters eingebrochen zu sein, und dann ist es wohl zu einer Konfrontation gekommen. Er hat das gesamte Gebäude angezündet. Die Feuerwehr war ziemlich schnell da, aber anscheinend hat er einen Brandbeschleuniger benutzt, den er zuvor überall im Gebäude verteilt hat. Das Gebäude ist so ziemlich verschwunden.«

      David schluckte und wandte sich von Meredith ab. Er hatte seine Augen wieder geschlossen, als wollte er die Welt draußen halten, aber die Dunkelheit machte die Sache nur noch schlimmer. Jetzt konnte er den Rauch sehen, der so dick wie Nebel war. Er konnte das Feuer sehen, das sich in den Augen von Todd Willis widerspiegelte.

      Die Idee, dass er sich mit dem Luxus in Carmel selbst isolieren konnte … dass eine Mauer von Geld ihn irgendwie vor der Realität seines Leben schützen konnte … das war mehr als dumm gewesen. Es war immer dumm gewesen. 1983 hatte er mit vier anderen Jungs ein Haus betreten, Benzin im Schlafzimmer und im Bad von irgendjemandem verschüttet und dann die ganze Bude in Brand gesteckt. Er hatte das getan, weil Todd Willis es ihm vorgeschlagen hatte, ein enger Freund von ihm, der während des Tornados von 1979 eine seltsame Verletzung davongetragen hatte. Er hatte ihn auf eine Art und Weise beeinflusst, die er bis heute nicht verstehen konnte. Aber es war die Erinnerung an den zweiten Brand, den im Restaurant seines Vaters, die ihm wirklich Sorgen machte. Nicht, weil er das Gebäude, in dem sich sein Vater eine Existenz aufgebaut hatte, vorsätzlich abgefackelt hatte. Der alte Mann hatte das wirklich verdient. Was David Angst machte, war die Erinnerung an Todds Augen in jener Nacht … dieser geheimnisvolle und abwesende Blick und das dunkle Geheimnis, das sie beide fortan teilten, ein Geheimnis, an das sich David nicht erinnern konnte, das ihn aber dennoch zutiefst verstörte.

      »Das trifft mich ziemlich unvorbereitet«, sagte er. »Ich bin mir nicht sicher, was ich jetzt tun soll. Muss jemand die Leiche identifizieren? Wurde Bobby wegen des Mordes angeklagt?«

      Den Namen seines Freundes auszusprechen, rief unweigerlich weitere Erinnerungen aus dieser Zeit hervor. Die fünf – Todd, Bobby, Jonathan, Adam und David selbst – waren die einzigen Mitglieder eines Klubs mit dem Namen The Boys of Summer gewesen. Sie hatten zusammen Football und Videogames gespielt und waren gemeinsam durch die Wälder gestreift. In der Nacht des Feuers hatte ein Junge namens Joe Henreid irgendwie herausgefunden, was sie taten, und hatte sie in dem Haus überrascht, als die Flammen gerade anfingen, die Inneneinrichtung zu zerstören. Ihre Reaktion war es gewesen, einfach davonzulaufen und ihn allein in dem Haus zurückzulassen. Seitdem hatte man niemals wieder etwas von ihm gesehen oder gehört.

      David hatte in seinem späteren Leben als Erwachsener nie wieder an Joe oder Todd oder seine Kindheit gedacht. Doch jetzt hatte er plötzlich das Gefühl, als ob alles erst gestern passiert wäre.

      »Die Identifizierung wird anhand der Zahnarztunterlagen durchgeführt. Das Feuer hat leider sehr gründliche Arbeit geleistet. Es wird keine Anklage gegen Bob Steele geben, denn er ist bei dem Brand ebenfalls ums Leben gekommen. Aber es gibt einige juristische Dinge, die erledigt werden müssen. Ihr Vater hat Sie als Notfallkontakt angegeben und wir wissen von keinem anderen Familienmitglied oder engen Verwandten in der Nähe. Deshalb wäre es hilfreich, wenn Sie in den nächsten Tagen nach Wichita Falls kommen könnten. Wenn das möglich wäre.«

      »Äh, ja das kann ich machen«, antwortete David. »Ich komme in den nächsten ein bis zwei Tagen.«

      »Das wäre schön. Ich gebe Ihnen meine Nummer, und Sie rufen mich dann bitte an, sobald Sie in der Stadt sind.«

      Sie tauschten ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen aus, dann legte David den Hörer auf. Er merkte erst, dass er das Schlafzimmer wieder betreten hatte, als er bereits dort war. Er drehte sich um und wäre beinahe mit Meredith zusammengestoßen.

      »Schatz«, sagte sie und nahm ihn in die Arme. »Es tut mir so wahnsinnig leid. Möchtest du darüber reden?«

      »Ich weiß nicht, was es da zu bereden geben sollte. Mein Vater ist tot. Anscheinend wurde er ermordet. Ich muss mich jetzt um seine Angelegenheiten kümmern.«

      »Oh, mein Gott!«, schrie Meredith. Sie ergriff ihn am Arm


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